Sparpaket: „Schonprogramm für die Pharmaindustrie“ 04.06.2026 16:33 Uhr
Mit dem GKV-Sparpaket kommen Kürzungen bei Kliniken und Arztpraxen; auch Hersteller und Apotheken müssen zur Stabilisierung der Kassenfinanzen beitragen. Bei den Pharmaunternehmen müsse jedoch noch stärker angesetzt werden, mahnt der Spitzenverband der Gesetzlichen Krankenkassen (GKV). „Arzneimittel sind nach den Krankenhäusern der zweitgrößte Kostenblock in der gesetzlichen Krankenversicherung und die Pharmaindustrie verdient daran blendend“, sagte die stellvertretende Vorstandsvorsitzende Stefanie Stoff-Ahnis der Rheinischen Post.
Die Ausgaben für Arzneimittel steigen von Jahr zu Jahr, von 2012 bis 2025 um 118 Prozent auf rund 59 Milliarden Euro. Dabei seien die Kosten einer Tagesbehandlung mit patentgeschützten Arzneimitteln im Durchschnitt um 182 Prozent gestiegen, wobei der Zusatznutzen nicht immer nachgewiesen sei. „Die steigenden Ausgaben für Arzneimittel sind seit Langem eine enorme Herausforderung für die Solidargemeinschaft. Wenn die Politik keine wirksamen Regeln schafft, mit denen wir die steigenden Arzneimittelkosten in den Griff bekommen, dann bezahlen das am Ende Versicherte und Arbeitgeber mit noch höheren Krankenkassenbeiträgen“, so Stoff-Ahnis.
Daher sei es umso unverständlicher, dass die Politik die Sparbeiträge der Pharmaindustrie zur Stabilisierung der GKV-Beitragssätze im Vergleich zu dem Vorschlag der Finanzkommission Gesundheit wieder verringern wolle. „Die jetzt geplante Reform ist ein Schonprogramm für die Pharmaindustrie“, so Stoff-Ahnis zu den Plänen laut GKV-Beitragssatzstabilisierungsgesetz (BStabG).
„Der Preisanstieg für Arzneimittel muss wieder auf ein Normalmaß zurückgeführt werden, denn solche Preissteigerungen hält kein Gesundheitssystem der Welt aus.“ Auch die Pharmaindustrie müsse einen angemessenen Beitrag zu den allgemeinen Einsparungen bei den Kassenfinanzen leisten.
Der Gesetzentwurf sieht einen dynamischen Herstellerabschlag vor, der dafür sorgen soll, dass Einnahmen und Ausgaben ins Gleichgewicht kommen. Die Pharmaindustrie sieht hier massive Kosten auf die Branche zukommen und warnt vor Sparmaßnahmen seitens der Hersteller. Erste Pharmariesen kündigten bereits Konsequenzen an.
Stoff-Ahnis verteidigt das Instrument: „Der dynamische Herstellerabschlag ist ein Sicherheitsnetz für die Beitragszahlerinnen und Beitragszahler gegen steigende Belastungen. Wer dieses Sicherheitsnetz zerschneidet, nimmt weiter steigende Krankenkassenbeiträge in Kauf.“ Auch mit dem Abschlag seien steigende Einnahmen aufseiten der Hersteller möglich, er verhindere aber eine Überforderung der Versicherten und Arbeitgeber.