RNA oder Vektor

Spahn: Zunächst keine freie Wahl bei Impfstoffen Alexandra Negt, 06.01.2021 14:41 Uhr

  • Auch wenn mehrere Impfstoffe die Zulassung erhalten haben, wird sich die Wahl der jeweiligen Vakzine vor allem nach der Verfügbarkeit richten. Foto: Rido/shutterstock.com

Berlin - Aktuell ist nur der mRNA-Impfstoff von Biontech in der EU zugelassen. Der ebenfalls mRNA-basierte Impfstoff von Moderna hat seitens der EMA die Zulassungsempfehlung erhalten. Somit werden bald zwei Vakzine zu Verfügung stehen. Als dritter Impfstoff könnte der vektorbasierte Kandidat von AstraZeneca folgen. Eine freie Auswahl wird es auf absehbare Zeit für die Menschen nicht geben.

Die ersten Impfungen mit dem mRNA-basierten Impfstoff von Biontech sind wenige Tage nach der Zulassung gestartet. In wenigen Tagen könnte ein zweiter Impfstoff dazu kommen. Die Europäische Arzneimittel-Agentur (EMA) hat die bedingte Marktzulassung für den Corona-Impfstoff des US-Herstellers Moderna empfohlen. Doch auch wenn bald zwei verschiedene Präparate auf dem Markt sind, bedeutet dies nicht, dass die Bürger frei wählen könnten. Die Auswahl richte sich im ersten Durchlauf vor allem nach der Verfügbarkeit, so das Bundesgesundheitsministerium (BMG).

„In der ersten Phase der Verimpfung von Covid-19 Impfstoffen in Impfzentren oder über mobile Impfteams spielt die Verfügbarkeit des Impfstoffs eine wichtige Rolle“, informiert das BMG. „Bei der Auswahl des Impfstoffs werden die Stiko-Empfehlungen und die Vorgaben der Zulassung berücksichtigt, beispielsweise hinsichtlich der zu impfenden Patientengruppen.“ Erst in einer zweiten Phase der Impfung erfolgt die Impfung auch in Arztpraxen. Wenn zugelassene Impfstoffe in genügender Zahl zur Verfügung stünden, könnten die Impflinge wählen.

Minister Jens Spahn (CDU) reagiert auf die Nachfrage regelrecht überrascht: Solange es Knappheit gebe, könne es auch kein Wahlrecht geben. Auf jeden Fall sollten Menschen die zweite Dosis desselben Impfstoffs erhalten – ein Wechsel werde von Wissenschaftlern nicht empfohlen.

Die beiden Impfstoffe von Biontech und Moderna beruhen auf derselben Technologie. Dennoch sind sie nicht identisch: So unterscheiden sich die Vakzine beispielsweise bei der Lagertemperatur, der Aufbereitung und dem Impfintervall.

„Dass wir am Anfang zu wenig Impfstoff haben werden war von Anfang an klar. Das ist auch schon seit vielen Wochen und Monaten klar“, so Spahn. „Grund für den Engpass, für die Knappheit zu Beginn der Impfkampagne sind übrigens nicht zu wenig bestellte Mengen, sondern Grund für die Knappheit sind die fehlenden Produktionskapazitäten zu Beginn.“ Diese wissentliche Knappheit des Impfstoffes sei auch der Grund für die lange geführte Priorisierungsdebatte gewesen. Zu Beginn können nicht alle Bürger geimpft werden, die besonders vulnerablen Gruppen müssten zuerst einen Zugang zum Impfstoff bekommen. „Deshalb müssen sich einige Bürger noch gedulden.“

Über die abgeschlossenen Verträge mit Biontech und Moderna erhält Deutschland laut Spahn mehr als 130 Millionen Impfdosen. So können Stück für Stück 65 Millionen Bürger geimpft werden. Denn bei beiden Impfstoffen muss nach einer definierten Zeit jeweils eine zweite Injektion erfolgen. Beide Vakzine dürfen darüber hinaus nur bei Personen ab 16 Jahre (Biontech) oder 18 Jahre (Moderna) angewendet werden.

Wieviel Produktion und Produktionskapazitäten für Folgeimpfungen nötig sein werden, ist aktuell noch nicht klar. Bislang könnten keine abschließenden Aussagen darüber getroffen werden, wie oft die Impfung wiederholt werden muss, oder ob eine einmalige Impfung, bestehend aus zwei Impfdosen, für einen lebenslangen Schutz ausreicht. Bislang sind bei beiden mRNA-basierten Impfstoffen zunächst zwei Injektionen im Abstand von 21 Tagen (Biontech) und 28 Tagen (Moderna) vorgesehen. Hiermit wird laut Studien ein Schutz von über 90 Prozent erzielt.