Skandal-Versorgungswerk: Ermittler filzen Postfächer 28.07.2026 15:21 Uhr
Im Skandal um das Versorgungswerk der Zahnärztekammer Berlin (VZB) ermittelt die Generalstaatsanwaltschaft Berlin gegen frühere Verantwortliche. Wie aus einem Durchsuchungsbeschluss hervorgeht, den das „Handelsblatt“ einsehen konnte, werden 18 Personen beschuldigt, in Summe mehr als 230 Millionen Euro veruntreut zu haben.
Laut „Handelsblatt“ haben die Ermittler beim Amtsgericht Tiergarten einen Beschluss erwirkt, um zahlreiche E-Mail-Accounts des Versorgungswerks durchsuchen zu dürfen. Bei den Beschuldigten handelt es sich laut Bericht um frühere Mitglieder des Verwaltungs- und des Aufsichtsausschusses sowie um Angestellte des VZB. Sie sollen die Investments freigegeben oder nicht ausreichend geprüft und hinterfragt haben.
Dreistellige Millionenbeträge flossen unter anderem in ein Hotel- und Immobilienunternehmen, eine Recyclingfirma in Kalifornien, ein Versicherungs-Start-up und in ein Logistikunternehmen. Obwohl die Firmen bereits defizitär oder verschuldet gewesen sein sollen, soll es laut Bericht vor den Investments keine eigenen Due-Diligence- oder Bonitätsprüfungen gegeben haben.
Der mutmaßliche Schaden wird mittlerweile auf mehr als eine Milliarde Euro geschätzt; die Hälfte des gesamten Anlagevermögens könnte damit verloren sein. Den rund 11.000 Mitgliedern in Berlin, Brandenburg und Bremen drohen Kürzungen bei Renten und Anwartschaften.
Brisant ist laut „Handelsblatt“ eine Mail aus dem Jahr 2024, in der der frühere Vorsitzende des Verwaltungsausschusses das Investment in den USA als „Desaster“ und „Millionengrab“ bezeichnete und dem damaligen VZB-Direktor vorhielt, ihn bei seinen „üppigen Boni der Jahre 16/17/18“ sowie der Anstellung von Frau und Tochter gedeckt zu haben.