Scharpf: „Wollen Versorgung verbessern“ 09.05.2026 09:36 Uhr
In Bayern haben Apothekerinnen und Apotheker auf die Bedeutung der Vor-Ort-Apotheke hingewiesen. Rund 300 Pharmazeutinnen und Pharmazeutien sowie Pharmaziestudierende kamen am 8. und 9. Mai in München zum Bayerischen Apothekertag zusammen.
Steigende Kosten bei seit Jahrzehnten fehlender Honoraranpassung und gleichzeitig zunehmenden Versorgungsaufgaben – der wirtschaftliche Druck auf die Vor-Ort-Apotheken ist enorm: Beim Bayerischen Apothekertag 2026 haben Bayerns Apothekerinnen und Apotheker daher deutliche Forderungen an die Politik gerichtet. Inmitten aktueller Gesetzesvorhaben im Gesundheitswesen warnte der Berufsstand vor einer weiteren Schwächung der wohnortnahen, qualitativ hochwertigen Arzneimittelversorgung. Gleichzeitig wurde deutlich gemacht, dass die Apothekerschaft bei verlässlichen politischen Rahmenbedingungen und einer wirtschaftlichen Stabilisierung der Vor-Ort-Apotheken bereit ist, aktiv die Gesundheitsversorgung von morgen mitzugestalten.
Apotheke der Zukunft
Die Präsidentin der Bayerischen Landesapothekerkammer (BLAK), Franziska Scharpf, sagte, dass der Berufsstand grundsätzlich bereit sei, die Transformation aktiv mitzugestalten: „Die Apotheke der Zukunft ist digital vernetzt und hochkompetent und wird eine zentrale Säule der Versorgung einnehmen müssen. Wer Prävention, Primärversorgung und Therapiebegleitung ernsthaft stärken will, kommt an den Apotheken vor Ort nicht vorbei. Wir Apothekerinnen und Apotheker wollen unsere heilberufliche, akademische Kompetenz noch aktiver in ein modernes Gesundheitssystem einbringen und die Versorgung der Menschen nachhaltig verbessern.“
Der Vorsitzende des Bayerischen Apothekerverbandes, Dr. Hans-Peter Hubmann, verband diese Perspektive mit klaren wirtschaftspolitischen Forderungen: „Die Kosten für Personal, Energie, Miete und weitere Sachkosten sind seit 2013 um rund 60 Prozent gestiegen. Dieses Auseinanderklaffen von Kosten und Einnahmen können wir nicht mehr schultern. 950 Millionen Euro für die Anpassung des Fixums entsprechen bei rund 350 Milliarden Euro Gesamtausgaben der gesetzlichen Krankenkassen lediglich etwa 0,3 Prozent Mehrausgaben.“ Sparpotenziale gebe es an anderer Stelle genug: Allein die Finanzierung der Beiträge für Grundsicherungsempfänger aus Steuergeldern würde die GKV um fast 13 Milliarden Euro entlasten. Zudem lägen die Verwaltungsausgaben der Krankenkassen inzwischen bei rund 14 Milliarden Euro – mehr als doppelt so hoch wie die Ausgaben für die Apothekenvergütung. „Mit einem Anteil von nur noch etwa 1,87 Prozent sind Apotheken nicht die Kostentreiber im System.“
Gerlach pro Apotheke
Bayerns Gesundheitsministerin Judith Gerlach (CSU) sagte: „Unsere Apotheken sind ein wesentlicher Teil der staatlichen Daseinsvorsorge. Als Gesundheitsministerin ist es mir ein zentrales Anliegen, eine flächendeckende und wohnortnahe Versorgung mit Arzneimitteln auch in Zukunft sicherzustellen. Dafür braucht es jedoch eine auskömmliche Finanzierung der Vor-Ort-Apotheken. Die beschlossene Erhöhung des Apothekenabschlags im GKV-Beitragsstabilisierungsgesetz ohne Erhöhung des Fixums geht in die falsche Richtung. Stattdessen müssen die Vor-Ort-Apotheken durch den Bund gestärkt werden. Eine angepasste Vergütung für die Abgabe verschreibungspflichtiger Arzneimittel ist dringend erforderlich. Ich werde mich gegenüber dem Bund weiterhin mit Nachdruck für eine schnelle, vollständige Umsetzung einsetzen.“