Apothekensterben

Sachsen: Linke legt Apotheken-Sicherungsplan vor 16.06.2026 12:21 Uhr

Dresden - 

Mit einem Apotheken-Sicherungsplan will die Linkenfraktion in Sachsen dem Apothekensterben im Freistaat entgegenwirken. „Die wirtschaftliche Situation vieler Apotheken ist extrem angespannt. Daher hoffe ich, dass die Koalition diesmal nicht so lange braucht, um unsere Vorschläge zu prüfen und sie bestenfalls mitzutragen“, betonte Fraktionschefin Susanne Schaper.

„Die Sicherung der Arzneimittelversorgung ist eine Frage sozialer Gerechtigkeit. Gleichwertige Lebensverhältnisse setzen voraus, dass alle Menschen – unabhängig von ihrem Wohnort – Zugang zu einer verlässlichen und qualitativ hochwertigen Versorgung haben“, heißt es in dem Antrag der Linkenfraktion. Mit dem Papier will die Fraktion eine Grundlage schaffen, um diese Aufgabe strategisch, verbindlich und zukunftsorientiert anzugehen.

Konkret fordert die Linke insgesamt 14 Maßnahmen. So soll ein landesweites und kontinuierliches Monitoring aufgebaut werden, um die Entwicklung der Apothekenstruktur kleinräumig zu erfassen. Auf Grundlage dieses Monitorings soll ein verbindliches Frühwarnsystem etabliert werden, damit drohende Versorgungslücken frühzeitig identifiziert werden können. Zudem fordert die Linke, dass die Landesregierung prüft, ob und in welcher Form Mindeststandards für die Arzneimittelversorgung, insbesondere hinsichtlich Erreichbarkeit und Versorgungsdichte, definiert werden können.

Landapothekerquote und Förderprogramme

Für unterversorgte Regionen soll ein Förderprogramm aufgelegt werden, insbesondere um Übernahmen und Neugründungen zu unterstützen. Darüber hinaus sollen in ländlichen Regionen Modelle einer Landapothekerquote, Stipendienprogramme mit Bindungswirkung sowie gezielte Niederlassungsanreize geprüft werden, ebenso wie innovative Versorgungsmodelle wie mobile Angebote, erweiterte Botendienste oder digitale Beratungsstrukturen, aber auch Kooperationen mit kommunalen Gesundheits- und Pflegeeinrichtungen. Auch Modellprojekte zur stärkeren Einbindung der Apotheken in die gesundheitliche Versorgung sollen entwickelt werden.

Fachkräftemangel und Bürokratieabbau

Um dem Fachkräftemangel entgegenzuwirken, sollen Ausbildungs- und Studienkapazitäten ausgebaut werden. Außerdem sollen „Maßnahmen zur Erhöhung der Attraktivität pharmazeutischer Berufe“ umgesetzt werden.

Um das Personal weiter zu entlasten, sollen landesrechtliche Spielräume genutzt werden, um unnötige Bürokratie abzuschaffen, insbesondere bei Dokumentationspflichten, Abrechnungsverfahren und Verwaltungsprozessen. Die Landesregierung soll zudem Koordinierungs- und Unterstützungsstrukturen aufbauen, um die Apotheken bei Lieferengpässen zu unterstützen.

Um regionale Versorgungsprobleme frühzeitig zu identifizieren und abgestimmte Lösungen zu entwickeln, schlagen die Linken einen „Runden Tisch Arzneimittelversorgung Sachsen“ vor. Hier sollen neben Vertretern der Apothekerschaft auch Vertreter der Krankenkassen, Kassenärztlichen Vereinigung, Patientinnen und Patienten und kommunaler Verbände teilnehmen.

Apotheken auf Bundesebene stärken

Auch auf Bundesebene soll die sächsische Landesregierung sich für die Apotheken starkmachen. Die Regierung soll sich laut Antrag für eine „nachhaltige wirtschaftliche Stabilisierung der Apotheken“ einsetzen. Auch mit Blick auf die wachsende Konkurrenz ausländischer Versender fordert die Linke ein Gegensteuern: Auf Bundesebene soll sich die sächsische Landesregierung für faire Wettbewerbsbedingungen zwischen Vor-Ort-Apotheken und Versandapotheken einsetzen.

Bis zum 30. November soll die Staatsregierung einen Sicherungsplan vorlegen und jährlich dem Landtag über die Entwicklungen und die Umsetzung der Maßnahmen berichten, heißt es in dem Antrag.