Keine Boni, Begrenzung von IGeL-Leistungen

Primärversorgungssystem: AOK fordert zügige Umsetzung 27.01.2026 15:16 Uhr

Berlin - 

Bundesgesundheitsministerin Nina Warken (CDU) will Patienten im System besser steuern. Zukünftig soll es ein Primärversorgungssystem geben. Heute fand das Auftaktgespräch zum Reformvorhaben mit Warken statt, an dem auch der AOK-Bundesverband teilnahm. Die Vorstandsvorsitzende, Dr. Carola Reimann, fordert eine baldige Umsetzung.

„Vor einem dreiviertel Jahr hat die Bundesregierung die Einführung eines Primärversorgungssystems angekündigt. Gute Konzepte liegen bereits auf dem Tisch. Nun muss es spätestens nach der Sommerpause endlich von der Diskussion in die Umsetzung gehen, damit die Reform noch in dieser Legislatur verwirklicht werden kann. Dabei wünschen wir uns auch Mut zum Pragmatismus und kein endloses Herumdoktern an Details“, so Reimann.

Die AOK-Gemeinschaft plädiert in ihrem Positionspapier zur Primärversorgung für den Einsatz einer verbindlichen, standardisierten Ersteinschätzung. Gleichzeitig will der Verband auf interdisziplinäre Praxisteams setzen, die eine umfassende Grundversorgung übernehmen und bei Bedarf an die passenden Fachärzte überweisen. Zudem sollen die bei den Kassenärztlichen Vereinigungen angesiedelten Leitstellen unter der Rufnummer 116 117 die Behandlungsdringlichkeit beurteilen und Patientinnen und Patienten in die passende Versorgungsebene vermitteln.

„Leistungen, die dann aber von Versicherten womöglich ohne Überweisung oder Ersteinschätzung in Anspruch genommen werden, sollten künftig nicht mehr über die GKV abgerechnet werden können – mit Ausnahmen etwa für Gynäkologie, Pädiatrie und Früherkennung“, erklärt Reimann.

Weniger IGeL-Leistungen

Gleichzeitig brauche es klare Regeln für die Ärzteschaft. Die AOK-Chefin schlägt eine Begrenzung von IGeL-Leistungen auf ausgewiesene Sprechstunden vor, damit wieder mehr Zeit für die vertragsärztliche Versorgung aufgewendet wird. Auch die fachärztlichen Versorgungsaufträge müssten weiterentwickelt werden, zum Beispiel durch verbindliche Mindestanteile konservativer Leistungen zur langfristigen Sicherung der Grundversorgung. Um die langen Wartezeiten auf Facharzttermine zu verkürzen, sollten die Praxen zudem verpflichtet werden, freie Termine in relevantem Umfang an ein zentrales Portal zu melden, über welches diese dann bedarfsgerecht abgerufen werden können.

Keine Boni

„Die zuletzt viel diskutierte Frage nach Anreizsystemen wie Einschreibemodelle, Boni, Zuzahlungen oder Wahltarife halten wir für verfehlt“, so Reimann. Diese Instrumente würden zu noch mehr Bürokratie führen, soziale Schieflagen verstärken und hätten letztlich keine gute Steuerungswirkung.

Der wirksamste Steuerungsansatz hingegen liege laut Reimann in der verbindlichen Einführung der Primärversorgung als Regelversorgung. Der Gemeinsame Bundesausschuss solle hierfür einheitliche Mindestvorgaben definieren, die gleichzeitig genügend regionalen Gestaltungsspielraum für Unterschiede in der Versorgung in der Großstadt und auf dem Land zulassen.