Preisverleihung

Apotheker kritisieren Politik Christoph Süß, 11.06.2015 13:37 Uhr

Berlin - 

Der Kontrast hätte stärker nicht sein können: Hier die Vorsitzende des GKV-Spitzenverbands, da die Apotheker aus der Praxis vor Ort. Weil drei von ihnen besonders findig sind, waren sie gestern Abend zur Verleihung des Deutschen Apothekenpreises in Berlin. Doch im Vortrag von Dr. Doris Pfeiffer zur aktuellen Gesundheitspolitik kamen sie überhaupt nicht vor – sehr zu ihrem Unmut.

Die zur Kohl-Gruppe gehörende Apotheken-Kooperation Avie will mit dem Preis „die Bedeutung der Vor-Ort-Apotheke als die Instanz der flächendeckenden Arzneimittelversorgung in Deutschland heraus stellen“. Dass dies mehr denn je nötig ist, machte Dr. Doris Pfeiffer mit ihrem Vortrag über die aktuellen Reformvorgaben der Bundesregierung deutlich: Weder beim Präventionsgesetz, noch beim E-Health- oder Versorgungsstärkungsgesetz erwähnte sie die Apotheker. Dabei ist ihre Kasse prall gefüllt. Aus Sicht von Preisträger Christian Koch ist das bezeichnend für den Stellenwert der Apotheker in der deutschen Gesundheitspolitik. Er hält deshalb mit einem innovativen Konzept in Hessen dagegen. Dafür bekam er gestern den ersten Preis.

Koch fährt seit gut einem Jahr mit einem umgebauten Wohnmobil durch die Lande und bietet Unternehmen für ihre Mitarbeiter darin Beratung und Gesundheitschecks an. Der Apotheker aus dem hessischen Wölfersheim bei Gießen will damit bei der Prävention mitwirken. „Mir macht das riesigen Spaß“, sagt er. Weniger Spaß macht ihm die derzeitige Gesundheitspolitik. Dass die Apotheker im geplanten Präventionsgesetz der Bundesregierung nicht vorkommen, findet er ein Unding. Koch nutzte die politische Bühne, um seinem Ärger Luft zu machen: Die Apotheker könnten bei der Gesundheitsversorgung der Bevölkerung eine viel größere Rolle spielen, als sich dies in den Gesetzen widerspiegele.

Kochs Kollegen, der zweitplatzierte Apotheker Manfred Saar und der drittplatzierte Dr. Egberg Meyer-Buchtela, sehen das ähnlich. Auch sie finden, dass die Politik die Apotheker zu wenig im Auge hat. Saar muss es wissen: Als Präsident der saarländischen Apothekerkammer bekommt er mit, welch schweren Stand die ABDA in Berlin hat. Weil Saar nicht darauf warten wollte, bis die Politik den Apothekern zusätzliche Handlungsfelder erschließt, hat er mit einem Labor ein Projekt zur Förderung der Herzgesundheit gestartet. Die Apotheker sind dabei die erste Anlaufstelle und klären die Patienten auf. Kritische Werte sollen so früher bei den Ärzten landen.

Egberg Meyer-Buchtela aus der Engel-Apotheke in Freiburg bekam den dritten Preis für sein Konzept für individuelle Betreuung, Kommunikation und Transparenz. „Ich warte nicht auf die Politik und nehme die Dinge selbst in die Hand“, sagte er. So gestaltete er seine Apotheke aus den 70er Jahren komplett um. Die klassische Staffelung Kunde – HV-Tisch – Apotheker – Sichtwahl hob er auf. Meyer-Buchtela bietet seinen Patienten statt Sonderangeboten lieber viele Informationen im Internet sowie Vorträge und Seminare in der Apotheke an. Außerdem misst er mit Antwortkarten regelmäßig die Kundenzufriedenheit und erfasst diese Daten digital.

„Die Apotheken in Deutschland leisten einen unverzichtbaren Beitrag für die Gesundheitsversorgung der Bevölkerung“, sagte Avie-Geschäftsführer Dr. Thomas Zenk bei der Preisverleihung. Die Apotheken kümmerten sich mit viel Engagement und Kreativität um über 3,5 Millionen Menschen täglich. Diese Leistung verdiene mehr Beachtung. Sein Unternehmen rief deshalb den Preis im vergangenen Jahr ins Leben. Er ist mit 10.000 Euro dotiert und wurde am Rande des Hauptstadtkongresses vergeben.