KI im Gesundheitswesen

Preis: „KI-Prompts ersetzen nicht die persönliche Zuwendung“ 24.09.2026 17:06 Uhr

Berlin - 

Wie kann Künstliche Intelligenz (KI) die Arbeit der Leistungserbringer jetzt schon und in naher Zukunft unterstützen und verändern? Welche Risiken birgt die Technologie? Darüber diskutierten heute auf dem AI in Healthcare Future Forum Vertreterinnen und Vertreter der Kassen, der Ärzteschaft, der Apothekerschaft und der Kliniken.

Das Gesundheitswesen steht vor enormen Herausforderungen, wie der wachsenden Komplexität der Therapien, dem demografischen Wandel und der schlechten Gegenfinanzierung – „da ist KI nicht mehr wegzudenken“, erklärte Abda-Präsident Thomas Preis. Gleichzeitig brauche es sichere Anwendungen, das sei die Aufgabe der Zukunft. „KI hält Einzug, aber wir müssen sie auch bändigen.“ Wie bei allen großen Innovationen der Menschheitsgeschichte wie dem Automobil oder der Kernkraft müsse auch mit KI mit Bedacht umgegangen werden.

„Alles, was mit Patienten direkt zu tun hat, ist noch nicht sicher genug“, betonte Preis. Er sieht die Anwendungsfälle in der Apotheke erst einmal in den Administrationsprozessen, zum Beispiel beim Management des Warenlagers, hier sei die Optimierung ein wichtiger Faktor. Auch bei der Personalplanung und beim Wareneinkauf könne KI helfen.

Vor allem bei der Bürokratie und Dokumentation könne KI enorm helfen, erklärte Manuela Pintarelli-Rauschenbach, Vorsitzende des Spitzenverbands der Heilmittelverbände (SHV). Dabei müsse auch sektorübergreifend bedacht werden, wie wichtig Schnittstellen für die intersektorale Zusammenarbeit sind.

Auch Kai Swoboda von der IKK sieht den Vorteil der KI, um bei administrativen Prozessen und dem Support zu unterstützen. Allerdings dürfe man da nicht aufhören, die KI müsse auch zur Analyse und zum Nutzen von Versorgungsdaten eingesetzt werden, zum Beispiel, um Risikofaktoren zu erkennen und passende Versorgungsangebote zu machen. „Das ist aber nichts, was in zwölf Monaten fertig sein wird“, betonte er.

Die Ärzteschaft nutze KI-Tools bereits, erklärte Dr. Philipp Strachwitz von der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV). Nicht nur im administrativen Bereich, sondern auch im medizinischen. So würde in den meisten radiologischen Praxen KI laufen und bei der Bildanalyse helfen. „Wichtig ist die letzte Kontrolle durch den Menschen“, betonte er. KI könne auch im Patientengespräch zur Dokumentation genutzt werden.

Weniger Personal durch KI

Wenn administrative und Supportprozesse künftig überwiegend von KI gestützt würden, könne auch Personal eingespart werden, erklärte Roland Engehausen von der Bayerischen Krankenhausgesellschaft. „Wir müssen ohnehin Personal abbauen, weil wir das Geld nicht haben.“ Da könne KI wenigstens Abhilfe schaffen.

Auch bei den Ärzten könne KI den wirtschaftlichen Druck durch die Sparreform etwas nehmen, indem sie administrative Aufgaben übernehme, so Strachwitz. Gleichzeitig würde es auch den MFA-Beruf wieder attraktiver machen, wenn die Angestellten sich auf ihre tatsächlichen Kernaufgaben konzentrieren könnten, statt viel Zeit auf bürokratische Aufgaben zu verwenden.

„Wir haben Fachkräftemangel und wir brauchen die Zeit für die Patientinnen und Patienten“, stimmte auch Pintarelli-Rauschenbach zu. Die administrativen Tätigkeiten, die alltäglich anfallen, würden zudem auch nicht refinanziert.

Mehr Zeit für den Patienten

Mit der Apothekenreform können Apotheken bald neue pharmazeutische Dienstleistungen anbieten, erinnerte Preis. „Wir müssen KI im Backoffice nutzen und die personellen Ressourcen bei dem Patienten in der Beratung.“ Der Gesetzgeber habe den Boden bereitet für mehr pDL, es brauche jetzt KI, um auch den Raum dafür zu schaffen. Auch das Medikationsmanagement könnte künftig KI-gestützt sein, wobei die Verantwortung dabei immer beim Apotheker liegen müsse, so wie bei der Anwendung von KI-Tools in der Praxis auch immer der Arzt verantwortlich bleibe – „das ist ganz wichtig“, betonte er.

Gleichzeitig warnte Preis auch vor der Kehrseite der KI-Nutzung: „KI in den sozialen Ebenen und Medfluencer werden die Patientinnen und Patienten in die Irre treiben“, warnte Preis. Deshalb müssten die Leistungserbringer helfen, durch die persönliche Beratung Informationen richtig einzuordnen. Auch der Gesetzgeber sei hier gefragt. „KI-Prompts ersetzen nicht die persönliche Zuwendung“, betonte Preis.

Steuerung

Auch bei der Patientensteuerung könne KI eine Rolle spielen, so Pintarelli-Rauschenbach. Strachwitz mahnte zur Vorsicht, sich hierbei zu sehr auf KI zu verlassen. Man steuere bereits zum Beispiel mit der 116 117, das solle jetzt weiterentwickelt werden. „Die Frage, ob die KI das alles ganz alleine kann – da bin ich noch sehr zurückhaltend. Ich glaube, wir werden weiterhin ärztliche Verantwortung brauchen“, erklärte er.

Demografische Entwicklung

Swoboda warnte davor, die durch KI gewonnenen personellen Ressourcen nun vorschnell durch neue Angebote zu füllen: „Wir haben die Finanzierungsthematik, den demografischen Wandel und den Fachkräftemangel. Die gewonnene Zeit und die Ressourcen werden wir bald bitter brauchen, um die Versorgungssicherheit auch in 15 Jahren noch gewährleisten zu können“, betonte er. Dabei könne KI zudem nur ein Instrument sein, so müsse auch Prävention eine Rolle spielen.

„Wir brauchen sowieso schon wesentlich mehr Zeit“, so Preis. Das sei den komplexeren Therapien und der Multimedikation geschuldet und die Komplexität in der Arzneimitteltherapie nehme zu, KI könne hier helfen.

Engehausen wies darauf hin, dass KI auch die Forschung und Entwicklung neuer Therapien beschleunigen werde.