Pilsinger: Exklusive Ausschreibungen sind nicht vom Tisch 15.10.2026 14:21 Uhr
Laut Prognosen werden die Arzneimittelausgaben der GKV bis 2035 auf bis zu 89 Milliarden Euro steigen. Auch steigende Biologika-Ausgaben werden dabei ein Kostentreiber sein. Daher bergen Biosimilars ein hohes Einsparpotenzial – wenn die Rahmenbedingungen stimmen. Mit der Apothekenreform wurde auch ein befristeter Ausschluss von exklusiven Rabattverträgen für Biosimilars beschlossen. Das sei eine Atempause für die Industrie, waren sich Dr. Martin Spatz (Stada), Markus Hoch, Senior-Projektleiter der Prognos AG, und Dr. Stephan Pilsinger (CSU) auf dem Symposium der AG Pro Biosimilars in Berlin einig. Nun gehe es darum, auch über 2028 hinaus verlässliche Rahmenbedingungen zu schaffen.
Alle Anbieter müssten das Gefühl haben, dass sie zum Zug kommen könnten, sonst sei Investieren nicht attraktiv, betonte Spatz. Durch die Aussetzung exklusiver Ausschreibungen habe man nun eine Atempause geschaffen, um die Rahmenbedingungen für den Wettbewerb zu schaffen. Insbesondere brauche es langfristig Planungssicherheit für die Unternehmen. Diese müssten sich genau überlegen, was sie investieren, wann sie es einführen könnten und was für einen Return of Invest sie erwarten können. Viele Patente laufen 2028 ab; die Frage wird sein, ob es dann genug Angebote von Biosimilars gibt. Bei der Entwicklung gehe es nicht um einen Horizont von zwei Jahren, sondern eher um Zehnjahreszyklen.
„Es gibt Kräfte im politischen Berlin, die die Pharmaindustrie sehr kritisch betrachten und glauben, dass hier mehr Spielraum für Einsparungen für das Gesundheitssystem möglich ist“, erklärte Pilsinger. Aber die Akteure würden dabei verkennen, dass man das nicht überziehen dürfe und Investitionen sich entsprechend auch rechnen müssten. Viele würden zudem verkennen, dass Biosimilars nicht gleich Generika seien. „Man kann nicht alles gleichsetzen“, betonte er. Die Zukunft werde im Arzneimittelbereich auf jeden Fall biologisch sein. Man müsse, wenn man sicherstellen möchte, dass Innovationen schnell im deutschen Markt ankommen, marktwirtschaftlich denken. Man dürfe nicht zu stark regulieren.
Selbst wenn man vom Best-Case-Szenario ausgehe und 2035 rund 5,6 Milliarden Euro durch Biosimilars einspare, stünden dem immer noch Arzneimittelausgaben von 89 Milliarden Euro entgegen, betonte Hoch. „Wir können dadurch irgendwo einsparen, das wird aber nicht das ganze System heilen, aber es kann einer der Hebel sein“, betonte er.
Wie muss der Rahmen aussehen?
„Wir setzen den Rahmen, damit die Pharmaindustrie in den Wettbewerb eingehen kann“, so Pilsinger. Die Aussetzung der Exklusivverträge sei eine Atempause, bis zum Ablauf müsse man eine Lösung finden. Er sei dabei gegen exklusive Ausschreibungen.
Exklusivverträge dürfe es nicht geben, betont auch Spatz. Sonst gebe es für Unternehmen keine Planungssicherheit, kritisierte er. Das System der Open-House-Verträge sei ein System, mit dem man umgehen könne. Es sei sinnvoll, dass jeder Hersteller mitmachen könne, betonte er. Wenn das Risiko bestünde, dass am Ende nur ein Hersteller liefern könne, hemme das Investitionen.
Deutschland gebe viel Geld für das Gesundheitssystem aus, aber gleichzeitig sei die Effizienz nicht die beste, so Pilsinger. Man werde sich die Entwicklungen der Einsparungen durch Biosimilars sehr genau ansehen und entsprechend in politische Entscheidungen einfließen lassen. „Das Thema exklusive Ausschreibungen ist in Berlin – auch wenn wir das nicht befürworten – natürlich nicht vom Tisch“, erklärte Pilsinger.
Viele Biologika-Patente würden in den nächsten Jahren ablaufen, wiederholte Spatz. Man hätte hier gerne Alternativen, für den überwiegenden Teil fehlten diese aber. Das liege daran, dass die Entwicklung zu unsicher sei, weil in zwei Jahren Exklusivverträge kommen könnten. Die Frage sei, was man nun dafür tue, dass es für jedes Arzneimittel ein Biosimilar, am besten nicht nur eins, sondern mehrere, gebe.
Generell würden in der Wirtschaft viele Nicht-Investitionen mit Unsicherheit begründet, betonte Hoch. „Ich habe jetzt zwei Jahre so eine gewisse Verlässlichkeit. Wenn die Innovationszyklen aber zehn Jahre sind, dann hilft mir das nur bedingt.“ Dieser Faktor Zeit spiele gerade bei diesen komplexen Innovationen wirklich eine ordentliche Rolle, auch mit Blick auf die Verlässlichkeit.
Es sei mit Blick auf die politischen Rahmenbedingungen auch wichtig, der Wirtschaft zu vermitteln, dass es so bleibt und man nicht in einem Jahr wieder eine Kehrtwende einleitet.