30 Cent mehr pro Packung

Phagro: Großhandel zahlt bei Rx drauf 20.05.2026 14:04 Uhr

Berlin - 

Die Kosten des Großhandels haben einen neuen Höchststand erreicht – und liegen sogar höher als der Umsatz im Rx-Bereich. Der Branchenverband Phagro fordert daher eine Vergütungsreform.

Die Gesamtkosten im vollversorgenden Pharmagroßhandel haben 2025 mit mehr als 1,5 Milliarden Euro einen Höchststand erreicht, wie aus Zahlen des Instituts für Handelsforschung (IfH) hervorgeht. Sie übertreffen laut Phagro damit die Höhe der gesetzlichen Vergütung für verschreibungspflichtige Arzneimittel, der wichtigsten Einnahmequelle im Großhandel. „Unsere Kosten fressen auf, was wir im Rx-Bereich verdienen“, sagt der Phagro-Vorsitzende Marcus Freitag. „Damit erodiert die wirtschaftliche Grundlage der flächendeckenden Arzneimittelversorgung weiter.“

Im Vergleich zum letzten Vorkrisenjahr 2021, vor dem Beginn des Ukrainekriegs und anhaltender Krisen mit Inflations- und Kostensteigerungen, sind die Kosten laut Phagro um 35 Prozent in die Höhe geschossen. Besonders betroffen sind demnach:

  • Fremdkapitalkosten: plus 164 Prozent – Zinsniveau bei immer mehr hochpreisigen Arzneimitteln
  • Raumkosten: plus 51 Prozent – insbesondere Energiekosten für Betrieb der Niederlassungen
  • IT-Kosten: plus 19 Prozent – unter anderem für Cybersicherheit
  • Tourenkosten: plus 19 Prozent – hohe Spritkosten
  • Personalkosten: plus 14 Prozent – Mindestlohnerhöhungen

Da die Rx-Preise und damit auch die Großhandelsvergütung gesetzlich festgelegt sind, kann die Branche nicht auf steigende Kosten reagieren. Damit fehlt den Vollversorgern ein zentraler betriebswirtschaftlicher Anpassungsmechanismus. „Wir tragen seit Jahren sämtliche Kostensteigerungen, ohne dass unsere gesetzliche Vergütung entsprechend erhöht wird“, sagt Phagro-Vize Kerem Inanc. „Das Gesundheitswesen spart auf unsere Kosten – das ist nicht länger tragfähig.“

In einem Brief an Bundesgesundheitsministerin Nina Warken hatten Freitag und Inanc bereits im Februar darauf hingewiesen, dass der Großhandel 65 Prozent der Packungen mit rezeptpflichtigen Arzneimitteln nicht mehr kostendeckend abgibt. Der Phagro fordert eine Erhöhung des Festzuschlags um 30 Cent pro Packung. „Eine strukturelle Reform der Arzneimittelpreisverordnung duldet keinen weiteren Aufschub“, betont Freitag.