Pflegeheim: Ein Drittel auf Sozialhilfe angewiesen 05.03.2026 10:19 Uhr
Immer mehr Bewohner in Pflegeheimen sind nach einer Auswertung der Krankenkasse DAK auf Sozialhilfe angewiesen. „Die Sozialhilfequote in Pflegeheimen erreicht 2026 den neuen Höchstwert von 37 Prozent“, heißt es in der Studie.
Ohne Reformen könnte die Zahl bis zum Jahr 2035 demnach ungebremst auf knapp 43 Prozent ansteigen. „Die stationäre Pflege wird für immer mehr Menschen zur konkreten Armutsfalle“, sagt DAK-Vorstandschef Andreas Storm.
309.000 Menschen beziehen Sozialhilfe in Pflegeheimen
Derzeit beziehen der Auswertung nach 309.000 Menschen Sozialhilfe in Pflegeheimen. Die Zahl könnte sich demnach in den nächsten neun Jahren um 15 Prozent auf 356.000 Betroffene erhöhen. Die Studie hat der Gesundheitsökonom Professor Dr. Heinz Rothgang im Auftrag der DAK erstellt.
Storm fordert: „Die Begrenzung der Eigenanteile in den Heimen muss Teil einer großen Pflegereform werden. Wir brauchen einen neuen Finanzierungsmix. Das Ziel muss eine faire Lastenverteilung zwischen Beitragszahlenden, Pflegebedürftigen und Steuerzahlenden sein.“
Eine Deckelung der pflegebedingten Eigenanteile auf einen Höchstbetrag von 1000 oder 1200 Euro im Monat würde die Lage laut Studie etwas entspannen. Die Sozialhilfequote würden demnach dann auch im Jahr 2035 zwischen 32 und 37 Prozent liegen.
Eigenanteile von über 3000 Euro
„Die Kosten für professionelle Pflege steigen seit Jahren deutlich. Viele Bewohnerinnen und Bewohner von Pflegeheimen zahlen inzwischen inklusive Investitionskosten Eigenanteile von über 3000 Euro im Monat – deutlich mehr als das durchschnittliche Ruhestandseinkommen von rund 1990 Euro“, bilanziert Thomas Knieling, Bundesgeschäftsführer des Verbandes Deutscher Alten- und Behindertenhilfe (VDAB). Auch die ambulante und teilstationäre Pflege werde teurer – „mit dem Unterschied, dass es hier oft zum Verzicht auf Leistungen kommt“, so der Experte. „Deshalb muss die nächste Pflegereform eine Gesamtlösung bieten, die Verfügbarkeit und Bezahlbarkeit von professioneller Pflege sicherstellt. Es wird letztlich ein Maßnahmenbündel von Dynamisierung von Leistungsbeträgen, Förderung von Investitionskosten, privater Vorsorge und auf Leistungsseite vor allem Deregulierung und Flexibilisierung notwendig werden, um wirksam gegensteuern zu können. Dazu muss die Pflegepolitik die Inseldebatten zusammenführen und eine klare Strategie für alle Leistungsbereiche der professionellen Pflege vorlegen – nicht nur für die vollstationäre Pflege, die über die Debatte um die Eigenanteile im Fokus der medialen Aufmerksamkeit steht.“