Personalrochade: Merz unter Beschuss 27.07.2026 17:31 Uhr
Bundeskanzler und CDU-Chef Friedrich Merz hat seine Personalrochade fortgesetzt, doch innerhalb der Partei rumort es. In den Sitzungen der Spitzengremien der CDU konnte der Kanzler den Ärger über den Rauswurf von Verkehrsminister Patrick Schnieder (CDU) nicht dämpfen. Im Gegenteil: Es gab nach Informationen der Deutschen Presse-Agentur massive Kritik am Führungsstil des Kanzlers. Schnieders Landesverband geht sogar ganz offen auf Konfrontation zu Merz. Und die Wahlkämpfer in Ostdeutschland sind sauer über das Bild, das die Partei nur sechs Wochen vor der ersten von drei Landtagswahlen im September abgibt.
Bereits am Vortag hatte Merz verkündet, dass der bisherige Parlamentarische Geschäftsführer Steffen Bilger Verkehrsminister werden soll. Der Kanzler hatte Schnieder bereits am Donnerstag darüber informiert, dass er ihn entlassen will. Wegen der kurzfristigen Absage des für die Nachfolge vorgesehenen Bundestagsabgeordneten Fritz Güntzler wurde das aber drei Tage lang nicht kommuniziert. Am Sonntag bat Schnieder dann selbst um Entlassung, um den „unwürdigen Zustand“ zu beenden.
Weder in den Gremiensitzungen noch in der Pressekonferenz nannte Merz die genauen Gründe für den Rausschmiss Schnieders. Er sagte öffentlich nur, dass er kein persönliches Problem mit ihm habe. Schnieders Bruder, der rheinland-pfälzische Ministerpräsident Gordon Schnieder, hatte bereits am Sonntag einen X-Post von Ex-Kanzleramtschef Peter Altmaier geteilt, in dem der seine Wut über die Entlassung zum Ausdruck brachte. Auch im CDU-Präsidium soll der Regierungschef, der gerade erst kürzlich mit einem überraschenden Wahlsieg das Ministerpräsidentenamt für seine Partei zurückerobert hat, seinem Unmut sehr deutlich Luft gemacht haben.
Landesverband geht auf die Barrikaden
Gleichzeitig sagte die rheinland-pfälzische CDU-Landtagsfraktion wegen des Umgangs des Kanzlers mit Schnieder ein avisiertes Treffen mit Merz ab. „Ein persönlicher Austausch zwischen der CDU-Landtagsfraktion Rheinland-Pfalz und Ihnen setzt aus unserer Sicht ein Mindestmaß an gegenseitigem Vertrauen und Wertschätzung voraus, was durch die aktuelle Situation so leider nicht gegeben ist“, schrieb der neue Fraktionschef Christoph Gensch in einem Brief an Merz. Das ist fast schon eine offene Kampfansage.
Die Fraktion plant vom 9. bis 11. September eine Klausur in Berlin. Merz sagte dazu: „Ich gehe mal davon aus, dass sich die Wogen bis zum September wieder etwas geglättet haben und dass ich selbstverständlich dann auch die Landtagsfraktion aus Rheinland-Pfalz sehe.“ Im Augenblick gebe es gerade in diesem Landesverband eine verständliche Aufregung, „aber ich werde das auch nochmal erläutern“.
Schulze fordert Ende der Personalquerelen
Auch in den Ost-Verbänden der CDU wird der Ärger über Merz größer. Sachsen-Anhalts Ministerpräsident Schulze sagte im Deutschlandfunk, die Personalrochade sei „nicht unbedingt gut verlaufen“. Es sei „fast unmöglich, sich dann am Wahlkampfstand auf Landesthemen zu konzentrieren“. „Deswegen ist mein Wunsch nicht nur, sondern auch meine Forderung, dass dieses Thema jetzt oder diese Themen, die jetzt heute noch final beschlossen werden müssen oder verkündet werden müssen, dann auch ein Ende finden.“
Auch Bundestagsabgeordnete und hochrangige Parteivertreter sprechen von handwerklichen Fehlern, von einem „Desaster“, das Merz zu verantworten habe. Dem Kanzler wird vorgeworfen, die Personalentscheidungen zu wenig abgesprochen, kaum telefoniert zu haben. Ganz nach dem Motto: „Ich bin der Boss“, sagt einer.
Unterstützung für Merz nur von der Schwesterpartei
Unterstützung für Merz kam nur von der Schwesterpartei. CSU-Chef Markus Söder und Interims-Fraktionschef Alexander Hoffmann (CSU) verteidigten die Personalrochade. Die aktuelle Unruhe werde sich legen, sagte Söder vor Beginn einer Klausur der Bundestagsabgeordneten im oberfränkischen Kloster Banz. Gleichzeitig bezeichnete er die CSU explizit als „Stabilitätsanker“ innerhalb der gesamten Union: Das CSU-Team in Berlin habe sich bewährt, da bleibe alles, wie es sei.
Söder verwies darauf, dass der Rücktritt von Fraktionschef Jens Spahn der Ausgangspunkt gewesen sei. Dass ein Kanzler dies dann zum Anlass nehme, sich über eine breitere Aufstellung Gedanken zu machen, sei selbstverständlich. „Und so wie ein Bundestrainer oder ein Trainer ein- und auswechseln kann und muss, um den Gesamterfolg zu gewährleisten, darf und muss das ein Bundeskanzler oder auch Parteivorsitzender genauso tun“, betonte Söder.
Personalrochade bis zum höchsten Staatsamt?
Beendet ist die Personalrochade jedenfalls noch nicht. Möglicherweise ist in den Gesprächen der letzten Tage zwischen Merz und Söder auch schon über das höchste Staatsamt gesprochen worden. Nach den Landtagswahlen im Herbst soll darüber entschieden werden, wen die Union für die Nachfolge von Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier aufstellt.
Merz nannte die von Söder ins Spiel gebrachte bayerische Landtagspräsidentin Ilse Aigner eine „respektable, denkbare Bundespräsidentin“. Er machte zugleich deutlich, dass es noch keine Entscheidung gebe, wen die Union vorschlagen wolle. Aigner selbst hatte auf die Frage, ob sie für das höchste Amt bereitstünde, zuletzt gesagt: „Diese Frage stellt sich jetzt nicht“.
Die Bundesversammlung besteht aus allen Bundestagsabgeordneten und der gleichen Anzahl von Mitgliedern, die von den Volksvertretungen der Länder gewählt werden. Am 30. Januar wird der Nachfolger oder die Nachfolgerin von Steinmeier gewählt.