„Ohne Mehrwert“: TK kündigt Hausarztverträge 30.06.2026 11:53 Uhr
Mehrkosten ohne Mehrwert: Die Techniker Krankenkasse (TK) kündigt 14 Verträge ihres Hausarztprogramms zum Jahresende. Die Kasse ziehe mit diesem Schritt Konsequenzen aus den Ergebnissen der wissenschaftlichen Evaluation ihrer Verträge, die zu dem Schluss kam, dass die hausarztzentrierte Versorgung (HzV) die Ziele einer besseren Versorgungssteuerung nicht erreicht.
Laut der Studie von Professor Dr. Jonas Schreyögg, Direktor des Hamburg Center for Health Economics (HCHE), habe die HzV weder zu der angestrebten Vermeidung von Facharztkontakten noch zu weniger Krankenhausaufenthalten geführt. Gleichzeitig würden die Ärztinnen und Ärzte in der HzV rund 30 Prozent höhere Honorare erhalten als ihre Kolleginnen und Kollegen. Der TK würden dadurch hohe Mehrkosten von 160 Millionen Euro jährlich ohne nachweisbaren Mehrwert entstehen.
Die gesetzlichen Krankenkassen seien verpflichtet, die Beitragsgelder ihrer Versicherten wirtschaftlich einzusetzen. Daher müssten sie ihre Verträge und Angebote hinsichtlich des Kosten-Nutzen-Verhältnisses für ihre Versicherten regelmäßig überprüfen. „Die Evaluation der HzV zeigt der TK dahingehend klaren Handlungsbedarf auf. Dies hat auch die Aufsichtsbehörde der TK, das Bundesamt für Soziale Sicherung (BAS), angesichts der Evaluationsergebnisse angeregt“, erklärt die TK.
Insgesamt 14 bestehende Hausarztverträge kündigt die TK nun zum Jahresende. Die in den Bundesländern Baden-Württemberg, Mecklenburg-Vorpommern und Sachsen-Anhalt geltenden separaten Verträge seien bisher nicht evaluiert worden und entsprechend nicht von der Kündigung betroffen.
Versicherte weiterhin gut versorgt
Alle Krankenkassen seien verpflichtet, ihren Versicherten ein Hausarztprogramm anzubieten. „Die gekündigten Verträge sind in Zusammenarbeit mit den regionalen Hausärzteverbänden entstanden. Sie gelten nun so lange weiter, bis neue Verträge mit den Hausärzteverbänden vereinbart wurden“, erklärt die TK. Dementsprechend sieht die Kasse die Kündigung nun als Auftakt zu neuen Vertragsverhandlungen.
„Für die Versorgung der rund einer Million TK-Versicherten, die an den nun gekündigten HzV-Verträgen teilnehmen, ändert sich nichts“, betont die Kasse. Ihre Vertragsteilnahme bleibe von der Kündigung unberührt und sie werden weiterhin im Rahmen des Hausarztprogramms versorgt. Die aktuell rund 10.000 teilnehmenden Ärztinnen und Ärzte würden bis zum Abschluss eines Folgevertrages weiterhin die gewohnte Vergütung erhalten.
Neue Verträge bis zum Jahresende
Ziel der TK sei es nun, bis zum Jahresende einen neuen Vertrag zu vereinbaren, der zu einer besseren Versorgungssteuerung bei effizientem Ressourceneinsatz führt. „Die TK steht für eine konstruktive und vertragspartnerschaftliche Verhandlung mit den regionalen Hausärzteverbänden bereit und wird dazu in den nächsten Wochen Gespräche aufnehmen.“
„Rückgrat der medizinischen Versorgung“
Dass Hausärztinnen und Hausärzte die Qualität der Versorgung verbessern könnten, stehe für die TK außer Frage. „Sie sind aus Sicht der TK das Rückgrat der medizinischen Versorgung und werden insbesondere in dem von der Regierung geplanten Primärversorgungssystem eine wichtige Rolle spielen“, betont die TK.
Allerdings habe die Evaluation gezeigt, dass das „Setting HzV“ in seiner aktuellen Form eben nicht dazu beitrage, die Qualität und Effizienz im Gesundheitssystem zu stärken. Bei der von der Regierung geplanten Einführung eines Primärversorgungssystems brauche es aus Sicht der TK daher ein „breiteres und flexibleres Modell für alle Versicherten mit den Hausärztinnen und Hausärzten als tragende Säule“.