„Alarmsignal für die Kommunen“

Nordrhein: Sieben Apotheken geschlossen 10.04.2026 08:44 Uhr

Berlin - 

Die Apothekenzahl hat sich in Nordrhein in den ersten drei Monaten weiter verringert. Sieben Schließungen stünden vier Neueröffnungen gegenüber, sagte Dr. Armin Hoffmann, Präsident der Apothekerkammer Nordrhein und der Bundesapothekerkammer. „Dieser Trend ist nicht neu, sondern hält seit mehr als 25 Jahren an. Dennoch bereitet uns die Entwicklung zunehmend Sorge.“

In Nordrhein gab es zum Stichtag 1. April noch 1893 Apotheken. In den vergangenen 15 Monaten haben die Kommunen im Kammerbezirk Nordrhein insgesamt 47 öffentliche Apotheken verloren – ein Rückgang von 2,4 Prozent. Vor dem Hintergrund der angespannten wirtschaftlichen Lage haben Apothekerinnen und Apotheker zuletzt bundesweit protestiert, unter anderem in Berlin, Düsseldorf, Hannover und München.

Versorgungssicherheit geschwächt

„Jede einzelne Schließung schwächt die Versorgungssicherheit“, sagte Dr. Stefan Derix, Hauptgeschäftsführer der Apothekerkammer Nordrhein. „Die Wege – insbesondere im Nacht- und Notdienst – werden länger. Aktuelle Untersuchungen, die wir gemeinsam mit der Apothekerkammer Westfalen-Lippe durchgeführt haben, zeigen zwar, dass es derzeit noch in jeder Gemeinde in Nordrhein-Westfalen mindestens eine Apotheke gibt. Doch wie lange das so bleibt, ist ungewiss.“

Hoffmann warnte zudem vor einem Gewöhnungseffekt: „Der Begriff ‚Apothekensterben‘ darf nicht zur Normalität werden. Die aktuellen Zahlen sind ein klares Alarmsignal für die Kommunen. Bürgermeisterinnen und Bürgermeistern sowie Landrätinnen und Landräten sollten sich für die Situation vor Ort interessieren. Apotheken bieten den Menschen niedrigschwellige Hilfe – ohne Termin und oft ohne lange Wartezeiten.“

Apotheken sind keine Kostenstelle

Mit Blick auf die Vorschläge der Expertenkommission zur Stabilisierung der gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) mahnten Hoffmann und Derix, die Arzneimittelversorgung nicht zum Gegenstand weiterer Sparmaßnahmen zu machen. „Apotheken sind keine Kostenstelle, sondern ein unverzichtbarer Bestandteil der Gesundheitsversorgung. Einsparungen an dieser Stelle gefährden die Sicherheit der Patientinnen und Patienten.“

Die im Koalitionsvertrag zugesagte Erhöhung des Fixhonorars müsse nun umgesetzt werden. „Unsere Bundesgesundheitsministerin Nina Warken hat dabei unsere volle Unterstützung. Wir vertrauen darauf, dass die dringend notwendige Anpassung noch in diesem Jahr erfolgt. Denn eine sichere Arzneimittelversorgung vor Ort ist keine Selbstverständlichkeit. Wer sie erhalten will, darf nicht an den Apotheken sparen. Gerade junge Kolleginnen und Kollegen brauchen verlässliche politische Signale, dass sich die Übernahme oder Gründung einer Apotheke auch künftig lohnt.“