Vorstandswahl beim HAV

Newcomer gegen Seyfarth & Co. 19.10.2026 15:08 Uhr

Berlin - 

In Hessen wird der Vorstand des Apothekerverbands neu gewählt. Spannend könnte es in der Bezirksgruppe des Führungsduos Holger Seyfarth und Dr. Guido Kruse werden. Denn dort tritt ein neuer Kandidat an – der einzige Gegenkandidat überhaupt. Ohne standespolitische Erfahrung will es Dominic Dastrange in den Vorstand schaffen.

Seyfarth ist seit 2017 Verbandschef. Er betreibt vier Apotheken in Frankfurt am Main. Auch Kruse ist erfahren und wurde bei der vergangenen Wahl im Amt bestätigt. Der Inhaber der Schwanen-Apotheke in Offenbach führt mehr als 230 Angestellte. Mit Miriam Oster aus Oberursel ist das Trio komplett. Die Inhaberin von zwei Apotheken und die beiden Kollegen sprachen die Wählerinnen und Wähler gemeinsam an und warben um deren Stimmen.

Wer schafft es aus Frankfurt?

Mit der Kandidatur von Dastrange kommt Bewegung in die Gruppe. Denn nur drei Apothekerinnen beziehungsweise Apotheker aus der Region können es in den Vorstand schaffen. Der Inhaber der Liederbach Apotheke in Frankfurt will mit seinem Antritt die Arbeit des Vorstands nicht kritisieren: „Damit hat es nichts zu tun“, sagt er. Vielmehr gehe es darum, die einzelne Apotheke – ohne Filialverbund und ohne Spezialisierung auf Bereiche wie Zytostatika- oder Krankenhausversorgung – in den Vordergrund zu rücken.

Der 39-Jährige betont, er erlebe selbst jeden Tag die Herausforderungen dieser Apotheken. „Sie kennen den Druck im HV ebenso wie ich, die Verantwortung für das Team und den Anspruch, für unsere Patientinnen und Patienten zuverlässig da zu sein“, spricht er die Wählenden an. „Gleichzeitig nehme ich wahr, dass bei vielen von uns der Rückhalt und die Zuversicht schwinden, dass die vielen kleinen Apotheken vor Ort eine Zukunft haben. Ich möchte dazu beitragen, diesen Glauben zu stärken – mit einer Stimme, die den Alltag kennt und sich engagiert für die Anliegen der Kolleginnen und Kollegen einsetzt.“

Weniger Bürokratie gefordert

Dastrange will laut eigenen Angaben den Vorstand verjüngen und sich für weniger Bürokratie einsetzen. „Die Ressource Zeit soll nicht in vermeidbaren Abläufen verloren gehen – sie wird in der Versorgung und Beratung der Menschen gebraucht.“ Auf die Verbandsführung hat er es nicht abgesehen. „Den Vorsitz sollte jemand übernehmen, der Erfahrung hat.“

Fünf Gruppen mit vertrauten Gesichtern

Insgesamt gibt es fünf Bezirksgruppen mit zehn Kandidaten. In der Bezirksgruppe Darmstadt treten erneut Florian Meissl (Europa Apotheke, Bensheim) und Jeanett Wetzel (Cäcilien Apotheke, Heusenstamm) an. Für Gießen ist es wieder Mira Sellheim (Apotheke am Ludwigsplatz). In Kassel tritt Stefan Räuber (Bären-Apotheke am Klinikum) nicht mehr an, dafür stellt sich Dirk Niemann (Niestetal-Apotheke) zur Wahl. In Wiesbaden ist es erneut Leif Harmsen (Rosen-Apotheke, Hofheim am Taunus).

Die Kandidatur von Dastrange ohne jegliche standespolitische Erfahrung ist ungewöhnlich. Häufig entscheiden sich Delegierte dazu, in den Vorstand zu gehen. Das Interesse komme nicht von ungefähr, heißt es aus vertrauten Kreisen. Dahinter stehe eine Gruppe, die den Vorstand kritisch sieht. „Man darf nicht vergessen, dass der Vorstand in den vergangenen Jahren viel für die Einzelapotheken getan hat.“

Dastrange nimmt die Wahl gelassen. „Ich gehe offen und unbefangen rein“, sagt er. „Ich würde mich freuen, wenn ich neue Ideen einbringen kann.“

Stimme bis Dienstag abgeben

Bis zum 20. Oktober können Apothekerinnen und Apotheker in Hessen noch ihre Stimme abgeben – es zählt der Poststempel. Die Wahlbeteiligung war zuletzt eher gering und lag bei etwa einem Drittel. Wer tatsächlich in den Vorstand kommt, entscheidet sich im Januar bei der konstituierenden Sitzung.