Neuer Medizin-Campus – weiterhin ohne Pharmazeuten 06.08.2026 12:52 Uhr
Der Countdown für die Medizinische Universität Lausitz – Carl Thiem (MUL-CT) im brandenburgischen Cottbus läuft: Im Oktober fangen die ersten Studentinnen und Studenten an. Für den 11. Oktober ist die Immatrikulationsfeier geplant, so eine Sprecherin des Wissenschaftsministeriums. Pharmazeut:innen werden hier weiterhin nicht ausgebildet. Brandenburg bleibt also ohne eigenen Standort fürs Pharmaziestudium.
Zum Wintersemester 2026/2027 startet der Modellstudiengang Humanmedizin laut Ministerium mit erst einmal 36 Studentinnen und Studenten. Die Zahl der Studienanfänger soll bis zum Jahr 2035 auf 165 pro Jahr steigen. Ministerpräsident Dietmar Woidke (SPD) sieht den Standort als Vorbild in Deutschland: „Wo jahrzehntelang Kohle gefördert wurde, entsteht eine Modellregion für Gesundheit und Forschung. Das ist mehr als ein Strukturprojekt – es ist ein Versprechen an die Menschen in Brandenburg“, teilte er mit.
In Cottbus entsteht nach Worten von Wissenschaftsministerin Manja Schüle (SPD) eine Medizin, die es so noch nicht gibt – mit einem digital gestützten, patientenzentrierten Studiengang. „Hier werden die Ärztinnen und Ärzte von morgen ausgebildet – hier wird erprobt, wie gute Versorgung künftig gelingt“, sagte sie. Mit der neuen Unimedizin sollen gleich drei Herausforderungen angegangen werden: der Strukturwandel in der Lausitz nach dem Kohleausstieg, die Sicherung der Gesundheitsversorgung auf dem Land und in einer alternden Region sowie der Ausbau von Wissenschaft und Forschung. Zudem bestehe eine Kooperation mit der bereits im Land etablierten Technischen Universität Cottbus-Senftenberg (BTU-CS).
Vor fünf Jahren wurden der Brandenburger Landesregierung die Empfehlungen zum Aufbau der Universitätsmedizin in der Lausitz vorgelegt. Mindestens seitdem gibt es auch immer wieder Forderungen aus der Apothekerschaft, die neuen Möglichkeiten auch gleich für angehende Pharmazeut:innen zu nutzen.
Konzepte für Standort liegen vor
„Wenn Brandenburg in seine jungen Menschen investiert, muss es auch die pharmazeutische Versorgung mitdenken“, betonte Katrin Wolbring, 2. Vizepräsidentin der Landesapothekerkammer Brandenburg im vergangenen Jahr. Noch immer sei Brandenburg das einzige Flächenland ohne Ausbildungsmöglichkeit für Apotheker:innen, kritisierten Kammer und Verband. Die Studienangebote benachbarter Bundesländer würden dabei nicht einmal den Bedarf an Apothekern des jeweils eigenen Bundeslandes decken. „Es existiert bereits ein fertiges Konzept für das Pharmaziestudium in Senftenberg, vom Ministerpräsidenten beauftragt und ihm vorgelegt, nur politischer Wille für Umsetzung fehlt“, hieß es in einer gemeinsamen Stellungnahme.
Im Rahmen der Debatte um den Referentenentwurf zum Apothekenversorgung-Weiterentwicklungsgesetz (ApoVWG) sah man einen „massiven Qualitätsabbau in der Arzneimittelversorgung“. Die Apothekerschaft schlug der Landesregierung daher einen Pilotstudiengang zur Weiterqualifizierung von PTA für eine Umsetzung der PTA-Vertretung vor. Eine interprofessionelle Ausbildung mit Medizinstudierenden in Cottbus hätte ein „echtes Leuchtturmprojekt“ werden können.
Ein anderes Konzept sah zwischenzeitlich etwa 70 bis 80 Pharmaziestudienplätze an der BTU-CS vor. Start hätte frühestens zum Wintersemester 2026 sein können, so die Vision im Februar 2025.
Ablehnung für Pharmazie-Standort durch Landesregierung
Im Frühjahr gab es dann erneut eine Ablehnung für einen brandenburgischen Pharmaziestudiengang: Der Abgeordnete Andreas Kutsche (BSW-Fraktion) hatte sich bei der Landesregierung nach den Plänen für die BTU-CS erkundigt – doch die Frage nach dem Standort stelle sich aktuell gar nicht, hieß es dazu. Kutsche wollte innerhalb seiner Anfrage zum Apothekennotdienst wissen, inwiefern die Etablierung eines Pharmaziestudiengangs hier mittel- bis langfristig zur Sicherstellung des Notdienstes sowie zur Stabilisierung der Arzneimittelversorgung, insbesondere im ländlichen Raum des Landes Brandenburg, beitragen könne.
„Die Frage nach der Einrichtung eines Pharmaziestudienganges an der BTU-CS stellt sich für die Landesregierung aktuell nicht, da die haushälterischen Rahmenbedingungen und die strukturellen Herausforderungen die Einrichtung eines eigenständigen Pharmaziestudiengangs im Land Brandenburg derzeit nicht zulassen. Eine Auswertung der Auslastung vorhandener Studienplatzkapazitäten durch die Stiftung für Hochschulzulassung hat zudem ergeben, dass an einer Reihe von Studienorten ungenutzte Studienplatzkapazitäten in der Pharmazie bestehen, so auch an einigen nahegelegenen Standorten in den östlichen Ländern.“
Gleichzeitig wolle die Landesregierung sich aber dafür einsetzen, „dass geeignete Fachkräfte ausgebildet und entsprechende Weiterbildungsangebote gefördert werden“. Die Stabilisierung der Apothekenversorgung sei ein zentrales Anliegen der Landesregierung, dafür habe man sich auch im Rahmen des ApoVWG auf Bundesebene eingesetzt.