„Rückständige Diskussion über Adipositas“

Neue G-BA-Chefin: Abnehmspritze auf Kassenrezept 03.08.2026 07:14 Uhr

Berlin - 

Die neue Vorsitzende des Gemeinsamen Bundesausschusses (G-BA) zeigt sich offen für eine Kostenübernahme bei bestimmten Abnehmmitteln durch die Krankenkassen. „Wir führen in Deutschland eine rückständige Diskussion über Adipositas“, sagte Sonja Optendrenk dem „Spiegel“.

Dass auch Abnehmmittel, die explizit zur Behandlung von Adipositas zugelassen seien, unter den sogenannten Lifestyle-Paragrafen fallen, sei für Betroffene ein Zeichen dafür, dass Anerkennung fehle. „Es wäre sicher überlegenswert, solche Abnehmmittel als Medikation unter bestimmten Bedingungen als Kassenleistung anzuerkennen“, sagte Optendrenk.

Behandlung ist nicht billig

Als Lifestyle-Arzneimittel werden Mittel bezeichnet, bei deren Anwendung eine Erhöhung der Lebensqualität im Vordergrund steht, etwa Appetitzügler, Mittel für mehr Haarwuchs oder zur Steigerung der sexuellen Potenz. Sie dürfen nicht als Kassenleistung verordnet werden.

Derzeit fallen darunter in Deutschland auch Abnehmspritzen wie Wegovy oder Mounjaro. Die Behandlung mit den GLP-1-Rezeptor-Agonisten kostet einige Hundert Euro pro Monat.

Langzeitstudien fehlen

Optendrenk schlug vor, der Gesetzgeber könnte den G-BA beauftragen, „zu klären, welche Patientengruppen diese Arzneimittel bekommen sollten, wie lange, mit welchen Begleitmaßnahmen“. Solange das Gewicht nach dem Absetzen sofort zurückkomme, sei eine Abnehmspritze allein kein Versorgungskonzept, betonte sie. Langzeitstudien fehlten bislang.

Auch der niedersächsische Gesundheitsminister Dr. Andreas Philippi (SPD) hatte sich bereits in diese Richtung geäußert. Die Kassen wehren sich dagegen, weil auf sie gewaltige Kosten zukämen. Tatsächlich gibt es mittlerweile zahlreiche Urteile, in denen Patientinnen und Patienten erfolglos auf Kostenübernahme klagten.

Optendrenk ist seit Anfang Juli die erste Frau an der Spitze des obersten Beschlussgremiums des deutschen Gesundheitswesens. Der seit 2004 bestehende G-BA entscheidet unter anderem darüber, welche Leistungen die rund 74 Millionen Versicherten der Krankenkassen bezahlt bekommen.