NRW-Gesundheitsminister Laumann

Nächste Hitze-Welle: Kliniken zumeist ohne Klimaanlagen 29.07.2026 12:12 Uhr

Berlin - 

Trotz wiederholter Hitzephasen sind in den Krankenhäusern in Nordrhein-Westfalen „in der Regel“ keine Klimaanlagen vorhanden. Das sagte NRW-Gesundheitsminister Karl-Josef Laumann (CDU) im WDR-„Morgenecho“. „Das kann man von heute auf morgen auch nicht ändern. Wir arbeiten daran, weil wir uns ja an diese Hitzewellen gewöhnen müssen.“

Vor allem am letzten Juni-Wochenende hatten extrem hohe Temperaturen bei vielen Menschen zu gesundheitlichen Problemen geführt. Die Notaufnahmen waren in zahlreichen Kliniken überlastet, Rettungskräfte verstärkt im Einsatz, auch in Altenheimen. Nun soll es erneut heiß werden – laut Deutschem Wetterdienst mit Höchstwerten von 36 Grad in Düsseldorf und Köln am Mittwoch.

Laumann sagte, NRW habe seit 2021 ein Drittel aller Krankenhaus-Investitionen in Klimaschutzmaßnahmen gesteckt. „Das ist eine Riesensumme.“ Jedes Jahr bekämen die Krankenhäuser in NRW vom Land insgesamt 700 Millionen Euro für Maßnahmen, über die sie selbst entscheiden könnten. „Davon kann man natürlich auch Klimatechnik machen.“ Derzeit werde angesichts der extremen Wetterereignisse an einem Förderprogramm für die nächsten Jahre gearbeitet, schilderte der CDU-Politiker.

Minister: Hitzetote vor allem im privaten Bereich

Laumann hatte Mitte Juli unter Berufung auf Schätzungen des Robert Koch-Instituts (RKI) für diesen Sommer – bis zum 28. Juni – über etwa 1230 Hitzetote in NRW berichtet. Zu den meisten Fällen, in denen Menschen aufgrund von Hitze sterben, komme es in Privatwohnungen, oft im Dachgeschoss, erläuterte der Minister nun. Umso wichtiger sei es, für die Gefahren der Hitze zu sensibilisieren.

Bundesweit sind bis Ende Juni dieses Jahres bereits mehr als 5000 Menschen an den Folgen von Hitze gestorben.

Ermittlungen zu Todesfällen in Kliniken

Nach der Hitzewelle Ende Juni mit zahlreichen Toten prüfen mehrere Staatsanwaltschaften in Nordrhein-Westfalen Todesfälle in Kliniken. Dabei geht es um ungeklärte Todesursachen, Vorwürfe von Angehörigen und ein mögliches Mitverschulden von Verantwortlichen in den Krankenhäusern, teilte das NRW-Justizministerium mitte des Monats mit.

Im Zusammenhang mit den zwölf Todesfällen im St. Remigius-Krankenhaus in Leverkusen habe die Staatsanwaltschaft Köln sieben Todesermittlungsverfahren eingeleitet. Teilweise wurden diese bereits wieder eingestellt. Unter anderem prüft die Staatsanwaltschaft Aachen einen Fall in einem Dürener Krankenhaus, wo eine 56-jährige Frau vermutlich einen Hitzschlag erlitten habe. Auch die Staatsanwaltschaft Duisburg führt ein Todesermittlungsverfahren, das den Tod einer Frau in einer Duisburger Helios-Klinik betreffe.

Die Behörden registrierten einen deutlichen Anstieg der Hitzetoten. Erst nach den Ermittlungen der Todesumstände geht es um mögliche Strafverfahren. Diese werden aber nur eingeleitet, wenn ein strafrechtlich relevantes Mitverschulden im Raum steht, etwa durch Unterlassen von Hitzeschutzmaßnahmen.

Welche Reaktionen gibt es?

Das St. Remigius-Krankenhaus hatte betont, die Anzahl von zwölf Toten in diesem Zeitraum sei für die Klinik nicht überdurchschnittlich hoch. Die verstorbenen Patienten hätten ein Durchschnittsalter von 86 Jahren gehabt.

Die Extremtemperaturen haben laut Experten zu mehr Todesfällen geführt. Vor allem bei Menschen, die bereits durch Faktoren wie ein hohes Alter oder Erkrankungen vorbelastet waren, lasse sich ein direkter oder indirekter Zusammenhang zwischen Tod und Hitze oft nicht eindeutig nachweisen. Durch den Klimawandel werde Hitze als Risikofaktor weiter zunehmen.

Hitzewarnungen müssten wesentlich ernster genommen werden. „Wir alle – Einrichtungen, Träger, Hilfsdienste, Behörden und Bürgerinnen und Bürger – müssen deswegen Hitzewarnungen sehr viel ernster nehmen, wie das in der Vergangenheit der Fall war“, sagte Laumann anlässlich der Debatte in einer Sondersitzung des Gesundheitsausschusses des Landtages Mitte des Monats.

Der Minister erklärte im Ausschuss, dass mögliche Probleme im System an dem betreffenden Wochenende auch darauf zurückzuführen sein könnten, dass Verantwortliche in den Einrichtungen die Wettervorhersagen nicht ernst genommen hätten. Dadurch sei möglicherweise nicht sichergestellt worden, dass in den besonders stark beanspruchten Bereichen ausreichend Personal zur Verfügung gestanden habe.