Nachhaltigkeit: E-Botendienst, Altmedikamente und pDL 05.11.2026 15:10 Uhr
Nur ein nachhaltiges Gesundheitssystem kann die Versorgung in Zukunft sichern, davon ist der BKK Dachverband überzeugt. Das Thema dürfe nicht länger als ökologische Zusatzanforderung betrachtet werden, sondern müsse fester Bestandteil der bevorstehenden Strukturreformen sein. Seine Eckpunkte für eine Nachhaltigkeitsstrategie hat der BKK Dachverband stellvertretend für ein Bündnis von mehr als 60 Organisationen an den Bundestag übergeben. Auch die Abda hat im Rahmen von Veranstaltungen an der Erarbeitung des Papiers mitgewirkt.
„Gesundheitsschutz ist Klimaschutz und bildet zugleich die Basis für eine starke, international konkurrenzfähige Wirtschaft. Nur ein Gesundheitssystem, das finanzielle und ökologische Ressourcen schont, Krankheiten verhindert, bevor sie entstehen, und auch angesichts großer Herausforderungen wie der demografischen Alterung und der Klimakrise handlungsfähig bleibt, ist zukunftsfähig. Wenn bei den anstehenden Strukturreformen die Nachhaltigkeit jetzt geopfert wird, zahlen wir später einen deutlich höheren Preis – gesundheitlich wie finanziell“, betont Anne-Kathrin Klemm, Vorständin des BKK Dachverbandes.
Kurz vor Beginn der gestrigen Sitzung des Gesundheitsausschusses übergab der BKK Dachverband das Papier „Nachhaltigkeit im deutschen Gesundheitssystem – Eckpunkte für eine Strategie“ an Tanja Machalet (SPD), Sascha van Beek (CDU) und Johannes Wagner (Grüne).
E-Mobilität im Botendienst
Auch Apotheken spielen in dem Papier eine Rolle. So seien zum Beispiel Botendienste prädestiniert für die Elektromobilität, da sie in der Regel durch planbare Fahrten gekennzeichnet seien. Voraussetzung für die Umstellung seien natürlich öffentliche und private Ladestationen sowie Fördermaßnahmen, die die Betriebe dabei unterstützen, den höheren Anschaffungspreis zu bewerkstelligen.
Klimaauswirkungen von Arzneimitteln
Auch hinsichtlich der Entsorgung von Arzneimitteln sollen Apotheken hinzugezogen werden. „Ein erheblicher Ressourcenverbrauch sowie Rückstände im Wasser sind auch auf Arzneimittel zurückzuführen, die nicht eingenommen, sondern aus Gründen wie mangelnder Adhärenz, Unverträglichkeiten, Mehrfachverordnungen oder unpassenden Verpackungsgrößen entsorgt werden. Darum ist es wichtig, dass in Apotheken zur sachgerechten Entsorgung von Arzneimitteln beraten wird“, heißt es in dem Papier.
Bis zum Jahr 2009 habe eine zentrale Regelung für die Entsorgung von Altmedikamenten über die Apotheken bestanden, die jedoch infolge der Änderung der Verpackungsverordnung mit dem Wegfall eines für die Apotheken kostenlosen Abholsystems eingestellt wurde.
Die Rücknahme von Medikamenten sei seitdem eine freiwillige Serviceleistung; gleichzeitig seien EU-Mitgliedstaaten aber durch den europäischen Gemeinschaftskodex für Humanarzneimittel verpflichtet, geeignete Sammelsysteme für nicht verwendete oder abgelaufene Arzneimittel sicherzustellen. Eine einheitlichere Umsetzung in Deutschland könne daher Klarheit für Verbraucher:innen und Apotheken schaffen.
Zudem könne die Beratung in Apotheken – auch im Rahmen der pharmazeutischen Dienstleistungen (pDL) – dazu beitragen, die Therapietreue zu erhöhen, Doppelmedikation zu vermeiden und Anwendungsprobleme frühzeitig zu erkennen.
Neues Diskussionsformat
Um den Austausch zwischen Politik, Wissenschaft und Praxis zu vertiefen, wollen der BKK Dachverband und das Centre for Planetary Health Policy (CPHP) am 7. Dezember das Diskussionsformat „Nachhaltigkeit und X – Eckpunkte im Dialog“ starten.
Die Leitfrage dabei soll lauten: „Was muss jetzt passieren, damit aus den Eckpunkten eine verbindliche Strategie wird?“ Vertreterinnen und Vertreter aus allen Bereichen des Gesundheitswesens und der Politik sollen dabei über konkrete Umsetzungsschritte und politische Handlungsperspektiven diskutieren.