ApoRetro – Der satirische Wochenrückblick

Minutenprotokoll: Wie Warken um das Fixum kämpfte 06.06.2026 07:58 Uhr

Berlin - 

Was war das für ein Krimi am Dienstagabend: Bis in die Nacht hinein wurde gerungen, ob die Apotheken nach 13 Jahren ein höheres Fixum bekommen oder nicht. Eigentlich war die Sache zwar längst ausgemacht, doch bei einem solchen Prestigeprojekt lagen die Nerven aller Beteiligten blank. Geheime Unterlagen zeigen, was an dem Abend zwischen Ministerien, Kanzleramt und Abda wirklich passierte.

17:05 Uhr, Kanzleramt: Die Tagesordnung für die 47. Sitzung des Kabinetts ist erstellt und wird verschickt. Das Programm ist überschaubar: Sechs Punkte insgesamt, darunter die Top-1-Liste mit ebenfalls sechs Punkten. Der Chef vom Dienst packt seine Sachen zusammen. Er will ausgeruht sein, wenn der Chef am nächsten Tag mit seinen Ministerinnen und Ministerin tagt.

17:13 Uhr, Bundesgesundheitsministerium (BMG): Das Referat für Parlament- und Kabinettangelegenheiten leitet die Tagesordnung weiter an das Büro der Ministerin und den Leitungsstab. Beim Abgleich stellt eine Sekretärin fest, dass die 3. Verordnung zur Änderung der Arzneimittelpreisverordnung (AMPreisV) fehlt.

17:18 Uhr, Bundeswirtschaftsministerium (BMWE): Der Pförtner erklärt dem aufgeregten Anrufer aus dem BMG, dessen Namen er allerdings nicht verstanden hat, dass niemand mehr im Hause ist und dass er es morgen wieder versuchen soll.

17:19 Uhr, BMG: Nina Warken will gerade ihr Büro verlassen, als ein Mitarbeiter ihres Leitungsstabs hereinstürmt und sie informiert, dass die Apothekenvergütung nicht auf der Tagesordnung ist

17:32 Uhr, Dienstwagen irgendwo in Berlin-Mitte: Das Handy von Katherina Reiche klingelt. Warken will wissen, was das Problem mit dem Fixum ist. Reiche hat keine Ahnung, wovon ihre Kollegin spricht. Fix-was? Und überhaupt, sie sei gerade auf dem Sprung zu einem Wirtschaftsempfang.

17:38 Uhr, Bundesfinanzministerium (BMF): Als er die Nummer sieht, weiß Lars Klingbeil schon, was jetzt kommt. „Hallo, hier ist der Lars“, mimt er den Ahnungslosen. „Nein, ich weiß leider nicht, worum es geht.“

17:42 Uhr, weiterer Dienstwagen irgendwo in Berlin-Mitte: „Macht das unter Euch aus, Ihr seid doch erwachsen“, faucht Kanzler Friedrich Merz in sein Handy.

17:49 Uhr, Meran (Italien), Kurhaus: Im Trainingslager der Bundesapothekerkammer (BAK) in Meran kämpft man sich durch den letzten Vortrag des Tages. Dr. Armin Hoffmann bekommt einen Zettel zugesteckt. Er liest die Notiz und verlässt den Raum.

18:09 Uhr: Die Abda-Spitze trifft sich online zu einer kurzfristig anberaumten Krisensitzung. Fixum nicht auf der Tagesordnung. Was für ein Desaster! Wie sollen wir das erklären? Die lynchen UNS am Ende!

18:24 Uhr: „Fixum nicht im Kabinett“, schreibt APOTHEKE ADHOC. Schon am Nachmittag hatte der Branchendienst gemeldet, dass der Termin wackelt, weil Klingbeil Vorbehalte angemeldet hat. Die Nachricht verbreitet sich wie ein Lauffeuer.

18:27 Uhr, BMG: Warken bestätigt am Telefon, dass es noch ein paar Herausforderungen gibt. Kein Grund zur Sorge, Herr Preis.

19:13 Uhr, BMF, Pforte: Eine Delegation aus dem BMG trifft in der Leipziger Straße ein. Die aus dem Feierabend zurückbeorderten Beamten sehen etwas derangiert aus und sind alles andere als guter Laune.

19:25 Uhr, Paul-Löbe-Haus: Simone Borchardt ist stinksauer. Das war doch längst abgemacht! Was soll der Unsinn?!

19:31 Uhr, Braunschweig: Am Rande der Veranstaltung „Pizza mit Pantazis“ erhält der gleichnamige SPD-Politiker einen Anruf aus Holland. Ob es Probleme gebe?

19:48 Uhr, BMF, Cafeteria: Die Stimmung unter den Beamten hat sich verbessert, es gibt erst einmal Kaffee und Kuchen.

20:58 Uhr, ebenda: Was wollten wir noch einmal besprechen? Ach richtig, die Apotheken.

21:24 Uhr, BMG: Was wollen die? Eine Gegenfinanzierung? Ein Mitarbeiter aus der Fachabteilung flüstert der Ministerin etwas zu, das diese sofort ihrem Gesprächspartner am Telefon weitergibt. „Genau. Das ist doch gar nicht Klingbeil-Kohle. Das sind doch GKV-Gelder!“

21:58 Uhr, Klingbeils Privatwohnung: „Und das haben Sie auch überprüft? Na gut, wenn das so ist. Gute Nacht.“

22:07 Uhr, BMF, Pforte: Die Beamten verlassen gut gelaunt das Ministerium, winken sich zum Abschied gegenseitig.

23:13 Uhr, Meran, City. Vinothek: Gleich mehrere Magnumflaschen Brut Imperiál gehen in die Luft. Die Apotheker wollen feiern!

2:36 Uhr, Kanzleramt: Der CvD korrigiert die Top-1-Liste für den nächsten Tag: „7) 3. Änderung der Arzneimittelpreisverordnung“. Dann klappt er seinen Computer zu und legt sich auf die Couch in seinem Büro. Wenigstens ein paar Stunden Schlaf kann er noch gebrauchen.