Rx-Versandverbot

Michels: „Thema längst nicht durch“ Nadine Tröbitscher, 12.05.2017 18:06 Uhr

Berlin - 

„Verbot auf dem Prüfstand – bedroht der Versandhandel mit Rx-Arzneimitteln die Versorgung durch die Apotheke vor Ort“, war gestern Thema des Gesundheitspolitischen Dialoges in den Räumen der Niederrheinischen-IHK in Duisburg. Der Vorsitzende des Apothekerverbandes Westfalen-Lippe (AVWL) Dr. Klaus Michels zieht Bilanz. Aber für Michels ist das Thema noch längst nicht abgehakt. Nach der Bundestagswahl will auch die Parlamentarische Staatssekretärin im Bundesgesundheitsministerium, Ingrid Fischbach (CDU), das Rx-Versandverbot wieder auf die Tagesordnung setzen.

„Das Thema Rx-Versandverbot ist noch lange nicht durch“, so Michels. Für diesen Grundtenor sorgte auch die Parlamentarische Staatssekretärin beim Bundesgesundheitsminister Ingrid Fischbach. Nach der Wahl ist vor der Wahl in puncto Versandverbot – für Fischbach hat das Thema auch in der neuen Legislaturperiode höchste Priorität. Dass man mit dem Rx-Versandverbot heute noch nicht weiter sei, liegt laut Fischbach nur daran, dass man sich im Koalitionsausschuss nicht einigen konnte. Eine kluge Alternative zum Verbot liege aktuell nicht auf dem Tisch.

Die Teilnehmer der Diskussionsrunde fordern gleiche Bedingungen für alle. Die Politik sei in der Verantwortung, eine Rechtsgrundlage für alle festzulegen und faire und gleiche Bedingungen für Vor-Ort- und Versandapotheken zu schaffen.

„Wenn verschreibungspflichtige Arzneimittel aus dem Ausland ohne Preisbindung versandt werden dürfen, dann wird es nicht mehr lange dauern, bis die Krankenkassen wegen des Wirtschaftlichkeitsgebots im Sozialgesetzbuch ihre Patienten von der bisherigen Versorgung durch die Apotheke um die Ecke wegschicken hin zu Versendern“, so Michels. Zudem gehe es ausländischen Versendern nicht um die beste Versorgung der Patienten, sondern ums „Geldverdienen, was nicht primär zu einer Solidargemeinschaft wie uns passt“, so Apotheker und Leiter der Arzneimittel der AOK Nordwest, Andreas Heeke.

Heeke warnte vor einem „Zuverdienst durch Boni“ für zuzahlungsbefreite Versicherte. Die Gefahr seien steigende Kosten, nämlich wenn Patienten sich mehr Medikamente verordnen ließen, nur um den Bonus abzugreifen. Das Geld müsse zurück ins System. Eine Lösung seien Selektivverträge ohne Boni für die Versicherten, denn verbieten könne man den Versandhandel nicht – das sei nicht zeitgemäß und schädlich für die Versorgung.

„Die Spieße, mit denen gekämpft wird, müssen auf beiden Seiten gleich sein“, sagte auch Ulrich Schulte- Herbrüggen, Apotheker und Mitglied der Vollversammlung der Niederrheinischen IHK. Es bedürfe einer gleichen Rechtsgrundlage: Es könne nicht sein, dass deutsche Apotheken bald einen Apotheker oder PTA als Boten einstellen müssten und ausländische Versender den „DHL-Boten schicken, der das Päckchen in den Hausflur wirft“.

Die IHKen in Nordrhein-Westfalen (NRW) hatten zum Gespräch eingeladen. Der Gesundheitssektor ist im Bundesland die Branche mit den meisten Beschäftigen: Mehr als eine Million Menschen arbeiten in NRW in diesem Bereich. „Die Politik ist in der Verantwortung“, so Hauptgeschäftsführer der Niederrheinischen IHK Duisburg-Wesel-Kleve, Dr. Stefan Dietzfelbinger. Er forderte einen fairen Wettbewerb mit gleichen Regeln für alle.