Mehr Geld für die Kassenchefs 10.03.2026 14:39 Uhr
Eigentlich schlagen die Kassen wegen der knappen Finanzen schon lange Alarm – und fordern massive Einsparungen bei den Leistungserbringern. Zudem wurden reihenweise die Zusatzbeiträge erhöht. Wo die Kassen offenbar nicht sparen wollen, ist bei den eigenen Gehältern – insbesondere bei denen der Vorstände. Denn die Kassenchefs haben trotz der schwierigen Lage auch im vergangenen Jahr Spitzengehälter mit hohen Boni und Rentenzuschüssen bezogen, wie die Bild berichtet.
Über das größte Gehaltsplus hat sich laut Bild-Bericht im vergangenen Jahr die Vorstandschefin der Bahn BKK, Christine Enenkel, freuen können: Ihr Gehalt ist demnach von 178.750 Euro auf 195.000 Euro gestiegen. Außerdem habe sie einen Bonus von 44.688 Euro erhalten. Gleichzeitig hatte die Bahn BKK den Zusatzbeitrag bereits im November 2024 um 1,2 Prozentpunkte auf 3,4 Prozent erhöht. Es ist nicht das erste Mal, dass die Bahn BKK wegen der hohen Chef-Gehälter auffällt: Auch im Jahr 2024 erhielt der damalige Vorstandschef Hans-Jörg Gittler 185.000 Euro – 15.000 Euro mehr als 2023 – plus einen Bonus von 42.625 Euro.
Der neue Vorstandschef der BKK Firmus, Dirk Harrer, hat laut Bild im vergangenen Jahr ein Plus von 31.424 Euro im Vergleich zum Gehalt seines Vorgängers erhalten.
Trotz aller Klagen um klamme Finanzen ist ein ordentliches Finanzplus keinesfalls eine Ausnahme: So habe Peter Kaetsch, Chef der BIG direkt gesund, ein Plus von stolzen 28.750 Euro, sein Vize Markus Bäumer bekam 24.050 Euro mehr. Auch die BIG hatte ihren Zusatzbeitrag von 1,65 auf 3,39 Prozent erhöht.
Versicherte der Handelskrankenkasse mussten Anfang 2025 eine Erhöhung des Zusatzbeitrags von 1,3 auf 2,5 Prozent stemmen; Vorstandschef Michael Lempe dagegen erhielt eine Gehaltserhöhung von 21.419 Euro auf insgesamt 287.104 Euro.
Auch bei den AOKen haben die Vorstände im vergangenen Jahr mehr Geld bekommen: So habe die AOK Baden-Württemberg das Gehalt ihrer Vorständin Gordana Marsic von 185.000 auf 206.000 Euro erhöht – plus einen Bonus von 6938 Euro. Der Zusatzbeitrag wurde hier Anfang 2025 von 1,6 auf 2,6 Prozent erhöht.
Höchstes Plus für die Altersvorsorge an AOK-Chefin
Große Summen gab es bei den AOKen auch für die Altersvorsorge ihrer Vorstandsmitglieder: Das größte Plus erhielt laut Bild im vergangenen Jahr niemand anderes als AOK-Bundesverband Chefin Dr. Carola Reimann. Die ehemalige niedersächsische Gesundheitsministerin ist eine erbitterte Gegnerin der Fixumserhöhung für Apotheken nach 13 Jahren Stillstand – und erhielt zusätzlich zu ihrem Gehalt von 319.400 Euro noch stolze 121.241 Euro für die Altersversorgung. Auch Vize Jens Martin Hoyer habe sich zusätzlich zum Gehalt von 297.400 Euro noch über 93.994 Euro fürs Alter freuen können.
Bei der AOK Rheinland-Hamburg gab es zwischen 78.392 und 97.964 Euro extra an Altersvorsorge. Auch die drei Chefs der AOK Niedersachsen bekamen im vergangenen Jahr laut Bild 38.173 Euro extra – plus 64.569 Euro zusätzlich bei der Altersvorsorge. Bei der AOK Rheinland-Pfalz/Saarland gab es demnach 58.791 Euro und bei der AOK Sachsen-Anhalt 58.638 Euro zusätzlich fürs Alter. Auch die IKK Brandenburg und Berlin legte laut Bild 61.156 Euro für die Altersvorsorge drauf.
Höchster Bonus bei der AOK Niedersachsen
Auch in Sachen Bonuszahlungen hat eine AOK laut der Bild die Nase vorn: Demnach war die AOK Niedersachsen im vergangenen Jahr Spitzenreiter mit Boni zwischen 38.381 und 62.576 Euro für die drei Vorstände – trotz der Erhöhung der Zusatzbeiträge Anfang des Jahres von 1,5 auf 2,7 Prozent. Die AOK Hessen hatte ihren Zusatzbeitrag von 1,6 auf 2,49 Prozent erhöht – ihren drei Vorstände erhielten insgesamt 159.767 Euro Bonus. Bei der AOK Plus gab es laut Bild für die Vorstände 52.920 und 51.912 Euro Bonus. Der Zusatzbeitrag war hier sogar von 1,8 auf 3,1 Prozent erhöht worden.
Auch bei der Siemens BKK sind hohe Boni ausgezahlt worden; der Vorstandschef bekam hier 47.880 Euro. Auch die Siemens BKK hatte die Zusatzbeiträge von 1,7 auf 2,9 Prozent angehoben.