Linnemann will Kinderkrankentage kürzen 29.09.2026 07:53 Uhr
Bundesgesundheitsminister Carsten Linnemann (CDU) rüttelt an den sogenannten Kinderkrankentagen – was auch bei der SPD auf Kritik stößt. „Die SPD steht für eine familienfreundliche Politik, die Familien konkret unterstützt und ihnen die notwendige Zeit für ihre Kinder ermöglicht“, sagt die familienpolitische Sprecherin der SPD-Fraktion, Jasmina Hostert, der Augsburger Allgemeine. Genau das Gegenteil verfolge der Gesundheitsminister mit seinen Plänen zur Kürzung der Kinderkrankentage.
In der Regierungsbefragung hatte sich Linnemann gegen eine weitere Verlängerung der Regelung ausgesprochen, wonach jedes Elternteil pro Jahr 15 Kinderkrankentage geltend machen kann. Die Zahl würde dann auf zehn sinken. So viele waren es vor der Ausweitung während der Corona-Pandemie. Linnemann betonte, die Politik täte gut daran, dass Corona-Sonderregeln wieder zurückgenommen werden.
SPD: Familien brauchen Entlastung
Die SPD kritisiert: Familien bräuchten Entlastung statt neuer Belastungen. Wer kranke Kinder versorgen müsse, benötige Zeit und Unterstützung, keine Kürzungen. „Bereits die Debatte über eine Krankmeldung ab dem ersten Tag hat Eltern unter einen ungerechtfertigten Generalverdacht gestellt. Die geplante Kürzung der Kinderkrankentage setzt diese falsche Logik nun fort“, so Hostert.
Der Grünen-Abgeordnete Johannes Wagner kritisiert Linnemanns Argumentation. „Die Regelung von 15 Kinderkrankentagen wurde bewusst auch Jahre nach dem Ende der Corona-Pandemie weitergeführt, weil sie sich bewährt hat“, sagte er der Zeitung. „Das Argument, es handele sich nur um die Rückkehr zur alten Regelung, ist zynisch. Nur weil etwas früher schon schlecht war, ist das kein Grund, dorthin zurückzukehren.“
Anspruch bei Kindern unter zwölf Jahren
Für dieses Jahr gilt nach einer gesetzlichen Festlegung noch eine Verlängerung – nämlich pro Kind und Elternteil von 15 Tagen und für Alleinerziehende von 30 Tagen. Nach Ende von Sonderregelungen in der Corona-Krise war die längere Spanne von 15 Tagen bereits für 2024 und 2025 per Gesetz fortgeschrieben worden. Zuvor waren es 10 Kinderkrankentage pro Jahr und Elternteil gewesen.
Gesetzlich versicherte Eltern können Krankengeld beantragen, wenn ein Kind unter zwölf Jahren krank ist und sie deswegen nicht zur Arbeit gehen können. Die Krankenkasse übernimmt dann einen Großteil des Verdienstausfalls und zahlt Kinderkrankengeld – in der Regel 90 Prozent des Nettoverdienstes.
Linnemann wandte sich gegen Kritik, als sollten die Kinderkrankentage ganz abgeschafft werden. „Es werden 10 Tage sein, mal zwei sind 20 Tage im Jahr. Und das hatten wir auch in den ganzen Jahren vor Corona.“
Kritik auch von Schwesig
Auch Mecklenburg-Vorpommerns Ministerpräsidentin Manuela Schwesig hatte die mögliche Reduzierung von Kinderkrankentagen kritisiert. „Das geht gar nicht“, sagte die SPD-Politikerin jüngst. Bei der Gesundheitsreform habe die SPD ganz klar verhandelt, dass es bei den Kinderkrankentagen bleibe „Wir müssen die Familien in Deutschland stärken, wir müssen sie unterstützen.“