Auslaufen der 15-Tage-Regelung

Linnemann tritt Debatte um Kinderkrankentage los 25.09.2026 12:13 Uhr

Berlin - 

Diese Woche hat Bundesgesundheitsminister Carsten Linnemann (CDU) signalisiert, dass die Regelung zu Kinderkrankentagen nicht verlängert werden soll. Hiergegen regt sich Widerstand. Unter anderem Thüringens Gesundheitsministerin Katharina Schenk (SPD) hat ein Auslaufen der 15-Tage-Regelung als falsches Signal kritisiert. „Familienfreundlichkeit darf sich nicht daran messen, was für die Wirtschaft gerade am bequemsten ist“, sagte Schenk.

„Das ist eine Regel, die wir eingeführt haben während Corona“, sagte Linnemann am Mittwoch in der Regierungsbefragung im Bundestag. Er fügte hinzu, dass die Politik gut daran tue, „dass Sonderregeln, die es zu Corona gab, wieder zurückgenommen werden“. „Es werden 10 Tage sein, mal zwei sind 20 Tage im Jahr. Und das hatten wir auch in den ganzen Jahren vor Corona.“

Für dieses Jahr gilt nach einer gesetzlichen Festlegung noch eine Verlängerung – nämlich pro Kind und Elternteil von 15 Tagen und für Alleinerziehende von 30 Tagen. Nach Ende von Sonderregelungen in der Corona-Krise war die längere Spanne von 15 Tagen bereits für 2024 und 2025 per Gesetz fortgeschrieben worden. Zuvor waren es 10 Kinderkrankentage pro Jahr und Elternteil gewesen.

Viele schöpfen Regelung nicht aus

Schenk wies darauf hin, dass die „allermeisten Eltern“ die 15 Tage nicht ausschöpften. Zuletzt sei die Inanspruchnahme sogar zurückgegangen. Im vergangenen Jahr entfielen auf einen eingereichten Kinderkrankenfall im Durchschnitt einmal 2,5 Tage, rechnete die Ministerin vor. „Man darf also die Frage stellen: Wozu braucht es jetzt dieses Signal des Misstrauens gegenüber Eltern?“

Die Linken-Sozialpolitikerin Lena Saniye Güngör sagte, nur weil die Kinderkrankentage aufgebraucht sind, ist ein fieberndes Kind nicht gesund. „Eltern dieses Geld streichen zu wollen, ist ein unwürdiger Versuch, unsoziale Sparmaßnahmen dort durchzudrücken, wo das System ohnehin schon auf Kante genäht ist und es vor allem Frauen sind, die die negativen Folgen ausbaden müssen“, sagte Güngör. Sie forderte eine dauerhafte Sicherung der aktuellen Zahl an Kinderkrankentagen.

Gegenwind gab es auch schon von Mecklenburg-Vorpommerns Ministerpräsidentin Manuela Schwesig: „Das geht gar nicht“, sagte die SPD-Politikerin am Rande der Bundesratssitzung. Die SPD habe bei der Gesundheitsreform ganz klar verhandelt, dass es bei den Kinderkrankentagen bleibe, betonte Schwesig. „Wir müssen die Familien in Deutschland stärken, wir müssen sie unterstützen.“

Anspruch bei Kindern unter zwölf Jahren

Gesetzlich versicherte Eltern können Krankengeld beantragen, wenn ein Kind unter zwölf Jahren krank ist und sie deswegen nicht zur Arbeit gehen können. Die Krankenkasse übernimmt dann einen Großteil des Verdienstausfalls und zahlt Kinderkrankengeld – in der Regel 90 Prozent des Nettoverdienstes.

Heidi Reichinnek, Vorsitzende der Fraktion Die Linke im Bundestag, spart ebenfalls nicht mit Kritik: „Ex-Gesundheitsministerin Warken hat die Messlatte schon auf den Boden gelegt, Minister Linnemann gräbt sich munter darunter durch. Anstatt wenigstens die schon nicht ausreichende Regelung über 15 Kinderkrankentage pro Jahr und Elternteil zu verlängern, lässt er sie auslaufen und schafft es damit, Familien den nächsten Schlag zu versetzen. Auch 15 Tage pro Jahr sind eine Farce, denn Kinderkrankheiten richten sich überraschenderweise nicht nach bürokratischen Vorgaben, die Reduzierung auf 10 Tage pro Elternteil zeigt aber vor allem deutlich: Auch Minister Linnemann interessiert sich nicht für die Probleme und Herausforderungen von Familien. Dass das Kinderkrankengeld das Nettoeinkommen nicht vollständig ersetzt, ist dabei nur die Spitze des Eisbergs.“