Linnemann als Gesundheitsminister: Geteiltes Echo 24.07.2026 09:14 Uhr
Der bisherige CDU-Generalsekretär Carsten Linnemann wird Bundesgesundheitsminister – Grüne und Linke sehen dies mit Skepsis. Der Grünen-Gesundheitsexperte Janosch Dahmen sagte der „Augsburger Allgemeinen“: „Entsteht der Eindruck, dass ausgerechnet für das Gesundheitsministerium weder gesundheitspolitische Erfahrung, ministerielle Führungserfahrung noch besondere medizinische Fachkenntnis entscheidend sind, beschädigt das das Vertrauen – in einer Zeit, in der dieses Vertrauen ohnehin bereits grenzwertig strapaziert ist.“
Die Herausforderungen im Gesundheitswesen seien gewaltig. „Sie brauchen kein Motto wie „Einfach mal machen“, sondern Expertise, Empathie und den konsequenten Fokus auf die Menschen“, betonte Dahmen mit Hinweis auf einen Ausspruch, den Linnemann immer wieder verwendet. Gleichwohl wünschte er Linnemann „Erfolg für diese verantwortungsvolle Aufgabe.“
Lob von Lauterbach – Befürchtungen bei der Linken
Der frühere Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach wünschte dem CDU-Politiker ebenfalls viel Erfolg. Mit Linnemann könne „man gut arbeiten“, schrieb der SPD-Politiker auf der Plattform X.
Ganz anders die Reaktion der Linken. „Linnemann ist ein sozialpolitischer Hardliner und das lässt Schlimmes befürchten“, sagte der Linken-Gesundheitspolitiker Ates Gürpinar der „Rheinischen Post“. „In Zeiten, in denen die Bundesregierung den Menschen im Land einen Tiefschlag nach dem anderen verpasst, wäre es kein gutes Zeichen, wenn jemand Minister wird, der bisher nur dadurch aufgefallen ist, nach unten zu treten – gerade in so einem wichtigen Bereich wie Gesundheit und Pflege“, sagte Gürpinar.
FDP will Linnemann an früheren Äußerungen messen
FDP-Chef Wolfgang Kubicki schrieb auf X, Linnemann könne nun beweisen, dass er seinen Worten Taten folgen lasse: „Die Sozialbeiträge in Richtung 40 Prozent zu senken, bis zu 83 Krankenkassen abzuschaffen und die Anhebung der Beitragsbemessungsgrenze nachzuverhandeln, sind große Ziele. Wir werden ihn daran erinnern“, betonte Kubicki.
SPD: Die Erwartungen der Bürger sind hoch
Der gesundheitspolitische Sprecher der SPD-Bundestagsfraktion, Christos Pantazis gratuliert Linnemann zu seiner vorgesehenen Ernennung und wünscht ihm für die vor ihm liegenden Aufgaben eine glückliche Hand. „Das deutsche Gesundheitswesen steht vor enormen Herausforderungen. Mit dem GKV-Beitragssatzstabilisierungsgesetz ist es uns in den vergangenen Monaten gelungen, die Finanzen der gesetzlichen Krankenversicherung kurzfristig zu stabilisieren. Das war jedoch bewusst keine abschließende Strukturreform, sondern ein notwendiger erster Schritt, um Zeit für die noch anstehenden Weichenstellungen zu gewinnen.“
Nun gelte es, die großen Reformvorhaben mit Entschlossenheit und Tempo weiter voranzutreiben, so Pantazis. Weiterentwicklung der Krankenhausreform, Pflegereform, die Sicherstellung der ambulanten Versorgung im Sinne eines leistungsfähigen Primärversorgungssystems mit einer echten Termingarantie, der konsequente Abbau bürokratischer Hürden sowie die Umsetzung einer modernen Notfallreform – „und die Erwartungen der Bürgerinnen und Bürger sind zu Recht hoch“.
Pantazis freue sich auf eine konstruktive und vertrauensvolle Zusammenarbeit mit Linnemann und dankt Warken „ausdrücklich für die stets professionelle und verlässliche Zusammenarbeit in den vergangenen Monaten. Gerade in einer Phase großer finanzieller und struktureller Herausforderungen im Gesundheitswesen hat sie Verantwortung übernommen und wichtige Weichenstellungen mit auf den Weg gebracht. Für ihre neue Aufgabe als Bundesministerin und Chefin des Bundeskanzleramtes wünsche ich ihr viel Erfolg und alles Gute.“