Apothekenhonorar

Lauterbach: „Wir müssen über die Honorierung nachdenken“ APOTHEKE ADHOC, 14.10.2012 08:41 Uhr

Für die SPD ist der neue Fraktionsvize für Gesundheit, Professor Dr. Karl Lauterbach, mit von der Partie. Foto: Elke Hinkelbein
München - 

Der gesundheitspolitische Sprecher der SPD, Professor Dr. Karl

Lauterbach (SPD), hat die Apotheker überrascht. Beim Deutschen

Apothekertag (DAT) in München hat sich der gesundheitspolitische

Sprecher der Sozialdemokraten zur inhabergeführten Apotheke bekannt. Im

Video-Interview mit APOTHEKE ADHOC erklärt Lauterbach, wie die SPD die

Apotheker stärken will, was die FDP aus seiner Sicht falsch macht und

warum die Apotheker deshalb beim nächsten Mal die SPD wählen sollten.

Lauterbach hatte sich in der Vergangenheit wiederholt für eine Aufhebung des Fremdbesitzverbots stark gemacht. Für ihn ist die Rechtslage jetzt klar, deshalb will er sich in der Debatte auf die Versorgung der Patienten konzentrieren. Der Gesundheitsökonom fordert eine stärkere Nutzung der Apotheke auch für die Betreuung von chronisch Kranken.

Eine Reform sollte deshalb aus seiner Sicht das Vergütungssystem betreffen: „Wenn wir den Weg gehen, dass die inhabergeführte Apotheke der Weg ist – und das ist ein Weg, den ich für richtig halte im Grundsatz – dann muss allerdings gleichzeitig die Honorierung auch so gestellt sein, dass diese Leistungen stärker im Vordergrund stehen“, so Lauterbach.

Die von der Regierung beschlossene Erhöhung des Fixhonorars um 25 Cent findet Lauterbach im Prinzip richtig. Aber: „Wir müssen aber über die Gesamthonorierung noch einmal nachdenken“, so Lauterbach. Denn so wie die Honorare heute strukturiert seien mit den „Verteilungsproblemen“ zwischen den Apotheken, sei langfristig nicht zu Gunsten der Patienten.

Die Apotheker müssten Lauterbach zufolge schon sich fragen, ob sie mit Schwarz-Gelb die richtige Wahl getroffen hätten: „Es hat weder eine bessere Versorgungsstruktur gegeben, noch eine Entbürokratisierung der Apotheker. Die Apotheker sind auch nicht stärker in den Versorgungsprozess mit eingebunden worden.“ Auch die Bedeutung einer Betreuung von chronisch Kranken sei nicht größer geworden. „Also wenn ich selbst Apotheker wäre, wäre ich wahrscheinlich unzufrieden“, sagt Lauterbach.

Offensichtlich versage die FDP derzeit bei der Kernwählerschaft der Apotheker. „Aber das soll nicht mein Problem sein. Wir wollen konstruktiv mit den Apothekern zusammen arbeiten, um sie stärker einzubinden in die Versorgung von chronisch Kranken, das ist unser Ziel“, so Lauterbach.

Der SPD-Gesundheitsexperte sieht gute Gründe, warum die Apotheker beim nächsten Mal die Sozialdemoraten wählen sollten. „Weil wir uns gerade Gedanken machen, wie man Apothekerausbildungsbedingt stärker in die Versorgung mit einbringt.“ Man habe den Apothekern einiges zu bieten. „Ich stelle aber auch klar: In erster Linie muss Gesundheitspolitik aus der Sicht der Patienten betrachtet werden.“ Und er fügte hinzu: „Wir wollen jetzt nicht die FDP bei den Apothekern als Klientelpartei ablösen.“

Ob er im Falle einer Regierungsbeteiligung seiner Partei als Bundesgesundheitsminister zur Verfügung stünde, wollte Lauterbach nicht konkret beantworten: „Also das ist reine Spekulation. Wir haben in den eigenen Reihen so viele gute Leute, dass es sich gar nicht lohnt, darüber nachzudenken, wer von diesen Leuten Gesundheitsminister würde.“