Corona-Maßnahmen

Lauterbach und Wieler vor Enquete-Kommission 19.03.2026 16:55 Uhr aktualisiert am 19.03.2026 17:45 Uhr

Berlin - 

Der damalige Präsident des Robert Koch-Instituts (RKI), Professor Dr. Lothar Wieler, hat ein gemischtes Fazit zum deutschen Krisenmanagement in der Corona-Pandemie gezogen. Eine unzureichende Datenlage etwa zur Krankheitslast habe zur Verunsicherung der Bevölkerung in Deutschland beigetragen, sagte Wieler in einer Anhörung der Enquete-Kommission des Bundestags zur Aufarbeitung der Gesundheitskrise. Der frühere Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach (SPD) hat die Maßnahmen zur Eindämmung der Corona-Pandemie insgesamt verteidigt.

Ausdrücklich dankte Wieler „der großen Mehrheit“ in Deutschland, „deren kontinuierliche Unterstützung die Eindämmung der Covid-19-Pandemie erst ermöglicht hat“. Anfangs sei die Unterstützung „außerordentlich groß“ gewesen. Aber: „Die Unterstützung der Bevölkerung ließ im Laufe der Pandemie nach“, so Wieler.

Der frühere RKI-Präsident machte auf mögliche Gründe aufmerksam. So habe man zwar gewusst, dass die Impfungen weltweit Millionen Todesfälle verhinderten. Zahlen zur Wirksamkeit der Impfungen in Deutschland hätten mangels ausreichender Daten aber erst mit Verzögerung vorgelegt werden können, sagte Wieler. „Dies verzögerte wichtige Erkenntnisse im Inland und sorgte für Unsicherheit.“

„Pandemie hat wichtige Lernprozesse angestoßen“

Der ehemalige RKI-Chef sagte: „Die Pandemie hat wichtige Lernprozesse angestoßen.“ Ausgebaut werden sollten der öffentliche Gesundheitsdienst sowie die Kapazitäten des RKI und der anderen zentralen Einrichtungen, forderte der Professor am Hasso-Plattner-Institut. Für Wieler wichtig: eine „Verbesserung der Gesundheitsdaten-Infrastruktur“. Diese Informationen müssten in viel stärkerem Maß automatisiert fließen sowie – „ohne exzessiven Datenschutz“ – verknüpft und ausgewertet werden können. Dies sei wichtig für ein besseres Krisenmanagement. „Das ist aber auch Grundlage für gesellschaftliches Vertrauen“, mahnte Wieler. Hierfür fehlten noch finanzielle, technische und gesetzliche Voraussetzungen.

Auch der Intensivmediziner Christian Karagiannidis mahnte besser nutzbare und automatisierte Daten an. Nutzen aus den damals entwickelten Maßnahmen ziehe man heute etwa beim Abwassermonitoring, bei dem Viruslast in Abwasser gemessen wird.

Mehr Fokus auf Kinder und Jugendliche

Der Vorsitzende der Ständigen Impfkommission (Stiko), Reinhard Berner, hob die Rolle des unabhängigen Gremiums hervor, das im Lauf der Pandemie 25 Empfehlungen veröffentlicht habe. Er wies darauf hin, dass die Ressourcen der Stiko-Geschäftsstelle für einen Pandemiefall nicht ausreichend seien. Stärker berücksichtigt werden müssten Bedürfnisse von Kindern und Jugendlichen.

Der Toxikologe Helmut Sterz machte deutlich, dass er damalige Studien zu Corona-Impfstoffen als unzureichend einschätzt. Die Sicherheit der Vakzine sei nur „vorgetäuscht“ worden. Die Infektiologin Maria Vehreschild kritisierte aus ihrer Sicht teils suboptimale Bedingungen für Forschungsbereiche, die für Gesundheit und Pandemiebekämpfung zentral seien.

Die Corona-Krise war eine Ausnahmesituation, und die Schutzmaßnahmen sorgen noch immer für Kontroversen. Im Parlament stellt sich der damalige Minister – und hebt im Rückblick ein Instrument hervor.

Lauterbach verteidigt Corona-Maßnahmen

Der frühere Bundesgesundheitsminister Lauterbach hat die Maßnahmen zur Eindämmung der Corona-Pandemie insgesamt verteidigt. „Es ist nicht alles perfekt gelaufen“, sagte der SPD-Politiker in einer Anhörung der Enquete-Kommission des Bundestags zur Aufarbeitung der Gesundheitskrise. „Aber Deutschland ist verhältnismäßig gut durch die Pandemie gekommen, und das verdanken wir auch den Impfungen.“

Lauterbach betonte: „Es ist in der wissenschaftlichen Literatur Konsens, dass tatsächlich die Zahl der Toten nur deshalb nicht wesentlich höher ist, weil wir den Segen der Impfungen gehabt haben.“ Der Ex-Minister wies auch auf seltene Komplikationen der Impfungen wie Herzmuskelentzündungen hin. Die Sicherheit der Impfung sei aber sehr gut untersucht worden.

Der SPD-Politiker, der von Ende 2021 bis zum Auslaufen der Pandemie 2023 Gesundheitsminister war, sagte: „Wir haben immer kämpfen müssen, dass wir nicht eine Überlastung der Intensivbetten erleben mussten.“ Anfang 2022 habe es etwa eine Reserve von nur vier Tagen gegeben. „Das heißt, wir mussten hier handeln“, sagte er mit Blick auf Maßnahmen zum Eindämmen von Infektionen.

Die Kommission zur Aufarbeitung der Pandemie soll dem Bundestag bis Mitte 2027 Empfehlungen vorlegen. Die akute Corona-Krise hatte 2020 begonnen, die letzten bundesweiten Alltagsauflagen endeten zu Ostern 2023.