Kliniken warnen vor Engpässen bei Schutzausrüstung 08.04.2026 11:41 Uhr
Aufgrund des Irankriegs, der damit verbundenen Verknappung des Angebots und der Blockade der Straße von Hormus könnte es auch im Gesundheitswesen durch unterbrochene Lieferketten eng werden. Die Deutsche Krankenhausgesellschaft (DKG) warnt nun vor baldigen Engpässen bei Einmalhandschuhen, Schutzausrüstung und anderen für den Betrieb der Krankenhäuser notwendigen Waren.
Viele in Ostasien ansässige Hersteller medizinischer Schutzausrüstung nehmen laut DKG bereits keine Bestellungen mehr an, weil ihnen der Nachschub bei den notwendigen erdölbasierten Stoffen wie Naphtha und Ethylen, die zur Herstellung zahlreicher Kunststoffprodukte notwendig sind, fehlt. Doch nicht nur Kunststoffprodukte seien davon betroffen: Warnsignale gebe es unter anderem auch bei der Versorgung mit Helium. Das Gas wird zur Kühlung medizinischer Geräte, vor allem MRT-Scanner, genutzt. Helium sei prinzipiell ein knappes Gut, die unterbrochenen Lieferketten machten die Beschaffung nun aber noch komplizierter als bisher.
Mögliche Lieferengpässe wie zu Beginn der Corona-Pandemie oder nur spürbare Preissteigerungen würden die Krankenhäuser in einer Phase wirtschaftlicher Unsicherheit treffen.
Keine Lehren aus Pandemiezeiten
„Dass sich die unterbrochenen Lieferketten noch nicht spürbar auf die Versorgung in den Krankenhäusern auswirken, liegt vor allem an der Vorratshaltung der Kliniken und den Beständen der Händler. Sollte sich die politische Situation aber nicht in absehbarer Zeit entspannen, werden die Einkäufer der Kliniken mit starken Preissprüngen oder gleich leeren Lagern konfrontiert sein“, warnt die stellvertretende Vorstandsvorsitzende der DKG, Professor Dr. Henriette Neumeyer. In der jetzigen wirtschaftlichen Lage der Kliniken, die sich durch die jüngst angekündigten Sparvorschläge noch verschärfen werde, wären stark gestiegene Preise kaum zu stemmen.
„Leider hat die Politik die Lehren aus den Lieferengpässen während der Pandemie noch nicht gezogen. Die damals angekündigte Nationale Reserve Gesundheitsschutz existiert bis heute genauso wenig wie eine relevante europäische Produktion von Schutzausrüstung und medizinischer Verbrauchsgüter“, kritisiert Neumeyer. Bereits bekannte Engpässe, etwa bei Einmalhandschuhen, ließen sich zu einem Teil noch durch Desinfektion und verstärkte Handhygiene zwar abfedern, dennoch müsse die Politik jetzt dafür Sorge tragen, dass die Krankenhäuser nicht wieder in eine Situation wie 2020 gerieten. „Preissteigerungen wie damals können die Krankenhäuser heute unter den derzeitigen wirtschaftlichen Bedingungen nicht noch einmal ohne Weiteres stemmen“, so Neumeyer.