CDU-Politiker besucht Pharmafirmen

„Kein Markt darf nicht bedeuten: kein Medikament“ 18.08.2026 12:46 Uhr

Berlin - 

Fünf Tage lang informierte sich der CDU-Politiker Sascha van Beek in fünf Bundesländern im Rahmen seiner Sommertour über vernachlässigte Tropenkrankheiten (NTDs). Unter anderem besuchte er dazu neben Universitäten und Forschungsinstituten auch Pharmaunternehmen und Hilfsorganisationen. „Wir müssen viel größer denken“, lautet das Fazit des Politikers. Er fordert Unterstützung für neue Wirkstoffe, ein nationales Impfstoffzentrum und starke Biotech-Cluster.

„NTDs, Antibiotikaresistenzen, Pandemievorsorge, Impfstoffe, Grundlagenforschung und One Health hängen unmittelbar zusammen“, betonte van Beek. Es gehe zum einen um globale Gesundheit, aber auch um den Forschungsstandort Deutschland, die Gesundheitsindustrie und die nationale Sicherheit. Im Rahmen seiner Sommertour besuchte van Beek Action medeor, Malteser International, Bayer, Boehringer Ingelheim, die Philipps-Universität Marburg und GlaxoSmithKline (GSK), das Leibniz-HKI in Jena und das Universitätsklinikum Bonn.

„Kein Markt darf nicht bedeuten: kein Medikament“

Schon bei der Forschung und Entwicklung von notwendigen Medikamenten zur Behandlung von NTDs behinderten wirtschaftliche Abwägungen. Denn hier fehle häufig ein attraktiver Absatzmarkt. Bei neuen Antibiotika bestehe immer das medizinische Interesse, sie wegen möglicher Bildung resistenter Keime möglichst zurückhaltend einzusetzen.

„Kein Markt darf nicht bedeuten: kein Medikament. Wenn ein Wirkstoff medizinisch dringend gebraucht wird, aber wirtschaftlich nicht attraktiv genug ist, brauchen wir andere Wege“, betonte van Beek. So könnten zum Beispiel Produktentwicklungspartnerschaften, Inkubatoren oder gezielte Anreize diese Lücke schließen. In Deutschland müsse vor allem die Übersetzung der Grundlagenforschung in konkrete Produkte verbessert werden.

„Wir haben hervorragende Wissenschaft und eine starke Pharma- und Biotechindustrie. Aber ein Wirkstoff im Labor schützt noch keinen Menschen“, erklärt van Beek. Vielversprechende Substanzen müssten schneller durch die klinische Entwicklung bis zur Anwendung gebracht werden. Davon profitierten nicht nur die Patienten weltweit, sondern auch Forschung, Produktion und Wertschöpfung in Deutschland.

Forschung und Krisen-Resilienz

Besonders beeindruckt war van Beek vor allem vom Standort Marburg, an dem universitäre Forschung, Impfstoffentwicklung und industrielle Produktion aufeinandertreffen. „Marburg hat mich überrascht. Dort ist eine enorme Kompetenz vorhanden, die wir strategisch nutzen sollten“, erklärte er.

Deutschland brauche dauerhaft verfügbare Fähigkeiten, Impfstoffe zu erforschen, zu entwickeln und zu produzieren. Das sei nicht nur eine Lehre aus der Corona-Pandemie. „Gesundheit und Verteidigung gehören stärker zusammen. Eigene Fähigkeiten bei Impfstoffen, Diagnostika und Medikamenten sind Teil unserer strategischen Resilienz. Gesundheitssicherheit ist nationale Sicherheit.“

Auch Jena sei ein strategisch wichtiger Standort. So böten das Leibniz-HKI, die Friedrich-Schiller-Universität, das Universitätsklinikum und das Forschungsumfeld hervorragende Voraussetzungen für die Entwicklung neuer Antiinfektiva. „In Jena ist eine beeindruckende Forschungslandschaft entstanden. Diese Kompetenzen sollten wir zu einem Biotech-Exzellenzcluster mit internationaler Strahlkraft weiterentwickeln. Gerade bei neuen Antibiotika und Antiinfektiva brauchen wir solche starken Standorte.“

Sicherheit und Forschung

„Wir reduzieren Pandemierisiken und bekämpfen Antibiotikaresistenzen. Wir erkennen neue Erreger früher. Gleichzeitig stärken wir unsere Forschung, schaffen Chancen für deutsche Unternehmen und erhalten pharmazeutische und biotechnologische Kompetenz. Jeder Euro muss möglichst mehrere Ziele erreichen: bessere Gesundheit weltweit, mehr Sicherheit und mehr Innovationskraft in Deutschland“, so van Beek.

Konkret wolle er auf Bundesebene darauf hinwirken, Produktentwicklungspartnerschaften zu stärken, die Translation neuer Wirkstoffe zu verbessern, Impfstoffkompetenzen zu sichern und Gesundheits-, Forschungs-, Wirtschafts-, Entwicklungs- und Sicherheitspolitik enger zu verzahnen.

Zwar habe man in Deutschland viel Kompetenz, aber diese sei noch zu oft auf einzelne Institutionen und politische Ressorts verteilt. „Wir müssen die Punkte verbinden. Wenn aus deutscher Grundlagenforschung ein Medikament entsteht, daraus Produktion und Arbeitsplätze entstehen und wir damit gleichzeitig Menschen weltweit schützen, dann haben wir globale Gesundheit richtig verstanden“, so van Beek.

Tropenkrankheiten in Deutschland

Die globale Gesundheit betreffe Deutschland mittlerweile auch unmittelbar. Das West-Nil-Virus werde inzwischen auch innerhalb Deutschlands übertragen. Gleichzeitig breite sich die Asiatische Tigermücke weiter aus, die unter geeigneten Bedingungen unter anderem Dengue-, Chikungunya- und Zikaviren übertragen kann.

„Der Begriff Tropenkrankheit darf uns nicht in falscher Sicherheit wiegen. Was früher weit entfernt erschien, rückt näher. Erreger, Tiere, Menschen und Umwelt lassen sich nicht getrennt betrachten. One Health gilt in Afrika und Asien genauso wie in Nordrhein-Westfalen“, betont van Beek.

Deutschland müsse sein Engagement in globaler Gesundheit deshalb stärker als strategische Investition verstehen. „Wenn wir Krankheiten dort erkennen und bekämpfen, wo sie entstehen, schützen wir auch die Menschen in Deutschland. Wenn wir Gesundheitssysteme und Surveillance international stärken, gewinnen wir Zeit und Sicherheit. Globale Gesundheit ist deshalb nicht nur Solidarität. Sie ist Vorsorge im eigenen Interesse.“