Kassen erwarten zweistellige Milliardenlücken ab 2027 10.03.2026 14:34 Uhr
Die gesetzlichen Krankenversicherungen (GKV) haben im vergangenen Jahr nach einer Welle von Beitragserhöhungen ein Plus verbucht – aber auch stark steigende Ausgaben. Bei den 93 Kassen stand nach vorläufigen Zahlen ein Überschuss von 3,5 Milliarden Euro, wie das Bundesgesundheitsministerium (BMG) mitteilte. Dies diene aber vorrangig zum Auffüllen der Finanzreserven. Ende 2025 betrugen sie rund 5,1 Milliarden Euro und lagen weiterhin knapp unter der gesetzlich vorgesehenen Mindestreserve von 0,2 Monatsausgaben.
Ministerin Nina Warken (CDU) sprach von einer weiterhin schwierigen Lage. „Seit 2024 steigen die Ausgaben wesentlich stärker als die Einnahmen, auch in diesem Jahr.“ Im Jahr 2025 standen Einnahmen von 355,9 Milliarden Euro Ausgaben von 352,4 Milliarden Euro gegenüber. Maßgeblicher Treiber der hohen Ausgabendynamik seien Klinikbehandlungen mit plus 9,6 Prozent gewesen. Insgesamt stiegen die Leistungsausgaben um 7,9 Prozent.
Aufwendungen im Arzneimittelbereich stiegen um 5,9 Prozent (3,2 Milliarden Euro) und seien damit gegenüber dem bisherigen Jahresverlauf fast unverändert geblieben. Überdurchschnittliche Zuwächse von etwa 27 Prozent (858 Millionen Euro) gab es hier für die Aufwendungen für Arzneimittel im Rahmen der ambulanten spezialfachärztlichen Versorgung. „Auch die Arzneimittelausgaben steigen damit stärker als im Durchschnitt der Jahre 2013 bis 2024“, heißt es aus dem BMG.
Zweistellige Milliardenlücken ab 2027
Warken sagte zur Entwicklung, zwar habe man die Finanzlage für 2026 kurzfristig stabilisieren und große Beitragssatzsprünge zum Jahreswechsel vermeiden können. Ab 2027 seien aber jedes Jahr Finanzierungslücken in zweistelliger Milliardenhöhe zu erwarten. „Unser zentrales politisches Ziel ist und bleibt die nachhaltige Stabilisierung der Beitragssätze, indem wir den Entwicklungen der vergangenen Jahre endlich etwas entgegensetzen.“ Ende März soll eine Expertenkommission Vorschläge dafür vorlegen.
Nachdem Anfang 2025 zahlreiche Kassen ihre Zusatzbeiträge erhöht hatten, gab es nun weitere Anhebungen. Zum 1. Januar 2026 erhöhten 43 Kassen ihre Beitragssätze, wie das Ministerium mitteilte. Bei 47 Kassen blieb er stabil, zwei Kassen senkten ihren Zusatzbeitragssatz zum Jahresbeginn.
Grüne wollen „echte Kostentreiber“ angehen
Der Grünen-Gesundheitsexperte Janosch Dahmen sagte: „Wenn Ministerin Warken die Beiträge stabilisieren will, muss sie an die echten Kostentreiber ran: überhöhte Arzneimittelpreise, ineffiziente Krankenhausstrukturen und den Abbau von Über- und Fehlversorgung.“ Allein eine konsequente Reform der Notfallversorgung könnte rund fünf Milliarden Euro pro Jahr einsparen.