Kabinett

Strategie gegen Sex-Infektionen APOTHEKE ADHOC, 06.04.2016 14:25 Uhr

Berlin - 

Das Bundeskabinett hat den Entwurf einer Strategie zur Eindämmung von HIV, Hepatitis B und C sowie anderer sexuell übertragbarer Infektionen beschlossen. Die Bereiche „Früherkennung und Prävention“ sollen mit der neuen Strategie weiter ausgebaut werden. Denn durch die frühzeitige Diagnose könnten Menschen schneller geheilt, Spätfolgen vermieden und die Übertragung von Infektionen verhindert werden. Die von Gesundheits- und Entwicklungsministerium gemeinsam vorgelegte Strategie wird nun Bundestag und Bundesrat zugeleitet.

Mit der HIV/AIDS-Bekämpfungsstrategie von 2005 hatte die damalige Bundesregierung erstmals Handlungsfelder zur Eindämmung der Immunschwächekrankheit auf nationaler und internationaler Ebene beschrieben. Trotz wichtiger Erfolge in der Eindämmung der Epidemie sei eine Fortsetzung des Engagements notwendig, heißt es nun.

Da HIV, Hepatitis B und C sowie andere sexuell übertragbare Infektionen vergleichbare Übertragungswege und -risiken hätten, würden die verschiedenen Krankheitserreger künftig in einer gemeinsamen, integrierten Strategie in den Blick genommen. So könnten Gemeinsamkeiten in der Prävention und Diagnostik der Krankheiten und bei der Versorgung der Patienten besser genutzt werden.

Die Zahlen der geschätzten Neuinfektionen mit HIV haben sich laut Bundesregierung seit 2006 stabilisiert. 2014 wurden 3200 neue Fälle registriert. Ende 2014 lebten in Deutschland etwa 84.000 Menschen mit HIV. Dagegen ist etwa bei Syphilis seit 2010 ein starker Anstieg zu verzeichnen. 2014 wurden 5722 Fälle gemeldet, 14 Prozent mehr als im Vorjahr. Dieser Anstieg ist nur bei Männern zu beobachten. Bei Frauen sind die absoluten Zahlen wesentlich niedriger und waren 2014 rückläufig.

Die Präventions- und Versorgungsangebote sollen passgenau auf verschiedene Altersgruppen und Lebensbereiche ausgerichtet werden. Primär soll Wissen über die Krankheiten, ihre Übertragungswege und die Schutzmaßnahmen vermittelt werden. Eine Vernetzung der staatlichen Institutionen, dem Gesundheitsbereich, freien Trägern, Selbsthilfeorganisationen und anderen Akteuren soll gewährleisten, dass betroffene Menschen mit abgestimmten Maßnahmen besser erreicht und Ressourcen gebündelt werden.

Auf internationaler Ebene will die deutsche Entwicklungspolitik darüber hinaus ihre Anstrengungen fortführen, um allen Betroffenen Zugang zu Behandlung und sozialer Absicherung zu ermöglichen. Dabei sollen konkrete Maßnahmen zur Bekämpfung von HIV eng verzahnt werden mit der nachhaltigen Stärkung von Gesundheitssystemen sowie der Stärkung von Frauenrechten. Auch die besonders schwierige Lage von Menschen auf der Flucht werde berücksichtigt, etwa durch die Integration von Präventions- und Schutzmaßnahmen in lokale HIV-Programme der Aufnahme- und Transitländer.

Bundesgesundheitsminister Hermann Gröhe (CDU) erklärte dazu: „Dank unserer erfolgreichen Präventionsarbeit und hochwertigen Behandlung gehört Deutschland zu den Ländern mit den niedrigsten HIV-Neuinfektionsraten in Europa. Die aktuellen Zahlen zeigen aber auch, dass die Anstrengungen nicht nachlassen dürfen.“