Hubmann: „Die Hoffnung stirbt zuletzt“ 05.05.2026 13:33 Uhr
Die versprochene Honorarerhöhung muss kommen – dies wurde auf dem heutigen DAV-Wirtschaftsforum einmal mehr deutlich. Dass Gesundheitsministerin Nina Warken (CDU) Wort hält, glauben der DAV-Vorsitzende Dr. Hans-Peter Hubmann und der Generalbevollmächtigte der Treuhand Hannover, Dr. Sebastian Schwintek. „Wenn Leistungen nicht eingeschränkt werden sollen, müssen Leistungen auch bezahlt werden“, appelliert Hubmann.
Die Steigerung des Fixums muss sein, so der DAV-Vorsitzende. Es brauche mindestens eine Inflationsanpassung – aber die 9,50 Euro sind gesetzt. „Alle Apotheken leisten einen Beitrag zur Versorgung, alle haben Anspruch auf die Vergütung.“ Zwischen großen und kleinen, Stadt- und Landapotheken beim Honorar zu unterscheiden, bezeichnet der DAV-Vorsitzende als „leistungsfeindlich“. Große Apotheken seien Pioniere bei neuen Leistungen, haben einen großen Einzugsbereich und versorgen viele Patient:innen. „Wer viel arbeitet, darf auch viel verdienen.“ Es gebe bei Apotheken keinen Unrat, sondern nur gute Pflanzen.
Klar sei auch, dass mit einer Fixumserhöhung nicht alle Apotheken aus dem Schneider seien, aber sie würde vielen helfen. Dass Apotheken schließen, ist laut Schwintek normal, besorgniserregend sei jedoch, dass es nur wenige Neueröffnungen gebe.
Eine Preisdifferenzierung treibt Apotheken in den Abgrund, ist Dr. Eckart Bauer, Bereichsleiter Wirtschaft und Soziales der Abda, sicher. Kleine Apotheken werden vom Markt verdrängt. Man müsse den Unterfinanzierungsbedarf aller Apotheken anschauen und dann entsprechende Gelder zur Verfügung stellen. „Wollen wir, dass ein Staat einzelne Apotheken auspickt und sagt, welche gestärkt werden sollen“, fragt er.
Kein Echo zum Grundkostenzuschuss
Zum DAV-Vorschlag vom vergangenen Jahr – dem Grundkostenzuschuss – kamen von der Politik bislang keine direkten Äußerungen, obwohl der Vorschlag im vergangenen Jahr von den Parlamentariern begrüßt worden sei.
Die generelle Honorarerhöhung für alle Apotheken sei der schnellere und effizientere Weg, erklärte Schwintek. Auf das bewährte Instrument des Fixums und per geplanter Verhandlungslösung etwas obendrauf zu setzen, sei eine gute Ausgangslage und mittelfristig der bessere Weg. Es müsse jedoch die Frage gestellt werden, ob das, was der Versand erbringt, dieselbe Leistung ist, die die Apotheke vor Ort erbringt und entsprechende Honorarregelungen etabliert werden, ohne am Arzneimittelpreis etwas zu machen. Für Bauer ist klar, dass der DAV aktiv werden müsse, dass die Leistungen vergütet werden, die Versender nicht erbringen.
pDL
Die Vergütung für pharmazeutische Dienstleistungen (pDL) ist nicht mehr realistisch, so Hubmann. Die Vergütung muss nicht kostendeckend, sondern ertragssteigernd sein. „Ich erbringe nicht mehr Leistung für den gleichen Ertrag.“
Verhandlungslösung
Apotheken sollen künftig über dem GKV-Spitzenverband über das Honorar verhandeln. Gegenstand der Verhandlung ist auch der prozentuale Anteil. Die 3 Prozent sind zwar Honorarbestandteil, aber keine Vergütung der Leistung der Apotheke, sondern eine pauschale Erstattung der Aufwände der Apotheke und dienen der Vorfinanzierung und sind damit essenziell für die Versorgung mit Hochpreisern und für Spezialversorger, macht Schwintek deutlich. „Die 3 Prozent sind nicht verhandelbar.“ Der Passus gehöre aus der Verhandlungslösung rausgenommen.
Wenn finanzielle Reserven bei kleinen Apotheken nicht da sind, ist die Versorgung mit Hochpreisern nicht zu stemmen. Aber auch für große Apotheken sind Hochpreiser eine Belastung, stellt Hubmann klar. Es brauche liquide Mittel. „Das Beste wäre, den 3-Prozent-Anteil aus der Verhandlungslösung zu nehmen.“
Der DAV-Vorsitzende ist „fast sicher, dass wir vor die Schiedsstelle gehen. Mit 99,9 Prozent Wahrscheinlichkeit geht es vor die Schiedsstelle“, so Hubmann.
Um jedoch vernünftig verhandeln zu können, brauche es die Honorarerhöhung, so Bauer. „Wenn man bei 8,35 Euro anfangen würde, müsste man auch bei 2013 anfangen zu rechnen“, so Schwintek. Zudem sei nicht garantiert, dass immer zur Grundlohnsumme ausgeglichen werde. Sind Aufwände über der Grundlohnsumme, würden diese nicht gedeckt, sind sie darunter, werde unterhalb der Grundlohnsumme erhöht.
Wenn das Honorar nicht kommt
„Die Hoffnung stirbt zuletzt“, so Hubmann. „Wir müssen Optimisten bleiben, eine negative Grundhaltung hat noch niemanden nach vorne gebracht.“ Kommt die Honorarerhöhung nicht, sind Stimmung und Vertrauen in die Politik zerstört – ein Wortbruch, der kaum wieder zu heilen ist.
Apotheken brauchen verlässliche Rahmenbedingungen für Investitionen, die die Versorgung der Bevölkerung verbessern sollen, stellt Bauer klar. Die Honorarerhöhung müsse kommen. „Wenn Leistungen nicht eingeschränkt werden sollen, müssen Leistungen auch bezahlt werden“, appelliert Hubmann.