DAV-Wirtschaftsforum

Hubmann: 9,50 Euro zum 1. Juli 05.05.2026 10:55 Uhr

Berlin - 

„Zukunft braucht starke Apotheken“, so der DAV-Vorsitzende Dr. Hans-Peter Hubmann auf dem heutigen DAV-Wirtschaftsforum. Dafür brauche es wirtschaftliche Stabilität und heilberufliche Weiterentwicklung. „Daher fordern wir heute erneut unmissverständlich: Erhöhung des Fixums auf 9,50 Euro jetzt oder spätestens zum 1. Juli 2026!“

Seit einem Jahr ist die Bundesregierung in der Verantwortung. Die Koalition hat sich viel vorgenommen, große Reformen wurden angekündigt – doch sowohl im Herbst als auch im Frühjahr blieben die entscheidenden Reformen aus. Nun soll es der Sommer richten. Mit dem aktuellen Spargesetz hat das Ministerium unter Gesundheitsministerin Nina Warken (CDU) jedoch einen energischen, aber problematischen Aufschlag gemacht, so Hubmann.

Widersprüche und Lippenbekenntnisse

Das GKV-Beitragssatzstabilisierungsgesetz sieht vor, dass alle belastet werden und jeder seinen Sparbeitrag leisten soll. Dies stehe jedoch im eklatanten Widerspruch zu den ursprünglichen Versprechen, die Apotheken wirtschaftlich stärken zu wollen. „Das sind reine Lippenbekenntnisse. Eine unbefristete wirtschaftliche Belastung können und wollen wir nicht hinnehmen“, so Hubmann mit Blick auf die Erhöhung des Kassenabschlags.

Das Apothekenversorgung-Weiterentwicklungsgesetz (ApoVWG) befinde sich derzeit auf der Zielgeraden. Es verspreche zwar Verbesserungen bei den Abgaberegelungen, mehr Retaxsicherheit sowie neue Leistungen wie beispielsweise Tests, Impfen und pharmazeutische Dienstleistungen (pDL) sowie eine stärkere Einbindung in die Primärversorgung. Doch Hubmann stellt klar: Eine gute Versorgung der Menschen lässt sich nur durch echte Zusammenarbeit aller Beteiligten erreichen.

Keine Apotheke ohne Apotheker – Wertschätzung für PTA

Hubmann kritisierte die Pläne zur PTA-Vertretung scharf: Diese sei auch mit den bereits vorgenommenen Nachbesserungen nicht akzeptabel. Die Ablehnung sei keine Abwertung der Arbeit der PTA; ohne sie wäre der Apothekenbetrieb schlicht unmöglich. Eine übergroße Mehrheit der PTA lehne die Vertretungsregelung zudem ab. Der DAV setzte sich in einem gemeinsamen Positionspapier mit dem BVpta für eine echte Weiterqualifikation der PTA ein. Die Regelung der PTA-Vertretung stelle einen „ordnungspolitischen Sündenfall dar“, der die Möglichkeiten biete, Fremdbesitz und Arzneimittelecken im Drogeriemarkt durchzuklagen. „Ist die Tür nur einen winzigen Spalt offen, bekommen wir diese nie mehr zu.“

Ein alarmierendes Bild: Apothekensterben in Deutschland

Die Zahlen sprechen eine deutliche Sprache: Ende 2025 ist die Zahl der Apotheken auf 16.601 gesunken – der niedrigste Stand seit 50 Jahren. Dies ist ein Verlust freiberuflicher Existenz sowie der Abbau von Versorgungsstrukturen und Arbeitsplätzen, die überwiegend von Frauen besetzt sind. Im europaweiten Vergleich rutscht Deutschland damit ins untere Viertel ab.

Chronische Unterfinanzierung beenden

Die Ursache für diese Entwicklung liege klar auf der Hand – die seit Jahren andauernde chronische Unterfinanzierung der Apotheken. Das Fixum wurde seit 2013 nicht angehoben und bei der Gesamtvergütung unter Einbeziehung des 3-Prozent-Aufschlages haben die Apotheken in den letzten zwölf Jahren gerade mal einen Anstieg von 12 Prozent zu verzeichnen, so Hubmann. „Das sind gerade 1 Prozent pro Jahr – im Vergleich mit den Steigerungen in anderen Bereichen – auch im Gesundheitswesen – ist das ein Witz!“ Das Apothekenhonorar müsse endlich an die wirtschaftliche Entwicklung angepasst werden, denn im gleichen Zeitraum verzeichneten beispielsweise die GKV-Einnahmen ein Plus von 85 Prozent und beim Bruttoinlandsprodukt von 56 Prozent. Die Kluft zwischen Ausgaben und Einnahmen können Apotheken schon lange nicht mehr schultern, macht Hubmann deultich – ein Drittel der Betriebe schreibe rote Zahlen.

Der Koalitionsvertrag sieht die Erhöhung des Fixums auf 9,50 Euro vor – zudem waren die Kassenfinanzen bekannt. „Daher fordern wir heute erneut unmissverständlich: Erhöhung des Fixums auf 9,50 Euro jetzt oder spätestens zum 1. Juli 2026!“ Apotheken gebe es nicht zum Nulltarif. Mitarbeitende haben eine bessere Bezahlung verdient, aber Inhaber:innen müssen sich die höheren Gehälter auch leisten können.

In den letzten Wochen haben die Kassen lautstark gegen die Honorarerhöhung der Apotheken protestiert. 950 Millionen Euro für die Erhöhung des Fixums sind jedoch bei rund 350 Milliarden Euro Gesamtausgaben nur knapp 0,3 Prozent Mehrausgaben und ganz sicher kein Grund für wachsende Beitragssätze, so Hubmann. Im Gegenteil: Es sei mehr als gut investiertes Geld, weil die Apotheken vor Ort schon heute – und zukünftig noch stärker – dazu beitragen werden, Ressourcen im Gesundheitswesen einzusparen, indem sie beispielsweise weitere Aufgaben in der Notfallversorgung übernehmen werden.

Die Kassen sollten sich an die eigene Nase fassen – die Vorstandsgehälter wurden erneut erhöht. Zudem seien die Verwaltungsausgaben stetig gestiegen und liegen mit 4 Prozent an den Gesamtausgaben über den Ausgaben für Apotheken in Höhe von 1,7 Prozent. „Wir sind ganz gewiss nicht der Kostentreiber.“

Der Ansatz zum Spargesetz sei zwar nachvollziehbar – aber durch das nicht angepasste Fixum haben Apotheken bereits Einsparungen erbracht. Wäre das Fixum in den letzten Jahren nach den kürzlich präsentierten Vorschlägen der Finanzkommission gemäß der Grundlohnsumme angepasst worden, lägen wir jetzt bei über 12 Euro, rechnet Hubmann vor. „Da dies aber bekanntlich nicht geschehen ist, haben wir in den letzten Jahren bereits über 15 Milliarden Euro eingespart.“

Dennoch soll der Apothekenabschlag auf 2,07 Euro erhöht werden. „Diese Belastung lehnen wir entschieden ab. Diese Belastung hat nichts mit einer Stärkung der Apotheken zu tun.“

Politische Glaubwürdigkeit sieht anders aus

„Wir sind auch zunehmend irritiert, dass finanzielle Belastungen für die Apotheken in hoher Geschwindigkeit in Gesetze geschrieben und diese mit Hochdruck durch das Parlament gebracht werden sollen, während die für die Existenz vieler Apothekenbetriebe so wichtige Honorarerhöhung uns zwar immer wieder mündlich zugesagt, aber immer noch nicht in einer Verordnung fixiert wurde.“

Auf die Apotheken kommen zudem weitere finanzielle Belastungen zu. Hubmann fordert einen Haftungsausschluss für den Herstellerrabatt. Auch die Erhöhung der Zuzahlung hat Folgen für die Apotheken. „Diese Maßnahme bedeutet nicht nur einen stark erhöhten Erklärungsaufwand bei den Patienten, sondern begünstigt die ausländischen Versender, die sich durch ihre ungesetzlichen Zuzahlungserlässe einen großen Wettbewerbsvorteil verschaffen. Diesem rechtswidrigen Treiben muss die Regierung endlich ein Ende machen.“

Zur Durchsetzung des geltenden Rechts brauche es eine Beleihung der Paritätischen Stelle und eine garantierte Staatshaftung. Es genüge nicht, nur Gesetze zu erlassen, der Staat müsse deren Einhaltung auch gewährleisten und kontrollieren.