Honorarerhöhung: Politik hat Wort gehalten – „halbherzig“ 01.07.2026 18:20 Uhr
Anlässlich der einmal jährlich tagenden Mitgliederversammlung der Abda fand heute eine Pressekonferenz statt. „Heute ist ein ganz besonderer Tag“, so Abda-Präsident Thomas Preis. Heute ist ein erster wichtiger Baustein der Apothekenreform in Kraft getreten – im ersten Schritt wurde das Fixum auf 9 Euro angehoben. Die nächste Erhöhung folgt zum 1. Januar. Damit habe die Politik zwar Wort gehalten, aber „halbherzig“.
„Wir sehen das Glas als halb voll an“, so Preis. Als halbherzig bezeichnet Preis die Honorarerhöhung, denn es habe zum einen lange gedauert und zudem komme die Anpassung gestaffelt in zwei Schritten. Zudem droht zum Jahreswechsel eine Erhöhung des Apothekenabschlags. Preis appelliert an die Abgeordneten, den Effekt der Apothekenstärkung nicht durch die Erhöhung des Abschlags verpuffen zu lassen.
Apotheken haben über die vergangenen Jahre ohne Honorarerhöhung ihren Sparbeitrag geleistet. Die Erhöhung des Honorars werde die Apothekenschließungen nicht stoppen. Die Mindestlohnerhöhung zehre bereits einen Teil auf.
ApoVWG morgen in Kraft
Heute wurde zudem das Apothekenversorgung-Weiterentwicklungsgesetz (ApoVWG) veröffentlicht und tritt morgen in Kraft. Apotheken dürfen mehr pharmazeutische Dienstleistungen anbieten, alle Totimpfstoffe verimpfen, Testungen durchführen und venöse Blutentnahmen vornehmen. Heute sei auch ein besonderer Tag für die Bürger:innen.
Außerdem können unter bestimmten Voraussetzungen verschreibungspflichtige Arzneimittel ohne Rezept abgegeben werden – in Akutsituationen beispielsweise bei Augeninfektionen sowie zur Anschlussversorgung von Chroniker:innen. Und auch die assistierte Telemedizin kann ab heute in den Apotheken angeboten werden.
Am 10. Juli geht die „Mantelverordnung“ in den Bundesrat – die dritte Säule der Apothekenreform, so Preis. Bei positivem Bescheid werden die Änderungen der Arzneimittelpreisverordnung – Verhandlungslösung, Aufhebung des Skonto-Verbots – und der Apothekenbetriebsordnung umgesetzt.
1,4 Prozent Beitragssteigerung
Das höchste Organ der Apothekerschaft hat heute mit großer Mehrheit den Haushalt beschlossen, so Preis. Die Mitgliederversammlung hat sich auf eine „moderate Beitragssteigerung“ von 1,4 Prozent geeinigt. Der Fokus liege auf den neuen Aufgaben. Die Abda brauche mehr hochqualifizierte Expert:innen mit Blick auf Verhandlungslösung, pharmazeutische Dienstleistungen und Co.
Abda-Datenhub
Thema war auch der Abda-Datenhub – ein zentrales IT-Projekt für eine sichere Datengrundlage, so Preis. Diskutiert wurden die technische Anbindung an Apotheken, die Sicherheit des Serversystems und der Datenschutz. In den kommenden Wochen werde die interne Kommunikation zum Datenhub starten. Es wird ein Infoportal gestartet und ab Herbst soll ein offizielles Onboarding starten. Die Kommunikation findet in zwei Phasen statt: einer Informationsphase, die Vertrauen schaffen soll und erklären soll, wie der Datenhub funktioniert, und einer zweiten Phase des Onboardings, was ein fließender Prozess sei. Die Daten zu den Arzneimittelabgaben in den Apotheken werden anonymisiert erfasst.
Primärversorgung
Das Thema Primärversorgung wurde natürlich auch diskutiert. Hierzu soll es in Kürze weitere Beratungen geben, so Preis.