Dr. Armin Hoffmann

„Honoraranpassung ist kein politisches Wünsch-dir-was“ 14.01.2026 11:58 Uhr

Düsseldorf - 

Anfang 2025 waren im Bezirk der Apothekerkammer Nordrhein (AKNR) noch 1940 Apotheken gemeldet. Bis zum Jahresende kamen zwar fünf neue Apotheken hinzu, gleichzeitig mussten jedoch 48 Betriebsstätten schließen. Damit sank die Gesamtzahl auf 1897 Apotheken – das entspricht einem Rückgang von 43 Betriebsstätten gegenüber dem Vorjahr oder einem Minus von 2,2 Prozent. AKNR-Präsident Dr. Armin Hoffmann warnt, sieht aber auch Lichtblicke.

„Die Apotheken vor Ort sind weiterhin das Rückgrat der Arzneimittelversorgung: kompetent, niederschwellig, persönlich und unverzichtbar“, betonte Hoffmann. „Gleichzeitig steigen wirtschaftliche Belastungen, Personalmangel und strukturelle Herausforderungen weiter an. Das gefährdet immer mehr Betriebe.“ Bundesweit habe das Minus laut der Abda 2,8 Prozent betragen, nur noch 16.601 Betriebe sind zum Jahreswechsel übriggeblieben.

Auch wenn einzelne Neugründungen zeigten, dass junge Apothekerinnen und Apotheker durchaus bereit seien, Verantwortung zu übernehmen, setze sich der Trend weiterer Schließungen ungebremst fort und werde insbesondere in den Kommunen vor Ort sichtbar. In Düsseldorf und Duisburg gab es im vergangenen Jahr je sechs Apothekenschließungen bei lediglich einer Neueröffnung. In der Städteregion Aachen mussten demnach fünf Apotheken schließen, ohne dass eine neue hinzukam. Der Kreis Viersen verlor vier Apotheken; auch hier gab es keine Neugründung. Ein positives Signal kam hingegen aus dem Kreis Heinsberg, der im Jahr 2025 eine Neueröffnung meldete und keine Schließung zu verzeichnen hatte.

Ohne Honoraranpassung ist die Versorgung nicht zu halten

Für Patient:innen bedeute diese Entwicklung immer weitere Wege zur nächsten Apotheke, insbesondere im Nacht- und Notdienst. Hier müssten die verbliebenen Betriebe die Versorgungslücken der geschlossenen Apotheken kompensieren – die Belastung für die Inhaberinnen und Inhaber steige, während das Honorar seit Jahrzehnten stagniere.

Um die wohnortnahe Arzneimittelversorgung dauerhaft zu sichern, sieht die Kammer die Bundesregierung in der Pflicht. Zwar haben CDU/CSU und SPD in ihrem Koalitionsvertrag eine Erhöhung des Apothekenhonorars angekündigt – im Entwurf zur Apothekenreform, den das Bundeskabinett am 17. Dezember vorgelegt hat, fehlt diese jedoch vollständig. „Ohne eine klare und spürbare Anpassung des Apothekenhonorars ist die flächendeckende Versorgung auf Dauer nicht zu halten“, betonte Hoffmann. „Die Apotheken arbeiten seit Jahren am Limit. Die Honoraranpassung ist kein politisches Wünsch-dir-was, sondern zwingend notwendig.“

Hoffmann zeigte sich trotz der schwierigen Lage zuversichtlich: Die fünf Neueröffnungen zeigten, dass junge Pharmazeuten weiterhin bereit seien, in die Zukunft zu investieren. Sie seien aber auf die Unterstützung der Politik und eine spürbare Verbesserung der Rahmenbedingungen angewiesen. „Wenn die Politik jetzt handelt und die wirtschaftlichen Grundlagen stärkt, kann die Apotheke vor Ort ihre Rolle nicht nur halten, sondern weiter ausbauen. Als Gesundheitsdienstleister, als verlässliche Ansprechpartnerin für Prävention und Arzneimitteltherapiesicherheit und als moderner Versorgungsanker in der Region“, so Hoffmann abschließend.