Hoher Krankenstand: DAK-Chef für Teilkrankschreibungen 20.01.2026 08:35 Uhr
Krankheitsausfälle bei der Arbeit sind nach einer Auswertung der Krankenkasse DAK-Gesundheit im vergangenen Jahr auf einem hohen Niveau geblieben. Im Schnitt waren Beschäftigte 19,5 Kalendertage krankgeschrieben – annähernd so lange wie 2024 mit 19,7 Fehltagen, wie die Kasse nach eigenen Versichertendaten ermittelte. Wichtigster Grund für eine ärztlich bescheinigte Arbeitsunfähigkeit waren demnach Atemwegserkrankungen, psychische Erkrankungen und Muskel-Skelett-Problemen wie Rückenschmerzen.
DAK-Chef Andreas Storm sagte, die Analysen zeigten, dass sich der Krankenstand auf einem hohen Niveau einpendele. „Deswegen ist es richtig und notwendig, eine fundierte Ursachenforschung voranzutreiben.“ Storm begrüßte die von Kanzler Friedrich Merz (CDU) erneut angestoßene Debatte und forderte einen Gipfel im Kanzleramt, der Arbeitgeber, Gewerkschaften, Ärzte und Krankenkassen dazu an einen Tisch bringen sollte.
„Teilkrankschreibung“ als neues Modell?
Es gehe darum, neue Lösungswege zu entwickeln, sagte der Kassenchef. „Ein wichtiger Baustein kann die Einführung einer Teilkrankschreibung bei bestimmten Erkrankungen und Diagnosen sein.“ Gemeint ist damit, nur für einen Teil der täglichen Arbeitsstundenzahl krankgeschrieben zu werden.
Merz hatte bei einem Wahlkampftermin den aus seiner Sicht zu hohen Krankenstand angesprochen und die Möglichkeit infrage gestellt, bei bestimmten leichteren Erkrankungen auch telefonisch und ohne Praxisbesuch eine Krankschreibung zu bekommen. Gesundheitsministerin Nina Warken (CDU) will auch die Regelungen zur telefonischen Krankschreibung unter die Lupe nehmen. Die Regierungsparteien hätten sich im Koalitionsvertrag darauf verständigt, Missbrauch auszuschließen, sagte sie dem „Tagesspiegel“. „Genau das werden wir angehen und die aktuellen Regelungen auf den Prüfstand stellen. Wir brauchen praktikable Lösungen.“
Merz bekräftigte gestern bei einer Sitzung des CDU-Bundesvorstandes seine Aussage erneut: „Wenn die einbezogen würden, dann läge die Zahl noch deutlich höher. Und damit ist der Krankenstand im Durchschnitt in den Unternehmen in Deutschland zu hoch.“ Das gelte auch für den öffentlichen Dienst. Man suche gerade nach den Ursachen für diese Entwicklung und nach Lösungen. Auch Ärzte sagten, sie könnten gar nicht beurteilen, ob jemand wirklich arbeitsunfähig sei, wenn sie den Patienten nicht gesehen hätten. Er habe im Übrigen für seine Äußerungen vom Wochenende sehr viel Zustimmung bekommen.
Der DAK-Auswertung zufolge blieb der Krankenstand im vergangenen Jahr mit 5,4 Prozent auf einem erhöhten Niveau stabil. Es waren also an jedem Tag des Jahres im Schnitt 54 von 1000 Beschäftigten krankgeschrieben. Für die Analyse wertete das Berliner Iges-Institut den Angaben zufolge Daten von rund 2,4 Millionen Beschäftigten aus, die bei der Kasse versichert sind.
Psychische Erkrankungen nun häufiger als Rückenschmerzen
Krankheitsursache Nummer 1 waren im vergangenen Jahr demnach weiterhin Atemwegserkrankungen wie Erkältungen und Infekte mit 378,3 Fehltagen je 100 Versicherte nach 381,7 Fehltagen 2024. Auf Platz 2 lagen nun psychische Erkrankungen wie etwa Depressionen, die von 341,8 Fehltagen je 100 Versicherte auf 365,5 Fehltage zunahmen. Es folgten Muskel-Skelett-Probleme, die mit 346,9 Fehltagen je 100 Versicherte fast stabil blieben.
Die durchschnittliche Dauer einer Krankschreibung lag im vergangenen Jahr bei 9,8 Tagen nach 9,7 Tagen 2024. Bei älteren Beschäftigten über 60 Jahre waren es im Schnitt etwa 20 Tage, wie die Kasse erläuterte. Es sei seit einigen Jahren zu beobachten, dass ältere Beschäftigte seltener, aber dafür länger fehlten.
Meiste Fehlzeiten im Gesundheitswesen
Bei den Berufen waren Krankheitsausfälle bei Beschäftigten in Krankenhäusern und Pflegeheimen am häufigsten – sie kamen den DAK-Daten zufolge im Schnitt auf 22,5 Fehltage. Am wenigsten Fehltage mit durchschnittlich 12,6 gab es 2025 demnach bei Beschäftigten in der Datenverarbeitung.