Höhere Zusatzbeiträge: Warken weist Kassenkritik zurück 22.12.2025 08:57 Uhr
Trotz Sparpaket mit Ausgabenbremsen bei den Kliniken kommen zum 1. Januar auf Millionen Versicherte Beitragserhöhungen zu. Zwei große bundesweite Krankenkassen heben den Zusatzbeitrag im neuen Jahr an, wie es am Freitag hieß. Die Bundesgesundheitsministerin äußert Unverständnis.
Bundesgesundheitsministerin Nina Warken (CDU) weist Kritik gesetzlicher Krankenkassen zurück, sie habe nicht genug gegen Beitragserhöhungen getan. „Wenn die Kassen sagen, dass nur die anderen schuld seien, machen sie es sich zu einfach“, sagte die Ministerin der „Süddeutschen Zeitung“ (SZ). „Jeder hat Verantwortung, auch die Kassen.“
Sie habe die Finanzlücke geschlossen, sagte Warken. Nun zeige sich im Wettbewerb der Krankenkassen, wie sie jeweils damit umgingen. „Ich habe als Gesundheitsministerin den kassenindividuellen Zusatzbeitrag nicht in der Hand. Wir können die Krankenkassenbeiträge nicht so passgenau steuern wie die Beiträge in den anderen Sozialversicherungen.“
Beitragserhöhungen zum Jahreswechsel
Große Krankenkassen wie die Techniker Krankenkasse (TK; 12,3 Millionen Versicherte) und die DAK-Gesundheit (5,4 Millionen Versicherte) gaben am Freitag bekannt, ihre Beiträge zum Jahreswechsel zu erhöhen.
Bei der TK steigt der Zusatzbeitrag zum 1. Januar 2026 von 2,45 Prozent auf 2,69 Prozent. Damit bleibe man „deutlich unter dem Marktschnitt“. Die DAK-Gesundheit als Nummer Drei unter den Kassen teilte mit, den Zusatzbeitrag von 2,8 Prozent auf 3,2 Prozent anzuheben. Damit liege man „im mittleren Beitragsspektrum“ der Kassen.
DAK-Vorstandschef Andreas Storm sagte der Deutschen Presse-Agentur: „Das kleine Sparpaket der Bundesregierung reicht nicht aus, um das Versprechen stabiler Beitragssätze in der gesetzlichen Krankenversicherung halten zu können.“ Am Tag der Gesetzesverabschiedung habe man es durch nun bekannte Haushaltsbeschlüsse der Kassen schwarz auf weiß: „Für mehr als 39 Millionen Versicherte wird der Zusatzbeitrag zum Jahreswechsel angehoben“, sagte er nach einer DAK-Auswertung. Dies seien 52 Prozent der Versicherten.
Sparpaket für 2026 gerade beschlossen
Bundestag und Bundesrat hatten am Freitag in letzter Minute Warkens Sparpaket gebilligt. Es sieht Ausgabenbremsen vor allem bei den Kliniken vor und soll den Druck für erneute Anhebungen der Zusatzbeiträge zum 1. Januar 2026 vermindern. Das Ministerium hatte den durchschnittlichen Zusatzbeitrag als Orientierungsmarke für Entscheidungen der Kassen für 2026 auf dem aktuellen Niveau von 2,9 Prozent festgelegt.
Kassenvertreter warnen seit Längerem, dass Beitragserhöhungen auch mit diesem Sparpaket absehbar sind, da viele Kassen Reserven auf vorgeschriebene Mindestwerte auffüllen müssen. Zum gesamten Beitrag, den sich Arbeitnehmer und Arbeitgeber teilen, gehört neben dem jeweiligen Zusatzbeitrag der allgemeine Satz von einheitlich 14,6 Prozent des Bruttolohns.