Hessen

HAV: Boni-Deckel kostet 20.000 Euro APOTHEKE ADHOC, 01.09.2017 12:50 Uhr

Berlin - 

Zahlreiche Politiker erörterten beim gestrigen Gesundheitspolitischen Forum in Offenbach am Main den Erhalt der persönlichen, flächendeckenden Arzneimittelversorgung. Bei der vom Hessischen Apothekerverband (HAV) initiierten Veranstaltung diskutierten Kordula Schulz-Asche (Bündnis 90/ Die Grünen) und Markus Koob (CDU) aus dem Bundestag sowie Bettina Stark-Watzinger (FDP Hessen) und Professor Dr. Hilko Meyer (FH Frankfurt) die künftige Arzneimittelversorgung vor Ort.

Dabei interessierten Moderator Dr. Florian Staeck insbesondere die Vorschläge der Parteien zur Wiederherstellung der Gültigkeit von bundesweit einheitlichen Preisen für verschreibungspflichtige Arzneimittel. Koob betonte, dass der Gesetzesentwurf von Bundesgesundheitsminister Gröhe diese Gleichheit wieder herstellen kann, indem der Versandhandel auf Arzneimittel der Selbstmedikation begrenzt wird. Schulz-Asche zweifelte jedoch an diesem Ansatz. Die Grünen schlagen als kurzfristige Lösung die Begrenzung möglicher Boni auf einen Euro pro verschreibungspflichtiger Packung vor.

Dem erteilte der HAV-Vorsitzende Holger Seyfarth, Apotheker aus Frankfurt, eine Absage: „Damit würde das Betriebsergebnis einer durchschnittlichen Apotheke um rund 20.000 Euro reduziert und auf den Stand von 2007 zurückgeworfen.“ Der Trend zu Apothekenschließungen würde sich beschleunigen. Schon heute hält Seyfarth bundesweit etwa ein Viertel aller Apotheken aufgrund ihrer geringen Betriebsergebnisse für gefährdet.

„Die elf hessischen Apotheken, die in der ersten Jahreshälfte geschlossen haben, fehlen in der Versorgung vor Ort“, verdeutlicht Seyfarth, und fordert die Politiker auf, die Versorgung der Bevölkerung durch die noch verbleibenden 1494 Apotheken in Hessen nicht weiter zu gefährden. Die Begrenzung des Versandhandels auf Arzneimittel der Selbstmedikation hält er für das einzig geeignete Mittel, bundesweit einheitliche Preise für verschreibungspflichtige Arzneimittel wiederherzustellen. „Im Sinne der sozialen Gerechtigkeit ist das unerlässlich“, betont Seyfarth.