HAV: Rx-Versandverbot „Frage des politischen Willens“ 15.01.2026 15:39 Uhr
Der Hessische Apothekerverband (HAV) fordert die Bundesregierung und die Bundesländer dazu auf, ein Rx-Versandverbot umzusetzen und den OTC-Versand konsequent am Patientenschutz auszurichten. Der Europäische Gerichtshof (EuGH) trenne rechtlich klar zwischen OTC- und Rx-Arzneimitteln. Nach Ansicht des HAV sei ein Rx-Versandverbot rechtlich konsequent durchsetzbar – sofern der politische Wille hierzu bestehe.
„Seit Jahren werden der Rx-Versandhandel und dessen rechtswidrige Rx-Boni politisch nicht angegangen, sondern mit dem Verweis ausgesessen, dass hier europarechtliche Hürden das politische Handeln unmöglich machen. Währenddessen schließen immer mehr Vor-Ort-Apotheken und die Versorgung vor allem im ländlichen Bereich wird immer dünner. Das ist nicht verantwortbar“, betont Holger Seyfarth, Vorsitzender des HAV.
Hintergrund seien die gerade veröffentlichten Schlussanträge des Generalanwalts am EuGH. „Die EU zieht eine klare Trennlinie zwischen OTC und Rx. OTC-Versand kann man nicht pauschal verbieten, Rx-Versand darf man national untersagen. Wer etwas anderes behauptet, ignoriert die Realität und will schlicht nicht handeln“, so Seyfarth.
Rechtsgrundlage sei dabei Artikel 85c der Richtlinie 2001/83/EG: Dieser lasse nationale Verbote des Fernabsatzes verschreibungspflichtiger Arzneimittel ausdrücklich unberührt, so der Verband. „Rx-Versandverbot ist damit keine juristische Unmöglichkeit, sondern eine Frage des politischen Willens“, betont der Verbandsvorsitzende.
Der HAV fordert nun einen verbindlichen Gesetzgebungsfahrplan für ein Rx‑Versandverbot zum Schutz von Patientensicherheit und zum Erhalt der Vor-Ort-Versorgung, sowie ein robustes Regelpaket für den OTC-Versand (Beratung/Interaktionscheck, Dokumentation, Missbrauchs‑ und Fälschungsschutz).
Schreiben an die Ministerin
Dazu habe der Verband auch Schreiben an Bundesgesundheitsministerin Nina Warken sowie an die hessische Gesundheitsministerin Diana Stolz (beide CDU) übermittelt. „Wir erwarten kurzfristig einen konkreten gesetzgeberischen Pfad. Ein weiteres Vertagen dieses Themas ist keine Option“, so Seyfarth.
„Wer die Vor-Ort-Arzneimittelversorgung stärken will, muss handeln. Wer weiter nichts unternimmt, ist für die zunehmenden Apothekenschließungen und die größer werdenden weißen Flecken in der Arzneimittelversorgung verantwortlich“, betonte Seyfarth abschließend.