„Apotheken, die gegen Politik agitieren“

Hänel: SPD diskreditiert Apotheken 31.03.2026 14:14 Uhr

Berlin - 

Am Wochenende schrieben die stellvertretende Fraktionsvorsitzende Dagmar Schmidt und der gesundheitspolitische Sprecher Christos Pantazis einen Brief an ihre Fraktionskollegen, in dem sie unter anderem auch vor den Apotheken warnten, „die gegen die Politik agitieren“. Das will die Freie Apothekerschaft (FA) nicht auf dem Berufsstand sitzen lassen. Die Existenzkrise der Apotheken vor Ort sei keine Fata Morgana, sondern Realität, schreibt die Vorsitzende Daniela Hänel in einem offenen Brief an die Abgeordneten.

„Lasst euch deshalb nicht verunsichern, wenn Arztpraxen oder Apotheken gegen die Politik agitieren oder Pharmalobby und Verbändevertreter Patientinnen und Patienten verunsichern, weil sie ihre eigenen Interessen angegriffen fühlen“, warnten die beiden SPD-Politiker ganz unverhohlen.

Diese Haltung stößt bei der FA auf Ablehnung: „Sie diskreditiert einen gesamten Berufsstand, der unter Aufbietung aller Kräfte die flächendeckende Arzneimittelversorgung sichert, und lenkt von den eigenen Zusagen Ihrer Partei ab“, kritisiert Hänel scharf. Statt die Sorgen der Apothekerschaft abzutun, solle man sich mit den Fakten auseinandersetzen.

Schließungswelle

Die Schließungswelle sei kein Mythos und keine „Agitation“: „Wenn Apotheken schließen, ist das kein taktisches Manöver von Verbänden. Es ist das bittere Ergebnis einer chronischen Unterfinanzierung, die auch zu einem großen Teil in Ihre Verantwortung fällt“, betont Hänel. Zum Jahreswechsel sei die Zahl der Apotheken bundesweit auf den historischen Tiefstand von 16.601 Betriebsstätten gefallen. Allein im vergangenen Jahr habe es ein Minus von 440 Apotheken gegeben. Seit 2013 habe fast jede vierte Apotheke in Deutschland für immer schließen müssen. „Wir sperren nicht zu, um die Politik zu ärgern, sondern weil die Betriebe wirtschaftlich nicht mehr tragbar sind!“

„Genug Geld“

Die Behauptung, es sei „genug Geld im System“, sei eine Mär: „Sie schreiben, das System habe kein Einnahmeproblem. Fakt ist jedoch: Das Apothekenhonorar ist seit 2004 nur marginal gestiegen und seit über einem Jahrzehnt eingefroren, während die Betriebskosten in diesem Zeitraum um rund 65 Prozent gestiegen sind“, betont die FA-Vorsitzende. Die Politikerinnen ignorierten völlig, dass das Geld eben nicht bei denjenigen ankomme, die die Patientenversorgung an der Basis leisten würden.

Fehlende Verantwortungsbereitschaft

Zuletzt konfrontiert Hänel die beiden Abgeordneten mit ihrer eigenen Verantwortung. Diese würden in ihrem Schreiben auf die Zusammenarbeit mit der Union verweisen und das Erbe ihres ehemaligen Ministers Karl Lauterbach zum Maßstab erklären. Dabei sei die im Koalitionsvertrag festgeschriebene Erhöhung des Fixums auf 9,50 Euro als Soforthilfe eine „glasklare Zusage an unseren Berufsstand“ gewesen. „Dass die SPD diese dringend benötigte Soforthilfe nun im Zuge neuer politischer Bündnisse und Kommissionen stillschweigend beerdigen will, empfinden die Kolleginnen und Kollegen vor Ort als politischen Vertrauensbruch“, betont Hänel.

„Ein System verbessert man nicht, indem man engagierte und vor allen Dingen zuverlässige Leistungserbringer öffentlich als reine ‚Interessengruppen‘ abstempelt und gegeneinander ausspielt. Wir fordern Sie auf, zu einer sachlichen und lösungsorientierten Politik zurückzukehren, die die flächendeckende Versorgung durch inhabergeführte Apotheken ernsthaft sichert, statt sie durch tatenloses Zusehen weiter ausbluten zu lassen“, appelliert Hänel.