Kostenstatistik

GKV: Wo die Ausgaben wirklich explodieren 10.03.2026 15:16 Uhr

Berlin - 

Die Ausgaben der Krankenkassen steigen in den vorläufigen Rechnungsergebnissen des Bundesgesundheitsministeriums (BMG) für das Jahr 2025 analog zum Vorjahr um 7,8 Prozent und damit deutlich stärker als die Beitragseinnahmen mit rund 5,3 Prozent. Arzneimittel wiesen eine geringere Dynamik auf als andere Versorgungsbereiche.

Den Einnahmen der Krankenkassen in Höhe von 355,9 Milliarden Euro standen Ausgaben in Höhe von 352,4 Milliarden Euro gegenüber. Die Ausgaben für Leistungen und Verwaltungskosten verzeichneten bei einer gleichbleibenden Anzahl von Versicherten einen Zuwachs von 7,8 Prozent.

Verwaltungskosten

Die Verwaltungskosten stiegen um 4,7 Prozent beziehungsweise 602 Millionen Euro von 12,7 auf 13,3 Milliarden Euro. Die sächlichen Verwaltungskosten wuchsen um 4,4 Prozent, die persönlichen Verwaltungskosten um 6 Prozent.

Leistungsausgaben

Die Leistungsausgaben wuchsen um 7,9 Prozent beziehungsweise 24,6 Milliarden Euro von 311,7 auf 336,4 Milliarden Euro.

Krankenhausbehandlungen: 111,4 Milliarden Euro, plus 9,6 Prozent

Die Ausgaben für Krankenhausbehandlungen wuchsen um 9,6 Prozent beziehungsweise 9,7 Milliarden Euro und stellen laut BMG damit den maßgeblichen Treiber der hohen Ausgabendynamik dar. Der prozentuale Zuwachs liegt demnach mehr als doppelt so hoch wie der Durchschnitt der jährlichen Zuwächse im Zeitraum 2013 bis 2024 und übertrifft die Dynamik im bisherigen Rekordjahr 2024.

Arzneimittel: 58,5 Milliarden Euro, plus 5,9 Prozent

Die Aufwendungen für die Versorgung mit Arzneimitteln stiegen um 5,9 Prozent beziehungsweise 3,2 Milliarden Euro und bleiben laut BMG im Jahresverlauf nahezu unverändert. Hier verzeichneten Aufwendungen für Arzneimittel im Rahmen der ambulanten spezialfachärztlichen Versorgung deutlich überdurchschnittliche Zuwächse von 27,1 Prozent. Auch die Arzneimittelausgaben steigen laut BMG stärker als im Durchschnitt der Jahre 2013 bis 2024.

Arztbehandlung: 53,9 Milliarden Euro, plus 7,6 Prozent

Auch die Ausgaben für ambulant-ärztliche Behandlungen wuchsen stark um 7,6 Prozent beziehungsweise 3,8 Milliarden Euro. Für die hohe Dynamik weit oberhalb des langjährigen Durchschnitts sei unter anderem entscheidend, dass für den bundeseinheitlichen Orientierungspunktwert wie bereits für 2024 ein gegenüber dem langjährigen Durchschnitt höherer Anstieg um 3,85 Prozent vereinbart wurde. Zur hohen Dynamik tragen laut BMG auch die kräftig steigenden Ausgaben für das ambulante Operieren (15,7 Prozent), die ambulante spezialfachärztliche Behandlung (plus 16,3 Prozent), Behandlungen in Hochschulambulanzen (plus 8,9 Prozent) und die spezialisierte ambulante Palliativversorgung (plus 15,2 Prozent) bei.

Medizinische Behandlungspflege: 12,0 Milliarden Euro, plus 12,6 Prozent

Mit einem stark überdurchschnittlichen Wachstum von 12,6 Prozent wies der Bereich der medizinischen Behandlungspflege laut BMG das dritte Jahr in Folge eine Wachstumsrate von mehr als 10 Prozent auf.

Reha: 5,1 Milliarden Euro, plus 10 Prozent

Die Ausgaben für Vorsorge- und Rehabilitationsleistungen, die nach den pandemiebedingten Einbrüchen des Jahres 2020 im Schnitt um rund 10,5 Prozent pro Jahr wuchsen, entwickelten sich mit einer Steigerung von 10 Prozent ungebrochen dynamisch fort.

Heilmittel: 14,7 Milliarden Euro, plus 10,4 Prozent

Auch die Aufwendungen für Behandlungen durch Heilmittelerbringer verzeichnen mit 10,4 Prozent erneut eine sehr dynamische Entwicklung, welche das dritte Jahr in Folge oberhalb von 10 Prozent liegt. Seit 2019 sind die Aufwendungen für Heilmittel um insgesamt rund 5,9 Milliarden Euro beziehungsweise 68 Prozent gestiegen. Dynamisch wirkt sich aktuell die sogenannte Blankoverordnung aus, für die laut BMG Aufwendungen von 557 Millionen Euro in der Physiotherapie und 439 Millionen Euro in der Ergotherapie verzeichnet wurden.

Fahrtkosten: 10,4 Milliarden Euro, plus 8,9 Prozent

Auch die Aufwendungen für Fahrkosten verzeichnen mit 8,9 Prozent eine hohe Wachstumsrate. Hier weisen vor allem die Aufwendungen für Fahrten mit Rettungswagen (plus 10 Prozent) sowie die Aufwendungen für Flugrettungen (plus 19,2 Prozent) hohe Wachstumsraten auf.

Bundesgesundheitsministerin Nina Warken (CDU) kommentierte: „Die vorläufigen Finanzergebnisse unterstreichen die schwierige Lage in der gesetzlichen Krankenversicherung. Seit 2024 steigen die Ausgaben wesentlich stärker als die Einnahmen, auch in diesem Jahr. Zwar konnten wir die Finanzlage in 2026 mit einem Maßnahmenpaket kurzfristig stabilisieren und große Beitragssatzsprünge zum Jahreswechsel vermeiden. Doch ab 2027 sind in der GKV jedes Jahr Finanzierungslücken in zweistelliger Milliardenhöhe zu erwarten.“

Zentrales politisches Ziel sei die nachhaltige Stabilisierung der Beitragssätze; man müsse den Entwicklungen der vergangenen Jahre endlich etwas entgegensetzen. „Ende März legt die FinanzKommission Gesundheit dafür ihre Vorschläge vor. Auf dieser Grundlage starten wir zügig den Gesetzgebungs- und Reformprozess. Allen Entscheidungsträgern muss bewusst sein, dass dafür alle Akteure des Gesundheitswesens ihren Beitrag leisten werden müssen. Nur so können die Haushalte und die Unternehmen vor weiter steigenden Beitragslasten bewahrt werden. Der Reformdruck ist gewaltig, doch bietet er auch die Chance unser Gesundheitssystem zukunftsfest und nachhaltig finanzierbar aufzustellen. Diese notwendigen und tiefgreifenden Reformen treiben wir jetzt voran.“

Ergebnis des Gesundheitsfonds

Der Gesundheitsfonds, der zum Stichtag 15. Januar 2026 über eine Liquiditätsreserve von rund 7,1 Milliarden Euro verfügte, verzeichnete im vorläufigen Rechnungsergebnis 2025 ein Defizit von 0,6 Milliarden Euro. Die Beitragseinnahmen (ohne Zusatzbeiträge) stiegen im Vergleich zum Vorjahr um 5,3 Prozent. Verantwortlich für die gute Einnahmenentwicklung sind laut BMG insbesondere die deutlich gestiegenen beitragspflichtigen Löhne und Gehälter. Zwischen Ende 2022 und Ende 2024 konnten Arbeitgeber ihren Beschäftigten steuer- und beitragsfreie Inflationsausgleichsprämien gewähren, die nun vielfach durch höhere reguläre – und damit beitragspflichtige – Lohnsteigerungen abgelöst werden.