Gesundheitsminister: Lockerung für Landapotheken 12.10.2026 06:09 Uhr
Wie überall im Bundesgebiet schließen auch in Brandenburg jedes Jahr zahlreiche Apotheken. Während der Speckgürtel noch vergleichsweise gut versorgt ist, entstehen dadurch gerade auf dem ohnehin strukturschwachen Land weitere Lücken. Der noch recht neue Gesundheitsminister René Wilke (SPD) hat das auf dem Schirm, hofft aber auch auf entsprechendes Monitoring bei der Apothekerkammer und dem -verband, wie er in einem Podcast erzählt hat.
Dass die Versorgung nicht mehr die gleiche ist wie noch vor einigen Jahren, merken die Brandenburger spätestens seit dem Frühjahr, wenn sie eine Notdienstapotheke suchen. Denn aufgrund des ausgedünnten Netzes werden die Wege hier auf dem Land und auch in der Stadt schnell länger. Noch dazu wird aus Sicht der Standesvertretung zu wenig für den Nachwuchs getan: Nach wie vor hat Brandenburg keinen eigenen Standort für das Pharmaziestudium.
Im Polit-Podcast „Moment mal Brandenburg“ wurde Wilke aktuell gefragt, wie es denn aussieht, wenn auf dem Land plötzlich der Arzt im Ort aufhört und dadurch auch der Apotheke mit einem Schlag massiv Umsatz fehlt. „Stirbt der Landarzt, stirbt drei Monate später die Apotheke und dann stirbt möglicherweise der ganze Ortskern“, so die These; auf einen Schlag fehlten dann schnell Diagnose und Medikamente.
Wilke weiß um die Themen, das Honorar wurde zu lange nicht angefasst, doch nun hätten die Apotheken mit der Reform die Chance bekommen, dass sie „perspektivisch mehr sein werden, als sie heute sind“. Hierbei sieht er nicht nur die neuen Leistungen, die bereits per Reform beschlossen sind, sondern auch ein mögliches Krankenschwestermodell, das vor allem in ländlichen Versorgungsstrukturen gut über die Apotheken „angedockt“ sein könnte.
Die neuen Leistungen könnten „die Versorgungsstrukturen entlasten und gleichzeitig auch die Wirtschaftlichkeit von Apotheken stärken“. Wilke sieht hier zwar den Protest der Ärzte dagegen, „Aufgaben abzugeben und damit auch Gelder abzugeben, die sie derzeit einnehmen“. Eventuell helfe hier eine differenzierte Herangehensweise: Denn die meisten Apotheken in Potsdam bräuchten keine Leistungen erbringen, die auch der Arzt nebenan machen könne. In den ländlichen Regionen sehe das aber anders aus. Hier brauche es „diese Öffnung“.
Monitoring für drohende Schließungen?
Im Podcast wurde Wilke zudem gefragt, ob es denn hinsichtlich bestimmter Versorgungslücken ein Monitoring gebe, das beispielsweise im ländlichen Raum eine Chance zum reagieren gibt, um eine von der Schließung bedrohte Apotheke offenzuhalten. „Selbstverständlich habe ich mich mit den Apothekerinnen und Apothekern auch schon getroffen.“ Auch einen Termin mit Kammerchef Jens Dobbert in dessen Apotheke in Forst gebe es demnächst. „Und was ich da zumindest höre, ist, dass sie sich von dem Ministerium und dem Fachbereich gut gesehen und mitgenommen fühlen.“
Auch bei den Bundesratsinitiativen habe man zuletzt gut zusammengearbeitet. „Ob wir über jede einzelne Apotheke in der aktuellen wirtschaftlichen, personellen Lage Bescheid wissen, da würde ich jetzt meine Hand nicht für ins Feuer legen, aber dass wir ein ganz gutes Bild darüber landesweit haben, das würde ich schon bejahen.“
Seiner Meinung nach hat der Apothekerverband ein sehr gutes Bild, das er auch teilt. „Insofern weiß ich nicht, ob wir was Neues aufbauen müssen.“