Kampagne #Praxisland

Gassen: „Es braucht bessere Rahmenbedingungen“ 19.01.2026 14:28 Uhr

Berlin - 

Die bundesweite Kampagne #Praxenland der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV) und der Kassenärztlichen Vereinigungen (KVen) geht in eine neue Phase über. Unter dem Motto „Lass dich nieder in Praxenland“ soll der nächsten Generation von Medizinerinnen und Medizinern gezeigt werden, wie der Praxisalltag in der ambulanten Versorgung wirklich aussieht – und warum sich eine Niederlassung trotz widriger Rahmenbedingungen lohnt. Der KBV-Vorstandsvorsitzende Dr. Andreas Gassen betont allerdings, dass die Rahmenbedingungen für niedergelassene Ärztinnen und Ärzte dringend verbessert werden müssten, um die eigene Praxis auch weiterhin attraktiv zu machen.

„Die Arbeit in der eigenen Praxis ist mehr als ein Beruf – sie ist eine Berufung. Die Kolleginnen und Kollegen arbeiten für ihr Leben gern in der Niederlassung und sie tun das mit viel Herzblut. Aber damit das so bleibt, braucht es bessere Rahmenbedingungen“, betont Gassen. Allein im Jahr 2024 hätten die vertragsärztlichen Praxen Leistungen im Wert von circa 2,7 Milliarden Euro nicht bezahlt bekommen. Jährlich würden über 40 Millionen Termine im fachärztlichen Bereich nicht vergütet. „Das kann so nicht weitergehen. Mit dieser Kampagne werben wir deshalb nicht nur für den Erhalt der ambulanten Versorgung, sondern auch für die Wertschätzung, die sie verdient“, so Gassen.

Mit Slogans wie „Mehr Verantwortung tragen als jede Führungsetage“ und „Werde dein eigener Chef, Arzt“ sowie Motiven, die echte Ärztinnen und Ärzte bei ihrer Arbeit zeigen, sollen die Vorzüge einer Niederlassung herausgestellt werden. Insgesamt fünf Haus- und Fachärzte aus verschiedenen Regionen Deutschlands seien als Kampagnengesichter beim Shooting dabei gewesen.

„Wer sich niederlässt, arbeitet mit Herz und hat die Chance, Menschen über Jahre zu begleiten. Diese Nähe zeigt, warum die Praxis vor Ort so eminent wichtig ist“, sagt der stellvertretende Vorstandsvorsitzende der KBV, Dr. Stephan Hofmeister. Ohne sie sei auch der gesellschaftliche Zusammenhalt zunehmend gefährdet. Schon jetzt seien etwa 5.000 Hausarztsitze deutschlandweit unbesetzt, und die Abgangsraten durch die Babyboomer würden zukünftig noch weiter steigen. „Deshalb brauchen wir dringend Strukturreformen – unter anderem müssen zum Beispiel bürokratische Hürden schleunigst abgebaut werden“, so Hofmeister.

Der Appell „Lass dich nieder in Praxenland“ verknüpfe die #Praxenland-Kampagne, mit der KBV und den KVen, die seit 2025 den Stellenwert der ärztlichen und psychotherapeutischen Praxen betonen, mit der Nachwuchskampagne „Lass dich nieder“. Mit dieser Aufforderung wendeten sich die KBV und die KVen bereits seit Mai 2014 gezielt an Medizinstudierende und junge Ärzte, um sie über die Arbeit in der Niederlassung zu informieren.

„Die Dankbarkeit der Patientinnen und Patienten ist eine große Motivation für die Kolleginnen und Kollegen. Gleichzeitig wissen wir: Junge Ärztinnen und Ärzte brauchen bessere Rahmenbedingungen wie weniger Bürokratie, die Abschaffung sinnloser Wirtschaftlichkeitsprüfungen und eine verlässliche Digitalisierung. Genau dafür kämpfen wir – und zeigen mit ‚Lass dich nieder in Praxenland‘ auch, wie attraktiv die ambulante Versorgung sein kann“, erklärt KBV-Vorstandsmitglied Dr. Sibylle Steiner.

Die aktuelle Recruiting-Kampagne soll vom 19. Januar bis zum 29. März deutschlandweit und multimedial über Social Media, Streamingdienste, digitale Medien sowie als Außenwerbung an relevanten Standorten – etwa im Berliner Regierungsviertel sowie in der Nähe von Krankenhäusern und Kliniken – ausgespielt werden. Ihren Höhepunkt soll die Aktion Anfang März mit einem Kampagnenfilm, der eine Praxisgründung beispielhaft begleiten wird, finden.