Linnemann arbeitet an Vorschlägen

Frei: Gerechtigkeit bei Facharztterminen 19.10.2026 09:53 Uhr

Berlin - 

Unionsfraktionschef Thorsten Frei dringt auf mehr Gerechtigkeit bei Wartezeiten auf Facharzttermine. „Alle Versicherten müssen in vertretbarer Frist einen Facharzttermin bekommen“, sagte der CDU-Politiker dem „Kölner Stadt-Anzeiger“. Bundesgesundheitsminister Carsten Linnemann (CDU) werde hierzu Vorschläge machen.

Zwar bringe das Nebeneinander von privater und gesetzlicher Krankenversicherung Vorteile, sagte Frei. Trotzdem werde manches im System „als ungerecht empfunden oder ist tatsächlich ungerecht“. Ein Beispiel seien die oft langen Wartezeiten für Facharzttermine.

Kanzler Friedrich Merz (CDU) hatte vor knapp einem Monat gesagt, wenn sich der Eindruck verfestige, dass privat Versicherte sofort jede Leistung bekämen und gesetzlich Versicherte Wochen und Monate warten, sei das „ein Gerechtigkeitsproblem“.

Auch zur geplanten Reform des Arbeitszeitgesetzes äußerte sich Frei – und verwies auf die Vereinbarungen im schwarz-roten Koalitionsvertrag. „Im Koalitionsvertrag haben wir glasklar vereinbart, im Einklang mit der europäischen Arbeitszeitrichtlinie die Möglichkeit einer wöchentlichen anstatt einer täglichen Höchstarbeitszeit zu schaffen – auch und gerade im Sinne einer besseren Vereinbarkeit von Familie und Beruf“, sagte er. Die Gewerkschaften hatten wiederholt vor einem Ende des Acht-Stunden-Tages gewarnt.

Blatt: „Himmelschreiende Ungerechtigkeit“

Gesetzlich Versicherte sollen nach Ansicht des Spitzenverbands der gesetzlichen Krankenkassen (GKV) bei der Vergabe von Arztterminen besser gestellt werden. „Wir müssen den Zugang zur ambulanten Versorgung so organisieren, dass Termine nach medizinischem Bedarf vergeben werden und nicht danach, wie jemand versichert ist“, sagte der Vorstandsvorsitzende des GKV-Spitzenverbandes, Oliver Blatt, den Funke Medien.

Blatt sagte, 75 Millionen Menschen seien gesetzlich versichert und finanzierten damit den allergrößten Teil der ärztlichen Honorare. Trotzdem würden sie bei der Terminvergabe häufig benachteiligt. Das sei eine „himmelschreiende Ungerechtigkeit“.

Schon früher hatte der Spitzenverband erklärt, um Gerechtigkeit herzustellen, brauche es eine tagesaktuelle Plattform, in die alle Praxen einen festen Anteil ihrer Termine einstellen. Und dann sollte auch nicht mehr gefragt werden dürfen, ob man gesetzlich oder privat versichert sei.

GKV-Chef gegen Begriff Zweiklassenmedizin

GKV-Chef Blatt sagte, er halte nichts vom Begriff Zweiklassenmedizin. „Im Krankenhaus und von den allermeisten Ärzten werden gesetzlich Versicherte genauso gut behandelt wie Privatpatienten, teilweise ist für sie sogar die Abrechnung einfacher“, betonte er. Die Ungleichbehandlung zeige sich vor allem bei den Wartezeiten auf Arzttermine.

Am Freitag hatte sich der Chef der Techniker Krankenkasse, Jens Baas, für den Umbau des dualen Systems mit gesetzlichen und privaten Krankenversicherungen ausgesprochen. Private und gesetzliche Krankenversicherung sollten abgeschafft werden. In einem neuen System sollte dann das Beste aus beiden Welten genutzt werden.

Sozialverband: „Wir nehmen Thorsten Frei hier beim Wort“

Der Sozialverband Deutschland sprach sich für eine „faire, bedarfsgerechte Versorgung ohne Mehrklassensystem“ aus. „Selbst der Bundeskanzler hatte zuletzt diese Schieflage und ein 'Ungerechtigkeitsgefühl' bei der Krankenversicherung endlich richtig erkannt“, sagte die Vorstandsvorsitzende Michaela Engelmeier. Jetzt müsse wirklich gegen die Schere bei der Krankenversicherung zwischen gesetzlich und privat vorgegangen werden. „Wir nehmen Thorsten Frei hier beim Wort: Denn wer medizinische Hilfe braucht, darf nicht monatelang auf fachärztliche Behandlung warten müssen“, sagte Engelmeier.

Die finanzielle Lage der gesetzlichen Krankenkassen ist angespannt. Laut Schätzerkreis steigen die Ausgaben der gesetzlichen Kassen voraussichtlich in einem Jahr von 370,1 auf 378,1 Milliarden Euro. Hinter den Kulissen laufen Debatten über eine große GKV-Reform. Vorschläge soll eine vor einem guten Jahr eingesetzte FinanzKommission Gesundheit vorlegen.