Versorgung im Team

Finanzkommission: Weg von der arztzentrierten Honorierung 27.08.2026 15:20 Uhr

Berlin - 

Im Frühjahr hat die Finanzkommission Gesundheit ihren ersten Bericht vorgelegt. Klarer Auftrag war es, die gesetzliche Krankenversicherung (GKV) kurzfristig zu stabilisieren. Im zweiten Bericht – derzeit in Arbeit – soll es nun um Strukturreformen gehen. Der Bericht soll Ende des Jahres vorgelegt werden. Viel ist bislang nicht über dsa Vorhaben bekannt, die Mitglieder sind zur Verschwiegenheit verpflichtet. Doch mit Blick auf das vom Bund geplante Primärversorgungssystem wollen die Experten von der arztzentrierten Honorierung Abstand nehmen, wie sie in einem Interwiev mit der Ärzte Zeitung erklären.

Eines der großen strukturellen Vorhaben im Gesundheitssystem, das die Bundesregierung in dieser Legislaturperiode umsetzen will, ist die Etablierung eines Primärversorgungssystems. So sollen unnötige Arztkontakte vermieden und Patienten schneller an den richtigen Ansprechpartner vermittelt werden. Dabei sollen neben den Ärzten auch andere Berufsgruppen eine Rolle spielen.

Zu viele Patientenkontakte

Im Interview mit der Ärzte Zeitung erklärte Kommissionsvorsitzender Professor Dr. Ferdinand Gerlach, dass es mit Blick auf die abnehmende Arztarbeitszeit nicht bei der in Deutschland überdurchschnittlich hohen Zahl an Arztkontakten bleiben könne. „Das System kann daher nicht so arztzentriert bleiben wie bisher“, so Gerlach.

Das bestätigte auch Kommissionsmitglied Professor Dr. Jonas Schreyögg. Gegenüber der Ärzte Zeitung erklärte er, es sei notwendig, die Ärzte zu entlasten.

Honorierungssystem zu stark arztzentriert

Dabei müsse auch das Honorierungssystem neu gestaltet werden. Aktuell sei es zu stark auf den Arzt zugeschnitten. „Es wäre zielführender, die Honorierung nicht nur an die Leistung des Arztes zu koppeln, sondern eher an das Team“, forderte Schreyögg in der Ärzte Zeitung.

Auch Gerlach bezeichnete das aktuelle System im Interview als „Dogma der persönlichen Leistungserbringung durch den Vertragsarzt“. Dadurch würde erschwert, die Versorgung im deutschen Gesundheitswesen teamorientierter zu gestalten.

Primärversorgungszentren

In einem funktionierenden Primärversorgungssystem müssten insbesondere die Hausärzte einen Großteil der Patienten bereits fallabschließend behandeln. Es dürfe nicht zu einer übermäßigen Überweisung zum Facharzt kommen. Insbesondere in ländlichen Regionen müsse mehr in Primärversorgungszentren investiert werden, forderten die Experten.

In diesen Zentren sollten verschiedene Berufsgruppen im Team zusammenarbeiten. So könne ein Zentrum auch von nichtärztlichen Berufen geleitet werden wie Physician Assistants, heißt es in dem Bericht der Ärzte Zeitung. Allerdings bewege man sich hier regulatorisch aktuell noch in Grauzonen, erklärte Gerlach. Im Interview verwies Gerlach auch auf Vorbilder wie die früheren Gemeindeschwestern sowie auf Polikliniken.

Der zweite Bericht solle laut Ärzte Zeitung am 18. Dezember vorgelegt werden.