Finanzkommission schockt Pharmahersteller 17.09.2026 15:52 Uhr
Nach dem heutigen Fachgespräch der Finanzkommission Gesundheit herrscht Ernüchterung. Angesichts von möglichen Re-Evaluationen und Kosten-Nutzen-Bewertungen von Arzneimitteln warnt Pharma Deutschland vor einem Kurswechsel. Die diskutierten zusätzlichen anlasslosen Bewertungs- und Preisverfahren drohten, Versorgung und Innovation zu belasten, ohne die strukturellen Finanzierungsprobleme der gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) zu lösen.
„Wer Arzneimittel immer wieder anlasslos zur Preisverhandlung stellt und ihren Wert nur in Kosten misst, verlässt den bewährten Pfad der patientenorientierten Nutzenbewertung. Mit reiner Rationalisierungslogik allein entsteht kein echter Mehrwert für die Versichertengemeinschaft. Und ein gutes Signal für einen verlässlichen Innovationsstandort Deutschland ist es auch nicht“, so Dorothee Brakmann, Hauptgeschäftsführerin von Pharma Deutschland.
Der Verband weist darauf hin, dass das AMNOG-Verfahren bereits heute kein statisches System sei. Neue wissenschaftliche Erkenntnisse, Indikationserweiterungen, befristete Beschlüsse des Gemeinsamen Bundesausschusses (G-BA) oder das Auslaufen von Vertragslaufzeiten könnten Neubewertungen und neue Erstattungsbeträge auslösen. Mehr als die Hälfte der Verfahren der vergangenen Jahre waren erneute Bewertungen. Wer darüber hinaus noch zusätzliche, anlasslose Re-Evaluationen fordere, müsse erklären, welchen medizinischen oder versorgungsrelevanten Erkenntnisgewinn sie bringen sollen – und wie dies mit den im Pharmadialog verfolgten Zielen eines Bürokratieabbaus vereinbar sein könne.
Auch die Preisentwicklung belege, dass das System bereits dynamisch arbeite. Eigene Analysen von Pharma Deutschland zu den zehn umsatzstärksten AMNOG-Arzneimitteln zeigten durchschnittlich rund acht Preisanpassungen je Präparat über eine mittlere Marktdauer von zehn Jahren. Die meisten Anpassungen seien Preissenkungen gewesen; heute schon im Schnitt alle 16 Monate.
Besonders kritisch bewertet Pharma Deutschland Überlegungen, Zugang stärker mit Kosten-Nutzen-Bewertungen zu steuern. Deutschland habe sich im AMNOG bewusst für eine andere Logik entschieden. Im Mittelpunkt stehe der Zusatznutzen einer neuen Therapie gegenüber einer zweckmäßigen Vergleichstherapie. Auf dieser Grundlage verhandelten Hersteller und GKV-Spitzenverband anschließend den Erstattungsbetrag. Dieses zusatznutzenbasierte Verhandlungsprinzip sollte gestärkt und flexibilisiert werden. Im Pharmadialog fänden derzeit intensive Diskussionen zu einer Weiterentwicklung des AMNOG statt, der Fokus sollte hierauf gelegt werden.