Bei Kassen statt Versorgung sparen!

Finanzkommission: FA warnt vor Salamitaktik 02.04.2026 13:09 Uhr

Berlin - 

Mit einer zynischen Kommentierung zu den Vorschlägen der Finanzkommission Gesundheit verabschiedet sich die Freie Apothekerschaft (FA) ins Osterwochenende: Man ziehe ehrfürchtig den Hut vor den vorgestellten Sparvorschlägen.

Mit bewundernswerter Kreativität schlage die Kommission vor, die flächendeckende Arzneimittelversorgung in Deutschland durch ein spannendes, bürokratisches Experiment zu ersetzen. Besonders die Idee, die freie Apothekenwahl für Patienten über Kassen-Ausschreibungen abzuschaffen, verdiene einen Innovationspreis für gelebte Patientenferne.

„Es ist eine fabelhafte Idee: Wer künftig schwer erkrankt aus der Arztpraxis wankt, darf sich auf eine sportliche Schnitzeljagd freuen“, kommentiert die FA-Vorsitzende Daniela Hänel die Pläne mit einer gehörigen Portion Galgenhumor. „Anstatt einfach in die vertraute Apotheke um die Ecke zu gehen, dürfen Patienten künftig quer durch die Stadt – oder gleich ins Internet – wandern, weil die eigene Krankenkasse dort einen Exklusivvertrag ergattert hat. Beratungskompetenz, Menschlichkeit und schnelle Hilfe im Notfall werden völlig überbewertet, wenn man dafür ein paar Cent sparen kann!“

Man warne eindringlich davor, die Ausschreibungen dadurch zu verharmlosen, dass sie nur Zytostatika beträfen. „Wer so argumentiert, ignoriert die Realität! Schauen wir uns doch die Hilfsmittel an: Durch dortige Kassen-Einzelverträge dürfen viele Apotheken heute schon keine Lanzetten, Nadeln oder Inhalatoren mehr an die Patienten abgeben. Wenn wir bei den Arzneimitteln den Damm brechen lassen und die Kassen wieder das Instrument der Ausschreibung in die Hand bekommen, folgen nach den Krebsmedikamenten ganz schnell Ausschreibungen zur Verblisterung für Pflegeheime, Pflegedienste oder die Versorgung von Diabetikern. Das ist eine gefährliche Salamitaktik und zerstört die wohnortnahe Versorgung für alle chronisch Kranken!“

Sparen nur bei den Anderen

Faszinierend sei die Entschlossenheit, mit der die Kommission den Rotstift schwinge – solange sie damit die Verwaltung der Krankenkassen nicht berühre. Während die Arzneimittelpreise steigen und die moderne Pharmazie immer komplexer wird, hinkt das Apothekenhonorar der wirtschaftlichen Realität seit Jahren meilenweit hinterher. Als Krönung sollen den Apotheken nun sogar bereits zugesagte Gelder für die Beratung schwerkranker Menschen wieder weggenommen werden. Stichwort: pharmazeutische Dienstleistungen (pDL).

„Man muss diese eiserne Disziplin einfach bewundern: Bei Patienten und Leistungserbringern wird gnadenlos gekürzt, aber der gigantische Verwaltungsapparat der Krankenkassen bleibt eine unantastbare Wellness-Oase“, so Hänel weiter. „Wer braucht in Deutschland schon eine wohnortnahe Apotheke, wenn wir uns stattdessen den puren Luxus von über 90 eigenständigen Krankenkassen leisten können? Über 90 Vorstände mit fürstlichen Gehältern, über 90 riesige Verwaltungsapparate und millionenschwere Werbebudgets, mit denen sich die Kassen gegenseitig die Versicherten abjagen – das ist wahre Effizienz!“

Die Forderungen der FA:

  • Keine Zwangszuweisung von Patienten: „Kranke Menschen brauchen keine vorgeschriebenen Vertragspartner wie bei einer Ausschreibung, sondern die Apotheke ihres Vertrauens direkt vor Ort.“
  • Kassen auf Diät setzen: „Wer das Wort ‚Strukturreform‘ unfallfrei aussprechen will, muss bei der überbordenden Krankenkassen-Bürokratie anfangen, nicht bei den schwerkranken Menschen.“
  • Keine Zweckentfremdung von pDL-Rücklagen: „Anstatt diese Gelder jetzt einfach wieder aus dem System abzuziehen und in den Kassen zu versenken, fordern wir: Lasst das Geld im System! Nutzt es, um die Patientenberatung bürokratieärmer zu machen und das pDL-Honorar der Apotheken endlich auf eine solide, wirtschaftlich tragfähige Basis zu stellen.“
  • Wirtschaftliche Honorierung: „Wir fordern eine Vergütung, die es uns Apothekeninhabern ermöglicht, nicht nur nackte Kosten zu decken. Wir müssen als eigenständige Unternehmer wirtschaften können! Dazu gehören faire Gehälter für unsere pharmazeutischen Fachkräfte, dringend notwendige Investitionen in die Zukunft und finanzielle Mittel um Kosten, Inflation, Vorsorge und Lebensunterhalt stemmen zu können.“

„Wir fordern Bundesgesundheitsministerin Nina Warken auf, diesen ironischen Albtraum schnellstmöglich zu beenden. Gesundheit ist keine Ausschreibungsware. Wir fordern ein echtes Bekenntnis zur wirtschaftlich tragfähigen Patientenversorgung und zur inhabergeführten Apotheke vor Ort – bevor der letzte Apotheker das Licht ausgemacht hat!“