Kleine Anfrage

FDP fragt nach Missbrauch von Arzneimitteln APOTHEKE ADHOC, 19.03.2019 16:20 Uhr

  • ... seinen Platz als Fraktionschef sicher. Foto: Elke Hinkelbein

Berlin - In einer Kleinen Anfrage an der Bundesgesundheitsministerium befasst sich die FDP-Fraktion mit dem Thema Arzneimittelmissbrauch und Abhängigkeit. Die Gefahren beträfen sowohl verschreibungspflichtige wie OTC-Arzneien, schreibt die FDP und will wissen wieviele Personen an Medikamentensucht leiden und welche wirtschaftlichen Schäden dies verursacht.

Eine falsche Dosierung oder eine zu lange Anwendung von Medikamenten berge Gefahren wie Nebenwirkungen, Wechselwirkungen oder Abhängigkeiten. Diese Gefahren beträfen sowohl rezeptfreie wie auch rezeptpflichtige Medikamente. Besonders dramatische Folgen zeigten sich in den USA, wo eine laxe Verschreibungspraxis von Opioiden zu einer „regelrechten Epidemie“ geführt habe. Allein zwischen 2000 und 2015 sollen rund eine halbe Million Menschen in den USA an den Folgen einer Opioid-Sucht gestorben sein, so die FDP-Fraktion.

Laut FDP werden in Deutschland jedes Jahr rund drei Milliarden Einzeldosen an Schmerzmitteln als Over-The-Counter-Präparat (OTC) verkauft, hinzu kommen die ausgegebenen verschreibungspflichtigen Schmerzmittel. Fast die Hälfte der Menschen zwischen 18 und 64 nehme laut Drogen- und Suchtbericht mindestens einmal im Monat Schmerzmittel, knapp 20 Prozent der Bevölkerung sogar wöchentlich. Neben Schmerzmitteln hätten auch Schlaf- und Beruhigungsmittel, Aufputschmittel, Psychopharmaka und Neuroleptika ein hohes Suchtpotential.

Bemerkenswert findet die FDP, dass im Drogen- und Suchtbericht der Bundesregierung zwar aktuelle Projekte zu Arzneimitteln vorgestellt würden, allerdings im Kapitel zu vom Bund geförderten Projekten die Kategorie Medikamente nicht einmal existiere im Gegensatz zu etwa Alkohol oder Tabak. Aus Sicht der FDP ist damit „keine Strategie in der Prävention und in der Bekämpfung von Medikamentenmissbrauch der Bundesregierung erkennbar, schlimmer noch – die Bundesregierung ist in diesem Bereich praktisch untätig“.

Wissen will die FDP von der Bundesregierung unter anderem, wie viele Personen arzneimittelsüchtig sind und daran versterben. „Welche Anzahl an Personen unternimmt pro Jahr nach Kenntnis der Bundesregierung einen Selbsttötungsversuch unter Anwendung von Medikamenten (OTC und verschreibungspflichtig) und welche Anzahl dieser Menschen verstirbt dabei“, fragt die FDP-Fraktion weiter. In Erfahrung bringen möchte die FDP auch die Höhe der Kosten für die Krankenkassen und die gesamten volkswirtschaftlichen Schäden.

In einem weiteren Fragenkapitel erkundigt sich FDP nach illegal hergestellten und über das Internet gehandelten Arzneimitteln: „Welche Maßnahmen plant die Bundesregierung, um gegen die illegale Herstellung und den illegalen Vertrieb von Medikamenten vorzugehen?“ Wissen will die FDP zudem, welche Werbeausgaben jährlich jeweils für OTC- und verschreibungspflichtige Medikamente ausgegeben werden. Und zum Abschluss: „Plant die Bundesregierung weitere Maßnahmen zur Regulierung der Werbung für Medikamente, wenn ja, welche und wann?“

In Deutschland gelten laut Apothekerkammer Niedersachsen etwa 600.000 Menschen als abhängig von Opiaten, weitere 1,2 bis 1,5 Millionen als abhängig von Benzodiazepinen wie Valium. Nach Angaben der ABDA steht die Arzneimittelabhängigkeit damit bundesweit auf Platz zwei – nach Tabak, aber noch vor Alkohol. Medikamentenmissbrauch lasse sich meist nur bei Stammkunden erkennen, räumte Kammerpräsidentin Magdalene Linz ein.