„Vorstellungen geprägt von Unkenntnis“

Facharzttermine: Gassen kontert SPD-Fraktionschef 27.03.2026 08:15 Uhr aktualisiert am 27.03.2026 13:36 Uhr

Berlin - 

SPD-Fraktionschef Matthias Miersch fordert einen gesetzlichen Anspruch auf einen zeitnahen Termin beim Facharzt. „Angemessen wären etwa drei Wochen“, sagte Miersch dem Redaktionsnetzwerk Deutschland (RND). Es sei nicht gerecht, dass Privatversicherte schneller einen Facharzttermin bekämen, als gesetzlich Versicherte.

Als Möglichkeit schlug Miersch ein „Bonus-Malus-System in der Ärztevergütung“ vor. „Wer keine Termine anbietet, dessen Budget sinkt. Alternativ könnte das Geld dann an Kliniken gehen, die mit ambulanten Arztterminen einspringen.“

Wartezeit von 42 Tagen

In der Debatte um lange Wartezeiten für Facharzttermine hatte schon der ehemalige Gesundheitsminister Karl Lauterbach (SPD) eine Termingarantie bei Fachärzten für gesetzlich Versicherte gefordert. Nach einer Antwort des Gesundheitsministeriums auf eine Linken-Anfrage betrug bei gesetzlich Versicherten, die mindestens einen Tag auf einen Facharzttermin gewartet haben, die Wartezeit 2024 durchschnittlich 42 Tage.

Aktuell arbeitet eine von Bundesgesundheitsministerin Nina Warken (CDU) eingesetzte Expertenkommission an Vorschlägen für Einsparungen bei der Gesundheitsversorgung. Sie soll ihre Ergebnisse kommende Woche vorstellen.

„Vorstellungen geprägt von Unkenntnis“

Der Vorstandsvorsitzende der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV), Dr. Andreas Gassen, unterstellt Miersch anhand seiner Aussagen Unkenntnis der Realität im Praxisalltag. „Die Vorstellungen einiger führender Politikvertreter sind, gelinde gesagt, geprägt von Unkenntnis der realen Versorgungssituation sowie einer unerträglichen Regelungswut, die faktisch nicht funktionieren kann und ins Leere läuft. Eine Milliarde Arzt-Patienten-Kontakte und rund 600 Millionen Behandlungsfälle jährlich sprechen eine beredte Sprache und bilden 97 Prozent des Versorgungsgeschehens ab. Über 40 Millionen Termine erbringen die fachärztlichen Kolleginnen und Kollegen umsonst, sozusagen, ‚aufs Haus‘“, so Gassen deutlich.

„Und nun schlägt der SPD-Fraktionschef allen Ernstes vor, das ohnehin nicht ausreichende Budget mit einem sogenannten Bonus-Malus-System zu versehen. Dahinter steckt offenbar die selbstverständliche Erwartung, dass die Praxen bei immer weniger finanziellen Mitteln für die Patientenversorgung trotzdem immer mehr leisten. Um es klar zu sagen: Termine werden zuallererst nach medizinischer Notwendigkeit vergeben, nicht nach politischen Wunschträumen aus der sozialistischen Mottenkiste“, so Gassen weiter.

Die Wahlergebnisse der SPD würden zeigen, dass die Deutschen „solche Vorschläge nicht mehr ernst nehmen oder gar goutieren“. An Miersch gerichtet meint er zudem sarkastisch: „Bitte auch die Zahl der Sonnenscheintage in Deutschland per Gesetz verbindlich regeln. Das wird das Wetter mächtig beeindrucken.“