„Versorgen statt Sparen“

Fachärzte starten Kampagne gegen Sparreform 21.09.2026 12:24 Uhr

Berlin - 

Der Spitzenverband Fachärztinnen und Fachärzte Deutschlands (SpiFa) startet heute seine bundesweite Kampagne mit dem Titel „Versorgen statt Sparen“. Mit Plakaten und Flyern in Facharztpraxen sowie einer Informationsplattform wollen die Fachärzte ihre Patientinnen und Patienten über die Folgen des GKV-Spargesetzes informieren. Im Mittelpunkt der Kampagne stehe die Botschaft: „Das GKV-Beitragssatzstabilisierungsgesetz (BStabG) kürzt bei der fachärztlichen Versorgung der Patientinnen und Patienten.“

Durch die Sparreform würden notwendige finanzielle Mittel für alle fachärztlichen Leistungen ab 2027 wieder in ein gedeckeltes Vergütungssystem gezwängt. Gleichzeitig würden die inflationsbedingten Vergütungsanpassungen begrenzt – trotz der in den Praxen steigenden Kosten für Personal, Räumlichkeiten, Energie, IT, medizinische Geräte und Material. Die Folge seien Unwirtschaftlichkeit, Kapazitätsabbau, keine Neuaufnahmen, wegfallende Behandlungstermine und längere Wartezeiten.

„Eine solche Entwicklung führt in den Versorgungskollaps. Keine fachärztliche Praxis kann auf Dauer immer unwirtschaftlicher arbeiten. Darüber klären wir Patientinnen und Patienten nun auf. Sie verdienen es, zu wissen, was diese Sparpolitik ganz konkret für ihre Versorgung ab nächstem Jahr bedeutet“, so der Vorstandsvorsitzende Dr. Dirk Heinrich.

„Versorgen statt Sparen“

Ein Facharzttermin bestehe nicht nur aus einigen Minuten ärztlicher Zeit. Die Fachärzte müssten Räumlichkeiten finanzieren, seien auf qualifiziertes Personal für die Organisation und Betreuung wie auch moderne Geräte und hochwertiges Material für die Versorgung der Patientinnen und Patienten angewiesen. „Die Kosten dafür steigen und steigen. Wenn Politik jetzt den Rotstift bei der fachärztlichen Versorgung ansetzt, darf sich keiner wundern, wenn Versorgungskapazitäten wegbrechen.“

Zwar sei die stabile Finanzierung der gesetzlichen Krankenversicherung ein legitimes politisches Ziel, aber stabile Beiträge und gute Versorgung dürften kein Gegensatz sein. „Wir brauchen eine Gesundheitspolitik, die vorhandene Behandlungskapazitäten erhält und neue ermöglicht. Deshalb heißt unsere Kampagne: Versorgen statt Sparen“, so Heinrich weiter.

Fachärzte tragen die ambulante Versorgung

99.900 Fachärztinnen und Fachärzte arbeiten in der vertragsärztlichen Versorgung – ohne Hausärzte und nicht-ärztliche Psychotherapeuten – sie erbringen jährlich rund 385 Millionen fachärztliche Behandlungsfälle. Zwei von drei vertragsärztlichen Behandlungsfällen würden damit in der fachärztlichen Versorgung erbracht. Dem stünden lediglich rund 14,5 Millionen stationäre GKV-Krankenhausfälle gegenüber.

„Wer über die Zukunft der Versorgung spricht, darf einfach nicht ignorieren, wo der größte Teil der täglichen Patientenversorgung tatsächlich stattfindet. Die ambulante fachärztliche Versorgung ist eine tragende Säule des Gesundheitssystems. Die jetzige Sparpolitik behandelt sie jedoch, als sei sie ein Randbereich, zumal der Sparbeitrag der Ärzteschaft einseitig auf die fachärztlichen niedergelassenen Praxen abgewälzt wurde“, so Heinrich.